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Merken   Drucken   13.11.2012, 15:24 Schriftgröße: AAA

Immobilien: Verwüstete Rendite in Dubai

Dubai buhlt wieder um das Geld der Anleger. Dabei machen etliche ältere Fonds deutschen Investoren immer noch zu schaffen.
© Bild: 2012 Bloomberg
Dubai buhlt wieder um das Geld der Anleger. Dabei machen etliche ältere Fonds deutschen Investoren immer noch zu schaffen.
von Frauke Ladleif

Da ist er wieder, der Gigantismus in Dubai. Eine Nachbildung des Tadsch Mahal soll es diesmal sein: ein Wolkenkratzer, viermal so groß wie das indische Grabmal. Dubai will wieder auf sich aufmerksam machen - als Boomtown mit extravaganten Bauten. Das Ziel: Geld aus dem Ausland, um den Immobilienmarkt anzukurbeln.

Der liegt seit Jahren brach. Vor gut sechs Jahren hatte es in Dubai einen Immobilienboom gegeben. Damals schossen Wolkenkratzer und Hotels aus dem Boden oder aus dem Wasser. Auch deutsche Immobilieninvestoren lockte die Wüstenoase in Scharen. Anleger konnten investieren, meist über unternehmerische Beteiligungen, sprich geschlossene Fonds. Millionen Euro wurden so von Privatanlegern eingesammelt. Doch auf den Ansturm folgte der Absturz, ausgelöst von der weltweiten Finanzkrise. Der Immobilienmarkt brach zusammen - und mit ihm all die Geschäftsmodelle, die in bilderreichen und textarmen Hochglanzprospekten um das Geld der Immobilienanleger warben.

Besucher betrachten das „Falconcity of Wonders“ Modell in Dubai   Besucher betrachten das „Falconcity of Wonders“ Modell in Dubai

Eine Bilanz dieser Fonds zeigt, dass kaum einer gehalten hat, was er versprach. Viele sind in der Insolvenz oder wurden mit Verlusten für die Anleger aufgelöst. Einige Geschäftsführer von Emissionshäusern stehen vor Gericht oder werden per Haftbefehl gesucht. Erst Mitte Oktober wurde einer der umtriebigsten Dubai-Investoren in Mainz festgenommen: Frank Simon, Chef des Emissionshauses Trend Capital, der drei Dubai-Fonds aufgelegt hatte. Der Vorwurf: "Untreue durch die zweckwidrige Verwendung von Anlagegeld des von ihm aufgelegten Fonds Trend Capital Dubai Business Bay sowie Urkundenfälschung", teilte die Oberstaatsanwaltschaft Koblenz der FTD mit.

Dabei war es bei Trend Capital so gut gelaufen. Beim ersten Fonds erhielten die Anleger laut Leistungsbilanz das Kapital Ende 2007 mit einer Rendite von 19 Prozent zurück. Die anderen beiden Fonds mit einem Eigenkapital von mehr als 50 Mio. Euro aber überraschte die Krise. Sie laufen immer noch, obwohl sie schon längst hätten aufgelöst werden sollen. An das Geld sei nun nur noch schwer heranzukommen, sagt Daniel Vos, Rechtsanwalt von der Kanzlei Göddecke. "Das Geld ist längst auf Konten im Ausland." Simon selbst bestreitet die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft. Er sitzt derzeit in Untersuchungshaft. Für eine Stellungnahme war bei der Gesellschaft niemand erreichbar.

Noch dramatischer ist die Bilanz den sieben Fonds des einstigen Marktführers Alternative Capital Invest (ACI). Die Gütersloher Gesellschaft hatte rund 600 Mio. Euro Gesamtinvestitionsvolumen zusammengekratzt. Während des Booms lief es rund - Promis wie Niki Lauda, Michael Schumacher und Boris Becker warben für die Fondsgesellschaft. Den ersten Fonds löste ACI erfolgreich auf. Doch mit dem Crash wurden viele Bauprojekte gestoppt. Vier Fonds sind mittlerweile in der Obhut eines Insolvenzverwalters. Der spricht von desaströsen Zahlen: 77 Mio. Euro von Privatanlegern steckt in den Fonds. Von dem Geld sei nichts mehr da, so der Insolvenzverwalter. Tatsächlich laufen gegen ACI derzeit auch zwei Strafverfahren. Bereits 2011 hatte die Staatsanwaltschaft Bielefeld Anklage wegen Kapitalanlagebetrugs gegen Geschäftsführer Uwe Lohmann und seinen Sohn Robin erhoben. Sie sollen die Fondsmittel für andere Geschäfte ausgegeben haben. Im März 2012 kam noch eine Anklage gegen Robin Lohmann hinzu - wegen Urkundenfälschung. Er und sein Vater bestreiten die Vorwürfe laut Staatsanwaltschaft. Der Nachweis über den Betrug ist schwierig. Laut Staatsanwaltschaft floss das Geld der Anleger auf ein Konto von Robin Lohmann in Dubai. An die Kontodaten kommt sie jedoch nicht heran - weil Deutschland kein Rechtshilfeabkommen mit Dubai hat.

Diese fehlende Kooperation zwischen den beiden Staaten nimmt auch in einem weiteren Fall kuriose Züge an. Georg Recker, Geschäftsführer des Dubai-1000-Fonds, versprach Anlegern satte Renditen mit Investitionen in ein Hotel. Seit Jahren ist Recker jedoch nicht mehr in Deutschland aufgetaucht. Dabei wirft ihm die Staatsanwaltschaft Dortmund vor, von den 140 Mio. Euro Fondsvolumen rund 40 Mio. Euro für andere Zwecke abgezweigt zu haben. Sie stellte einen Auslieferungsantrag an Dubai, woraufhin Recker Anfang 2011 von den dortigen Behörden zunächst verhaftet wurde - jedoch nur für kurze Zeit. Laut Staatsanwaltschaft kam er dann in Hausarrest. Wie und wo Recker derzeit haust, wissen auch die Juristen nicht.

Immer mehr Merkwürdigkeiten

Die Liste der Merkwürdigkeiten in Sachen Dubai-Fonds geht weiter, ruft man bei anderen Fondsgesellschaften aus der Zeit an. Unter der Telefonnummer von Dubai Select beispielsweise meldet sich ein anderes Unternehmen: Dubai Select sei schon seit Jahren ausgezogen. Bei World Funds heißt es, dass die Verantwortlichen für die Fonds wahrscheinlich erst in ein paar Tagen wieder im Büro seien. Das solle Information genug sein. Weitere Kontaktdaten gibt die Bürogemeinschaft jedoch nicht weiter.

Risikoreich, intransparent , nicht marktreif

Steffen Möller überrascht die Entwicklung nicht. Der Chefanalyst bei der Ratingagentur Scope hatte den Hype um Dubai-Fonds schon vor sechs Jahren skeptisch gesehen. "Für uns waren das Fonds, bei denen kaum Aussicht auf Erfolg bestand" , sagt er rückblickend. Zwei Fonds habe Scope analysiert. "Wir wollten sehen, was dahinter steckt." Das Ergebnis: Extrem risikoreich, intransparent und nicht marktreif. Ein Brancheninsider formuliert es so: "Das waren GOW-Fonds - Geld ohne Wiederkehr."

Einige Emissionshäuser halten aber noch die Stellung. Manch einer glaubt, die Krise bald überwunden zu haben. "Der Markt erholt sich derzeit rasant", sagt etwa Sven Reinicke von Quickfunds. Die Mieten seien zuletzt um zehn bis 20 Prozent pro Jahr gestiegen. "Deswegen haben wir auch 2011 einen vierten Fonds aufgelegt. Hätte wir den nicht gerade noch in der Platzierung, wir würden einen fünften auflegen." Auch Christian Atzert von World of Fonds ist optimistisch, dass er den Anlegern das Geld aufgrund der seiner Meinung nach guten Entwicklung auf dem Immobilienmarkt zurückzahlen kann. Bis 2016 wurde die Laufzeit seiner Fonds verlängert.

Doch nicht alle sind so euphorisch. Oskar Edler von Schickh, Chef von Ventafonds, hat noch zwei Fonds. Die Gesellschafter hätten zwar die Fondslaufzeit bis 2016 verlängert, bei einem habe er aber davon abgeraten. Die derzeitigen Mieteinnahmen deckten noch nicht einmal die laufenden Kosten. "Dass sich der Markt schnell erholt, halte ich für fraglich", sagt er. Dafür gebe es zu viele Wohnungen.


Boom- und Doomtown
Vorher Während der Krise sind die Immobilienwerte in Dubai um bis zu 65 Prozent eingebrochen, viele Bauvorhaben wurden gestoppt.
Nachher Derzeit stehen nach Schätzungen des Immobilienberatungsunternehmens Jones Lang LaSalle ein Viertel der Wohnimmobilien leer. Bei den Büroflächen im zentralen Geschäftsviertel von Dubai sind es rund ein Drittel.
Ausblick Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass sich der Markt zu einem gewissen Grad erholt habe. Weil Immobilienfirmen jedoch Verträge erfüllen müssten, die vor der Krise abgeschlossen worden seien, kämen trotz des Leerstands immer mehr Flächen hinzu. Und: Neue Projekte würden wieder geplant.
  • FTD.de, 13.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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