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  FTD-Serie: Immobilien-Kompass

Die Preise für Häuser und Wohnungen in Europa und den USA sind im freien Fall. In Deutschland dagegen ist der Markt stabil, in manchen Städten steigen die Preise sogar. Und: Die Lage ist in Krisenzeiten noch entscheidender als sonst. FTD.de und das Wirtschaftsmagazin Capital stellen die Top-Adressen vor.

Merken   Drucken   01.06.2011, 04:00 Schriftgröße: AAA

Immobilien-Kompass: "Es kann lange dauern, bis eine Blase platzt"

Karl Case, der Erfinder des wichtigsten Immobilienpreisindex der USA, warnte schon 2003 vor einem Crash. Überhitzungen zu verhindern, hält er für fast unmöglich. Doch von deutschen Investoren hat er eine gute Meinung. von Mathias Ohanian
Professor Case, warum ist es immer noch so schwer, Blasen zu erkennen? In den vergangenen Jahren gab es doch reichlich Anschauungsmaterial.
Case: Es gibt zu viele mögliche Ursachen. Die Immobilienblase in Amerika wurde stark durch die Geldschwemme 2001 und 2002 getrieben. Eine Blase kann aber auch im Aufschwung entstehen, wenn viele ihr Geld in Immobilien anlegen und die Preise deshalb zulegen. Investoren zahlen immer mehr - in der Erwartung steigender Preise.
Karl Case   Karl Case
Solche Übertreibungen sollten sich doch stoppen lassen.
Case: Das sagen Sie so einfach. Es kann unheimlich lange dauern, bis eine Blase platzt. Den exakten Zeitpunkt vorherzusagen ist fast unmöglich. Es gibt viele fundamentale Faktoren, mit denen Ökonomen Preisanstiege erklären, wie Bautätigkeit, Haushaltswachstum oder Demografie. Erst wenn solche Faktoren als Erklärung nicht mehr reichen, einigt man sich darauf, dass es eine Blase geben könnte.
Dann ist es oft zu spät. Warum verlangt man bei Baukrediten nicht höhere Sicherheiten, wenn die Preise deutlich steigen? So ließe sich eine Überhitzung verhindern.
Case: Das wäre eine Möglichkeit. Leider sind wir ungeheuer schlecht darin, den richtigen Moment abzupassen. Wenn die Preise oben sind, ist es zu spät, mit strengeren Kreditstandards herumzuhantieren. Das einzige und wirksamste Instrument dürfte die Geldpolitik sein.
Wenn Notenbanken aber frühzeitig mit Zinserhöhungen gegensteuern, kann das schnell einen Aufschwung abwürgen.
Case: Eines ist klar: Hebt eine Notenbank die Zinsen an, um Übertreibungen zu bekämpfen, erhöht das die Risiken für die Konjunktur. Unternehmen würden ihre Investitionen zurückfahren. Aber ich sehe keine bessere Möglichkeit.
In Deutschland brummt die Konjunktur. Die Geldpolitik der EZB dürfte für unsere Verhältnisse zu lax sein. Der optimale Nährboden für eine Blase?
Case: Blasen entstehen entweder durch eine sorglose Kreditvergabe in einer Rezession oder durch eine steigende Nachfrage im Aufschwung. Damit die Immobilienpreise wirklich steigen, braucht es auch dann noch eine Initialzündung. Etwas muss die Nachfrage antreiben.
Beispielsweise höhere Löhne.
Case: Natürlich. Wenn die Löhne in Deutschland steigen, besteht das Risiko einer Spirale nach oben. Erwartungen und Preise könnten zulegen - und die Inflation antreiben. Dann kann die EZB ein Problem bekommen. Vor allem wenn die Randländer der Euro-Zone sich bis dahin noch nicht wieder berappelt haben und die Notenbank deshalb die Zinsen nur moderat anheben kann.
Bislang sind die Deutschen um einen Immobiliencrash herumgekommen.
Case: Vielleicht sind sie einfach nüchterner als Anleger in anderen Ländern.

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Teil 2: Spekulation - Die Mutter aller Finanzkrisen

  • FTD.de, 01.06.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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