Vor nicht einmal einem Monat lag die Belastung noch um 30 Basispunkte höher. Die Erhöhung des Leitzinses durch die Europäische Zentralbank (EZB) Anfang Juli um 0,25 Punkte auf vier Prozent ist somit am Kreditmarkt abgeprallt.
"Dass die Hypothekenzinsen sinken werden, war abzusehen", sagt Max Herbst von der Finanzberatung FMH. Die EZB habe die Zinsen nur erhöht, um ein Zeichen gegen die ansteigende Inflation zu setzen. Damit habe sie aber zugleich der Konjunkturentwicklung einen Dämpfer versetzt. Herbst rechnet damit, dass die Zinsen weiter fallen werden. Zumal der Druck auf die EZB zunimmt, angesichts der Konjunkturentwicklung den Leitzins wieder zu senken. Zugleich dürfte die Inflation infolge des fallenden Ölpreises wieder zurückgehen.
Ein weiteres Indiz für sinkende Zinsen ist die Umlaufrendite, die zuletzt deutlich stärker gefallen ist als die Darlehenszinsen. Für einen Kredit mit zehn Jahren Laufzeit liegt sie bei 4,15 Prozent, nach 4,70 Prozent Anfang Juli. Die Umlaufrendite misst die durchschnittlichen Kapitalbeschaffungskosten der Banken für ein Darlehen mit zehn Jahren Laufzeit und berücksichtigt dabei sowohl kurzfristige als auch langfristige Refinanzierungskredite. Je größer der Abstand der Umlaufrendite zu den Darlehenszinsen ist, desto mehr Spielraum haben die Banken für weitere Zinssenkungen. Schon jetzt geben die Banken den Zinsvorteil in unterschiedlicher Höhe an die Kunden weiter. So verlangt der günstigste Anbieter für ein Darlehen mit zehnjähriger Zinsbindung aktuell 4,70 Prozent, der teuerste hingegen 6,17 Prozent. Kreditnehmer sollten sich daher Zeit nehmen und die Angebote genau miteinander vergleichen.