FTD.de » Finanzen » Immobilien » Bröckelnde Hoffnung für Immobilienfonds
Merken   Drucken   26.04.2012, 15:23 Schriftgröße: AAA

Schuldenkrise: Bröckelnde Hoffnung für Immobilienfonds

Die Rezession in Europa erschwert die Lage auf dem Immobilienmarkt - besonders für eingefrorene Fonds von Gewerbestücken wird die Lage noch trister. Profis wenden sich den USA zu.
© Bild: 2012 Reuters/Andrea Comas
Die Rezession in Europa erschwert die Lage auf dem Immobilienmarkt - besonders für eingefrorene Fonds von Gewerbestücken wird die Lage noch trister. Profis wenden sich den USA zu.
von Richard Haimann

Für Anleger eingefrorener offener Immobilienfonds schwinden die Chancen, dass ihre Investmentvehikel wieder flottgemacht werden können. Die durch die Staatsschuldenkrise in Südeuropa ausgelöste Unsicherheit über die weitere wirtschaftliche Entwicklung auf dem Kontinent hat das Interesse von Profiinvestoren an europäischen Gewerbeimmobilien gedämpft. Damit ist es für angeschlagene Fonds deutlich schwieriger geworden, Immobilien ohne Verluste loszuschlagen, um frische Liquidität aufzutun.

Seit Beginn der Finanzkrise mussten 13 offene Immobilienfonds mit einem Gesamtvolumen von mehr als 30 Mrd. Euro eingefroren werden, acht Fonds werden bereits abgewickelt. Bei den Branchenschwergewichten CS Euroreal und SEB Immoinvest mit einem Volumen von je rund 6 Mrd. Euro entscheidet sich in den nächsten Wochen, ob sie wieder aufgemacht oder ebenfalls in die Abwicklung geschickt werden.

Derzeit sieht es nicht danach aus, als ob es den Fondsmanagern in der kurzen Zeit noch gelingen könnte, genug Objekte loszuschlagen, um das Liquiditätspolster zu erhöhen. Denn aus Angst vor einer Rezession innerhalb der Euro-Zone durch die Sparprogramme der Regierungen halten sich viele Investoren mit weiteren Engagements zurück. Nach jüngsten Berechnungen der Beratungsgesellschaft Jones Lang LaSalle (JLL) brach das Transaktionsgeschehen in Europa im ersten Quartal um 31 Prozent auf nur 20,5 Mrd. Euro gegenüber 29,6 Mrd. Euro im Vorjahreszeitraum ein.

Stattdessen wandten sich Profiinvestoren verstärkt den USA zu. "Allein an den dortigen Büromärkten stieg das Investitionsvolumen im ersten Quartal um 20 Prozent auf 12,5 Mrd. Dollar", sagt Arthur de Haast, Leiter International Investments bei JLL. Altersvorsorgeeinrichtungen, Stiftungen und Versicherungen würden nach robusteren Wirtschaftsdaten davon ausgehen, dass sich die Konjunktur in den USA in den kommenden Jahren erholen und die Gewerbeimmobilienmärkte nachhaltig anziehen würden.

Hingegen sehen Profianleger die europäischen Märkte immer skeptischer. Nach einer neuen Umfrage von JP Morgan Cazenove unter den 132 bedeutendsten Marktakteuren erwarten 85 Prozent von ihnen weitere Preisrückgänge in Spanien sowie in Italien. Aber auch Deutschland und die Niederlande beäugen die Profis zunehmend kritischer. Nur 15 Prozent der Befragten gehen davon aus, dass sich Gewerbeobjekte in Deutschland weiter verteuern werden. 45 Prozent erwarten rückläufige Preise. Für die Niederlande, wo zahlreiche Neubauten die Leerstandsraten steigen ließen, sind nur noch 12 Prozent optimistisch gestimmt. 41 Prozent rechnen aber mit nachgebenden Preisen im Nachbarland.

Das spiegelt sich auch im Anlageverhalten wider. "In Deutschland fiel das Investmentvolumen im ersten Quartal im Jahresvergleich um sieben Prozent auf 5,1 Mrd. Euro", sagt Jan Linsin, Chefanalyst für Deutschland bei der Beratungsgesellschaft CBRE. Noch härter traf es die Märkte in Südeuropa. Im wirtschaftlich angeschlagenen Spanien bieten nach einem neuen Report der Ratingagentur Fitch inzwischen Banken von Schuldnern übernommene Gewerbeimmobilien mit Abschlägen von 49 Prozent auf den einstigen Buchwert an - und finden dennoch kaum Käufer.

Treffen die Erwartungen zu, verheißt das für Anleger der eingefrorenen Fonds nichts Gutes: Beim CS Euroreal beträgt der Deutschlandanteil 45 Prozent, 11,7 Prozent der Immobilien befinden sich in den Niederlanden, 7,5 Prozent in Italien und 4,8 Prozent in Spanien. Beim SEB Immoinvest befinden sich 44,6 Prozent der Objekte in Deutschland, 10,4 Prozent in den Niederlanden und 7,6 Prozent in Italien - aber immerhin auch 9,4 Prozent in den USA.


Wackliger Markt

Geteiltes Leid Nicht nur die eingefrorenen deutschen Fonds dürften es bei einer fortschreitenden Abkühlung an Europas Gewerbeimmobilienmärkten schwer haben: Nach einer Erhebung des Fondsverbands BVI war die gesamte Branche der offenen Immobilienfonds vergangenes Jahr zu rund 41 Prozent in Deutschland sowie zu jeweils 3,6 Prozent in Italien und Spanien und zu 7,5 Prozent in den Niederlanden investiert. In den Vereinigten Staaten hingegen befanden sich lediglich 3,3 Prozent der Liegenschaften.

  • Aus der FTD vom 27.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
Immobilien-Kompass
Immobilien-Kompass Deutschlands beste Wohnlagen

Preise, Mieten und Prognosen für Deutschlands Metropolen und Regionen mit detaillierten Übersichtskarten

Jetzt eigene Wohnlage prüfen

 
Anstatt FTD.de lese ich künftig ... Zum Ergebnis
Alle Umfragen
In eigener Sache
  • An Kiosks in der ganzen Republik hieß es am letzten Erscheinungstag der FTD: Zeitung vergriffen! Der Hype um die Schlussausgabe trieb merkwürdige Blüten. Der Verlag druckte 30.000 Exemplare nach. Wer keines abbekam - bestellen ist möglich. mehr

  •  
  • blättern
Zwischen Leben und Arbeiten
Work-Life-Balance

Die FTD hat zusammen mit dem GfK Verein die umfassendste bundesweite Studie zum Thema Work-Life-Balance veröffentlicht. Die Ergebnisse und mehr zum Thema finden Sie hier. Die Studie können Sie hier kaufen. mehr

Folgen Sie der FTD auf Twitter
Werden Sie Fan der FTD auf Facebook
  • Sie waren ein Herzstück der Zeitung und pointiert, scharf, teils brillant: Ihre Kolumnen, Leitartikel und Kommentare haben die FTD entscheidend geprägt. Zum letzten Mal: Unsere Kolumnisten sagen, was Sache ist. mehr

  •  
  • blättern
© 1999 - 2013 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Impressum | Datenschutz | Nutzungsbasierte Online Werbung | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

Geldanlage | Altersvorsorge | Versicherung | Steuern | Arbeitsmarkt | Energiewende | Ökostrom | Auto | Quiz | IQ-Test | Allgemeinwissen | Solitär | Markensammler