In Nordrhein-Westfalen können über das Bodenrichtwertsystem "Boris" online bereits grobe Preisermittlungen zu Grundstücken kostenlos abgerufen werden. Seit Beginn dieses Jahres werden zudem die Transaktionsdaten aus Immobilienverkäufen eingepflegt. Unter dem Namen "Boris-Plus" soll der erweiterte Kalkulator im Spätherbst online gehen. "Dann können auch Annäherungswerte für marktgerechte Preise von Eigenheimen und Eigentumswohnungen ermittelt werden", sagt Achim Brosch vom Oberen Gutachterausschuss des Landes. "Boris-Plus wird die Märkte für private Käufer und Verkäufer transparenter machen."
In Niedersachsen lassen sich mit dem im Oktober 2007 gestarteten Kalkulator Preise zum Teil bis hinunter in kleine Gemeinden und Stadtquartiere ermitteln. Im Schnitt gab es bislang rund 150 Abfragen pro Tag. Viele Eigentümer hätten den kostenlosen Service genutzt, um den Wert ihrer Objekte zu ermitteln, sagt Holger Benecke, Technikexperte im Oberen Gutachterausschuss des Landes, an den die Gremien der einzelnen Kommunen berichten. "Die Zahl wird nun zurückgehen." Seit Mitte Juli müssen Nutzer jedoch pro Abfrage 19,90 Euro zahlen oder eine Jahrespauschale für 99 Euro abonnieren. Daran seien Banken interessiert, die den Kalkulator zur schnellen Beleihungswertermittlung nutzen wollen, sagt Benecke. Über die Gebühren sollen die Kosten für Entwicklung und Datenpflege getragen werden.
Interessenten, die ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung ohne Maklerhilfe von einem privaten Verkäufer erwerben wollen, könnten über den Preisrechner in vielen Fällen solide Annäherungswerte zum fairen Marktpreis eines Objekts erhalten, sagt Benecke. Zur Sicherheit sollten Käufer sich jedoch eine Reihe von Objekte ansehen, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. "Der Kalkulator ist nicht hundertprozentig exakt", sagt er. Vor allem in kleineren Gemeinden, in denen es nur wenige Transaktionen gebe, sei die automatisierte Wertermittlung ungenau.
Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland (IVD) sieht in den Preiskalkulatoren deshalb auch keine Gefahr für ihre Mitglieder. "Die Internetrechner ersetzen kein exaktes Verkehrswertgutachten", sagt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick.