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Merken   Drucken   20.09.2011, 18:11 Schriftgröße: AAA

Neubauzahlen: Der US-Immobilienmarkt steckt tief in der Krise

Nach früheren Rezessionen war der US-Häusermarkt stets einer der wichtigsten Wachstumstreiber der Konjunktur. Davon ist er derzeit himmelweit entfernt. Eine Besserung ist nicht in Sicht.
© Bild: 2010 reuters
Nach früheren Rezessionen war der US-Häusermarkt stets einer der wichtigsten Wachstumstreiber der Konjunktur. Davon ist er derzeit himmelweit entfernt. Eine Besserung ist nicht in Sicht. von Frank Bremser 
Der US-Häusermarkt kommt nicht aus der Krise. Die Zahlen der Neubaubeginne von Privathäusern fiel im August im Vergleich zum Vormonat um fünf Prozent auf annualisiert 571.000. Das ist deutlich weniger als Analysten erwartet hatten. Sal Catrini von Cantor Fitzgerals & Co sagte der Nachrichtenagentur Reuters: "Sie haben die Prognosen verfehlt und dann auch noch nach unten korrigiert. Es ist übel, dass ein ausnehmend schwacher Markt auch noch die niedrigen Erwartungen verfehlt."
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Ökonomen zufolge müsste der Wert für einen gesunden Immobilienmarkt sogar bei 1,2 Millionen liegen. Doch nicht nur die Neubauzahlen, auch die Verkaufszahlen sind weiter schwach. Im Juli fielen die Verkäufe von neuen Häusern auf das Gesamtjahr gerechnet auf 298.000, der niedrigste Wert in fünf Monaten. Damit steuert der Markt auf das schwächste Ergebnis seit mehr als 50 Jahren hin.
Analysten verweisen jedoch darauf, dass angesichts der Krise in den USA das Mieten immer mehr Fans findet. Zudem kaufen mehr Amerikaner gebrauchte Häuser als früher. Doch auch dies ist nicht unbedingt ein gutes Zeichen: Denn die Häuser aus dem Bestand kosten im Schnitt 28 Prozent weniger als neugebaute Unterkünfte. Analysten zufolge beträgt dieser Wert in einem gesunden Immobilienmarkt jedoch gerade einmal die Hälfte.
Auch wenn der private Häusermarkt nur einen kleinen Teil des gesamten Immobilienmarktes ausmacht, hat er doch einen sehr großen Effekt auf die Gesamtwirtschaft. Nach Aussagen der National Association of Home Builders schafft jeder Hausneubau drei Arbeitsplätze für ein Jahr und generiert ein Steueraufkommen von 90.000 Dollar. Nach bisherigen Rezessionen hat der private Häusermarkt im Schnitt 15 Prozent zur Wirtschaftsleistung der USA beigetragen. Nach dem Ende der letzten Rezession 2009 waren es jedoch nur vier Prozent.
Wie die Lage in diesem Segment ist, gestand zuletzt auch der Chef der amerikanischen Notenbank Federal Reserve (Fed) Ben Bernanke  ein. Auf der jährlichen Konferenz der US-Notenbanker in Jackson Hole, sagte Bernanke, dass seit dem Zweiten Weltkrieg der Immobilienmarkt einer der wichtigsten Stützen gewesen sei, wenn das Land in eine Rezession geraten sei. Davon könne derzeit keine Rede sein. "Die schlechte Situation auf dem Immobileinmarkt hat nicht nur Auswirkungen auf die Bauindustrie, sondern auch auf eine große Zahl an Zulieferern für diese Bereiche, sowie auf die Finanzmärkte und die Kreditvergabe."
Pierre Ellis von Decision Ecomnomics sagte der Nachrichtenagentur AP, dass eine deutliche Besserung auf dem Häusermarkt nötig sei, damit dieser einen positiven Effekt auf die US-Konjunktur haben könne. Doch bis es wirklich zu einer Erholung kommen könnte, dürfte noch einige Zeit vergehen.
Bereits am Montag hatte ein Stimmungsindex der National Association of Home Builders gezeigt, dass die ohnehin miese Stimmung im Immobiliensektor sich im September noch weiter verschlechtert hat. Der Indexwert betrug 14, alle Werte unter 50 bedeuten, dass der Zustand des Marktes schlecht ist. Zum letzten Mal erreichte der Index einen Wert von mehr als 50 auf dem Höhepunkt des US-Immobilienbooms im April 2006.
Scott Brown von dem Vermögensverwalter Raymond James sagte Reuters: "Der Häusermarkt wird sich nicht erholen, wenn sich nicht die Lage auf dem Arbeitsmarkt substantiell verbessert. Und danach sieht es in diesem Jahr nicht aus." Ähnlich sieht es auch Celia Chen von Moody's Analytics. Sie sagte der Nachrichtenagentur Bloomberg: "Das Umfeld verschlechtert sich immer weiter und es gibt keinerlei Zeichen einer echten Trendumkehr."
Deshalb gehen Experten davon aus, dass die schwachen Daten vom Häusermarkt und von der Konjunktur insgesamt die Fed dazu bringen könnte, auf ihrer Zinssitzung am Dienstag und Mittwoch neue Stützungsmaßnahmen für die US-Wirtschaft zu beschließen.
Einen kleinen Hoffnungsschimmer haben Analysten jedoch ausgemacht: Denn während die Zahl der echten Neubaubeginne fällt, steigt die Zahl der Baugenehmigungen leicht an. Bauunternehmen ließen sich Projekte genehmigen, um dann, wenn sie glauben, eine Besserung der Wirtschaftslage sei in Sicht, loszulegen. Zudem machen Optimisten für die schwachen Zahlen auch den Orkan Irene im Nordwesten der USA verantwortlich.
  • FTD.de, 20.09.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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