Betongold ist in aber trotzdem keine sichere Bank. Mithilfe von ETFs können Anleger mit wenig Geld breit in den globalen Immobilienmarkt investieren. von Dennis Stolz
Trotz des weltweiten Betongoldbooms haben börsennotierte Immobilienanlagen im vorigen Jahr teilweise herbe Verluste verbucht. Das trifft auch Indexfonds, die auf Marktbarometern wie dem MSCI Europe Real Estate oder dem Stoxx Asia Pacific 600 Real Estate basieren. Grund für die schlechte Performance sind die schwächelnden Kurse der im Index enthaltenen Immobilien-AGs und REITs. Da die Papiere zeitverzögert auf die Entwicklungen am Immobilienmarkt reagieren, erwarten einige Analysten in den kommenden Monaten anziehende Kurse - davon würden auch die Indexfonds profitieren.
Exchange-Traded Funds (ETFs) werden über die Börse gehandelt, sie bieten aber den bei Investmentfonds üblichen Schutz: Die Produkte sind Sondervermögen, das Geld der Anleger ist für den Fall einer Pleite des Emittenten geschützt. Ein weiterer Vorteil sind die niedrigen Kosten beim Handel und für die Verwaltung. ETFs bilden einen Index ab, versuchen also nicht, besser als der Markt zu sein. Deshalb ist auch kein teurer Fondsmanager nötig, der die Aktien aktiv auswählt. Aus der Indexnachbildung ergibt sich zudem eine Risikostreuung. "ETFs bieten Anlegern eine gute Möglichkeit, ihr Vermögen zu diversifizieren und so die Sicherheit zu erhöhen", sagt Michael Bauer vom Onlinebroker Cortal Consors. Die Entwicklung eines Immobilien-ETF richtet sich meist zudem nicht nur nach den Aktienkursen der im Index enthaltenen Titel, auch die Ausschüttungen werden berücksichtigt.
Börsennotierte Indexfonds
Da Immobilien-ETFs regional ausgerichtet sind, können Anleger ihr Investment und damit das Risiko über mehrere Weltregionen streuen. Sie haben dabei die Wahl zwischen Investments in Asien, Nordamerika, Europa und der Euro-Zone. Diese recht grobe regionale Aufteilung ist auch der Liquidität der einzelnen Teilmärkte geschuldet. Während Immobilienaktien aus den Vereinigten Staaten über 45 Prozent der globalen Marktkapitalisierung ausmachen, entfallen auf ganz Europa nur rund zehn Prozent. "Den Anteil deutscher Gesellschaften am weltweiten Kuchen kann man nur mit der Lupe finden", sagt Helmut Kurz, Fondsmanager beim Bankhaus Ellwanger & Geiger. Grund für diese großen Unterschiede sind die historisch unterschiedlich gewachsenen Finanzierungsmodelle. In den USA sind REITs und Immobilien-AGs schon seit Jahrzehnten etabliert - in Deutschland steckt die Entwicklung noch in den Kinderschuhen.
Die weltweiten Immobilienmärkte haben jeweils ihre ganz eigenen Probleme. In Europa hängt die Staatsschuldenkrise wie ein Damoklesschwert über dem Markt. Vor allem die schärferen Eigenkapitalvorschriften für Banken machen Investoren zu schaffen: "Eine Eskalation der Schuldenkrise kann die Kreditversorgung der Immobilienwirtschaft gefährden", sagt Michael Voigtländer vom Institut der deutschen Wirtschaft. Die Angst vor einer Kreditklemme ließ die Kurse von ETFs auf europäische Immobilienaktien in die Knie gehen.
In Asien grassiert derweil die Angst vor einer Überhitzung des Immobilienmarkts. Sowohl in China als auch in Singapur versuchen die Regierungen, das Platzen von Preisblasen zu verhindern. In Singapur wurde die Grunderwerbsteuer drastisch erhöht um die Spekulation einzudämmen; China setzte die Zinsen nach oben. Das drückt auf die Bilanzen der Profiinvestoren - und auf die Aktienkurse. In Amerika waren die Verluste nicht ganz so stark. Dennoch verloren auch die Anleger in US-Immobilienfirmen. Der Markt leidet noch immer unter dem Preisverfall der vergangenen Jahre. Doch zumindest die hohe Nachfrage nach Mehrfamilienhäusern stabilisiert. Das liegt daran, dass frühere Hauseigentümer wegen finanzieller Schwierigkeiten nun verstärkt Mietwohnungen suchen. Experten erwarten ein weiter geringes Wachstum des Immobilienmarkts.
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