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Merken   Drucken   24.07.2008, 09:45 Schriftgröße: AAA

Portfolio: Internetrechner taxiert Hauspreise

Neue Online-Kalkulatoren bewerten Immobilien. Das Urteil von Experten können sie aber nicht ersetzen - obwohl sie teils sogar von Wissenschaftlern entwickelt wurden. von Richard Haimann
Mit Immobilienpreiskalkulatoren im Internet wollen Berlin, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen die Eigenheimmärkte transparenter machen. Käufer, Verkäufer und Banken können über die Rechner Preisinformationen per Mausklick erhalten. Perfekt sind die Kalkulatoren jedoch noch nicht: "Unser System ist kein Ersatz für eine fundierte Wertermittlung", sagt Thomas Sander, Leiter der Geschäftsstelle des Berliner Gutachterausschusses.
Der Gutachterausschuss der Bundeshauptstadt hat seinen Preiskalkulator MD-Immo schon vor zwei Jahren ins Netz gestellt. Der von Wissenschaftlern der Humboldt-Universität entwickelte Rechner ermittelt durch den Vergleich von Daten vergangener Transaktionen Schätzwerte für Häuser und Doppelhaushälften. "Die Nutzer müssen das Baujahr, die Geschossfläche und die Grundstücksgröße eingeben, damit der Computer ihnen den ungefähren Wert der Immobilie errechnen kann", sagt Sander. Jede Abfrage kostet 9 Euro.
Bislang ist das Raster jedoch sehr grob. Sander: "Wir können die Daten lediglich auf die Ebene der Stadtbezirke herunterbrechen, jedoch noch nicht auf einzelne Ortsteile oder gar Straßen." Dies soll sich noch dieses Jahres ändern. "Die Humboldt-Wissenschaftler arbeiten daran, das Raster zu verfeinern."
Die Gutachterausschüsse der Städte und Kreise verfügen über exakte Daten zur Preisentwicklung an den Immobilienmärkten, denn Notare sind verpflichtet, den Gremien sämtliche Informationen aus allen Immobilientransaktionen zu melden. Bislang veröffentlichen die Ausschüsse diese Daten in ihren jährlichen Immobilienmarktberichten. Der vorhandene Datenbestand wird in die Preiskalkulatoren eingepflegt und aktualisiert.
In Nordrhein-Westfalen können über das Bodenrichtwertsystem "Boris" online bereits grobe Preisermittlungen zu Grundstücken kostenlos abgerufen werden. Seit Beginn dieses Jahres werden zudem die Transaktionsdaten aus Immobilienverkäufen eingepflegt. Unter dem Namen "Boris-Plus" soll der erweiterte Kalkulator im Spätherbst online gehen. "Dann können auch Annäherungswerte für marktgerechte Preise von Eigenheimen und Eigentumswohnungen ermittelt werden", sagt Achim Brosch vom Oberen Gutachterausschuss des Landes. "Boris-Plus wird die Märkte für private Käufer und Verkäufer transparenter machen."
In Niedersachsen lassen sich mit dem im Oktober 2007 gestarteten Kalkulator Preise zum Teil bis hinunter in kleine Gemeinden und Stadtquartiere ermitteln. Im Schnitt gab es bislang rund 150 Abfragen pro Tag. Viele Eigentümer hätten den kostenlosen Service genutzt, um den Wert ihrer Objekte zu ermitteln, sagt Holger Benecke, Technikexperte im Oberen Gutachterausschuss des Landes, an den die Gremien der einzelnen Kommunen berichten. "Die Zahl wird nun zurückgehen." Seit Mitte Juli müssen Nutzer jedoch pro Abfrage 19,90 Euro zahlen oder eine Jahrespauschale für 99 Euro abonnieren. Daran seien Banken interessiert, die den Kalkulator zur schnellen Beleihungswertermittlung nutzen wollen, sagt Benecke. Über die Gebühren sollen die Kosten für Entwicklung und Datenpflege getragen werden.
Interessenten, die ein Eigenheim oder eine Eigentumswohnung ohne Maklerhilfe von einem privaten Verkäufer erwerben wollen, könnten über den Preisrechner in vielen Fällen solide Annäherungswerte zum fairen Marktpreis eines Objekts erhalten, sagt Benecke. Zur Sicherheit sollten Käufer sich jedoch eine Reihe von Objekte ansehen, um ein Gefühl für den Markt zu bekommen. "Der Kalkulator ist nicht hundertprozentig exakt", sagt er. Vor allem in kleineren Gemeinden, in denen es nur wenige Transaktionen gebe, sei die automatisierte Wertermittlung ungenau.
Die Maklervereinigung Immobilienverband Deutschland (IVD) sieht in den Preiskalkulatoren deshalb auch keine Gefahr für ihre Mitglieder. "Die Internetrechner ersetzen kein exaktes Verkehrswertgutachten", sagt IVD-Vizepräsident Jürgen Michael Schick.
Infos per Mausklick
Vorteil Was ist mein Haus wert, was mein Grundstück? Mit Immobilienpreiskalkulatoren im Internet lassen sich schnell und günstig Schätzwerte ermitteln. Basis sind Daten aus vergangenen Käufen und Verkäufen in verschiedenen Regionen. Im Netz finden sich die Rechner unter www.boris.nrw.de,
www.gag.niedersachsen.de und
www.gutachterausschuss-berlin.de.
Nachteil Die Preiskalkulatoren seien nicht in der Lage, die Auswirkungen einer besonders schönen Aussicht oder Belastungen durch übermäßigen Verkehrslärm in ihren Wertermittlungen zu berücksichtigen, sagt Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Maklerverbands IVD. "Auch Wertsteigerungen, die Immobilien beispielsweise durch die neue Anbindung einer Gemeinde an den öffentlichen Nahverkehr erfahren, können die Maschinen nicht erfassen."
  • Aus der FTD vom 24.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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