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Merken   Drucken   26.11.2012, 12:26 Schriftgröße: AAA

Private-Equity: Finanzinvestoren fallen in Irland ein

Am Anleihemarkt gilt das Beinahe-Pleite-Land nicht mehr als Seuchenherd. Die irische Regierung lockt deshalb mit ihren Reformen Geldgeber an, die auf einen Aufschwung hoffen. Ein zweistelliger Milliardenbetrag steht bereit.
© Bild: 2012 Getty Images/Peter Macdiarmid
Am Anleihemarkt gilt das Beinahe-Pleite-Land nicht mehr als Seuchenherd. Die irische Regierung lockt deshalb mit ihren Reformen Geldgeber an, die auf einen Aufschwung hoffen. Ein zweistelliger Milliardenbetrag steht bereit.
von Frankfurt

Nur zwei Jahre nach der Beinahepleite Irlands kehren internationale Investoren wieder auf die Insel zurück. Die Finanzinvestoren Apollo, Kennedy Wilson und Blackstone haben allein in der vergangenen Woche notleidende Kredite und Immobilien für gut 400 Mio. Euro erworben. "Der irische Markt für Fusionen und Übernahmen ist zu neuem Leben erwacht, getrieben vom Interesse internationaler Private-Equity-Investoren", sagte Michael Neary vom Beratungsunternehmen Grant Thornton der Financial Times (FT). Bereits vor einem Monat erwarb Lone Star ein Kreditpaket im Volumen von 660 Mio. Euro mit einem deutlichen Preisabschlag von Allied Irish Banks. Insgesamt haben Finanzinvestoren laut FT ein Auge auf Vermögenswerte irischer und britischer Banken auf der Insel im Volumen von 50 Mrd. Euro geworfen.

Die Schuldenkrise treibt die einzelnen Euro-Staaten immer weiter auseinander. Während Griechenland oder Zypern verzweifelt um jeden zusätzlichen Euro-Cent ringen, zeigt Irland ein beeindruckendes Comeback. Auch am internationalen Anleihemarkt gilt das Land nicht mehr als Seuchenherd.

Immobiliendeals von Private-Equity-Firmen in Irland   Immobiliendeals von Private-Equity-Firmen in Irland

Irland musste 2010 unter den europäischen Rettungsschirm schlüpfen. Das Land litt unter den Folgen einer geplatzten Immobilienblase und dem Scheitern eines aufgeblähten Finanzsektors. Doch mit einem harten Sparprogramm hat sich Irland wieder aufgerappelt und gilt vielen Experten als Musterbeispiel dafür, wie Staaten eine Schuldenkrise überwinden können. Steffen Elstner, Volkswirt beim Ifo-Institut, verweist auf den deutlichen Leistungsbilanzüberschuss, den Irland in diesem Jahr erreicht. "Insgesamt haben alle Länder außer Irland noch einen langen Weg vor sich", sagte Elstner. Am Anleihemarkt präsentierte sich Irland in diesem Jahr bereits zweimal erfolgreich mit kurzlaufenden Papieren. 2013 will das Land wieder Langläufer über insgesamt 10 Mrd. Euro begeben, um den Rettungsschirm verlassen zu können.

Der Milliardär Wilbur Ross, der Teil des Konsortiums war, das im vergangenen Jahr 35 Prozent an der Bank of Ireland kaufte, sagte der FT: "Für uns begann alles mit dem Makroblick auf Irland. Irland ist eine Hightechvolkswirtschaft mit guter Infrastruktur, nicht zyklischen Exporten und einer jungen Arbeitnehmerschaft. Die Iren haben verstanden, dass sie diese harte Zeit überstehen müssen. Ich habe großes Zutrauen, dass das Land das erste der kriselnden Staaten ist, das sich erholen wird."

Dementsprechend investieren die Finanzinvestoren nicht nur in die notleidenden Kreditportfolios der Banken, sondern auch in Übernahmen irischer Firmen. So verhandelte kürzlich die Beteiligungsgesellschaft Carlyle mit dem staatlichen irischen Pensionsfonds über gemeinsame Investitionen. Im August erwarb die britische Exponent Capital in einem Wettstreit mit sechs anderen Bietern den Finanzdienstleister Fintrax für 170 Mio. Euro.

Das irische Revival wird auch von einem Großinvestor am Staatsanleihemarkt maßgeblich angetrieben: Der Fondsmanager Franklin Templeton hat seit Juli 2011 insgesamt 8,4 Mrd. Euro in irische Staatsschulden investiert und hält damit insgesamt zehn Prozent der irischen Staatsschuld insgesamt. Der Vertrauensvorschuss des US-Fondshauses, das Irland als Modell für andere Euro-Krisenstaaten sieht, gilt als einer der Hauptgründe dafür, dass die irischen Anleiherenditen so stark gesunken sind - bei neunjährigen Papieren von 15 Prozent im Jahr 2011 auf aktuell unter fünf Prozent.

  • Aus der FTD vom 26.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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