Ausgewählte offene Immobilienfonds
Zum Verhängnis wurde den Fonds der kurzfristige Kapitalbedarf von institutionellen Investoren, Dachfonds und Vermögensverwaltern. "Die kurzfristige Rücknahme von Anteilen bei gleichzeitig langer Bindung des Kapital ist die Achillesferse der Immobilienfonds", sagt Claudia Vogl-Mühlhaus von der Ratingagentur Scope. So verzeichnete Axa Investment Managers innerhalb der vergangenen vier Wochen Abflüsse von 420 Mio. Euro. Wegen der schwierigen Finanzierungsbedingungen hätten Investoren die Positionen aufgelöst, die bis zuletzt noch im Plus standen, sagte Oliver Weinrich, Vertriebschef der Axa-Immobilienprodukte.
Offene Immobilienfonds stemmten sich bis zuletzt erfolgreich gegen die Finanzkrise, während Aktien und Unternehmensanleihen bereits massiv gefallen waren. Per Ende September wiesen die Fonds im Schnitt eine Jahresrendite von 5,1 Prozent aus. Auch die nunmehr eingefrorenen Fonds erzielten positive Ergebnisse. In einer Stellungnahme warnte der Fondsverband BVI vor einer Pauschalverurteilung der Anlageklasse. Die Nöte der Fonds seien auf das Verhalten größerer Investoren zurückzuführen. Die Aussetzung der Anteilsrücknahme diene zum Schutz der Anleger und stelle deren Gleichbehandlung sicher, so der BVI. Branchenexperten vermuten, dass weitere Spezial- oder Publikumsfonds mit einem hohen Anteil von Profiinvestoren eingefroren werden. Sie kritisieren, dass einige Fonds nicht ausreichend Vorkehrungen getroffen haben, um massive Mittelabflüsse zu verhindern. "Da haben sich einige als Geldmarktfonds missbrauchen lassen", sagte ein Insider, der nicht namentlich genannt werden wollte. In Boomzeiten seien institutionelle Investoren willkommen, in schlechten Zeiten könnten sie mit ihren Mittelabflüssen den Fonds aber Probleme bereiten. Beim TMW Immobilienfonds hielten institutionelle Investoren zur Jahresmitte 80 Prozent des Kapitals. Auch bei Kan Am vermuten Kenner ein starkes Engagement von Profiinvestoren. Im Juli flossen dem Fonds Grundinvest in nur zehn Tagen 500 Mio. Euro zu. Dies sei selbst mit einem dichten Vertriebsnetz bei Privatanlegern nicht einzusammeln.
Konsequenz aus der Vertrauenskrise
Kan Am musste die Fonds bereits 2006 nach Mittelabflüssen schließen. Wegen extremer Wertberichtigungen hatten damals auch andere Gesellschaften mit Abflüssen zu kämpfen, was zu einigen Schließungen führte. Als Konsequenz aus der Vertrauenskrise gelobte die Branche mehr Transparenz. Der Vorschlag einer generellen zwölfmonatigen Kündigungsfrist für Neuanlagen ab 1 Mio. Euro setzte sich aber nicht durch.
Axa-Vertriebschef Weinrich weist Vorwürfe zurück, nicht genügend Vorkehrungen gegen ein zu starkes Engagement von Profiinvestoren getroffen zu haben. Axa hätte die Zuflüsse gesteuert, sodass Anleger nur 500.000 Euro täglich investieren konnten. "Niemand konnte absehen, welches Ausmaß die Finanzkrise annehmen würde", sagte Weinrich.
Die Fondsschließungen dürften das Misstrauen der Anleger noch erhöhen. Zwar flossen der Branche von Jahresanfang bis September 5,8 Mrd. Euro zu, in den letzten Tagen sei es jedoch zu Abflüssen gekommen, berichten viele Fonds - ausgelöst auch durch die Staatsgarantie für Spareinlagen. "Die Aussagen der Bundesregierung hatten einen wesentlichen Einfluss auf die gesamte Fondsbranche", sagt Nicholas Brinckmann, Geschäftsführer von Hansainvest. Aus Verunsicherung hätten einige Anleger daraufhin ihre Anteile verkauft.