Die Staatsschulden- und die Schifffahrtskrise haben den Handel an den Zweitmärkten für Beteiligungsmodelle im ersten Quartal maßgeblich beeinflusst. So erwarben private und professionelle Anleger zwar deutlich mehr Anteile geschlossener Immobilienfonds als im Vorjahreszeitraum. Hingegen brach die Nachfrage nach maritimen Beteiligungen ein.
Für Anleger der in raue See geratenen Schiffsbeteiligungen ist es damit noch schwieriger geworden, vorzeitig aus den Beteiligungsmodellen auszusteigen. Zeichner geschlossener Fonds verpflichten sich, ihr Kapital bis zu deren Auflösung in den unternehmerischen Beteiligungen zu belassen. Nur über Zweitmarktplattformen können Anteile vorzeitig veräußert werden. Mehr als 90 Prozent des Handels erfolgen an der von den Börsen Hamburg, Hannover und München betriebenen Fondsbörse Deutschland.
Im ersten Quartal wechselten dort nur noch Anteile maritimer Beteiligungen im Nominalwert von 4,2 Mio. Euro den Besitzer. Das ist ein Minus von 35,4 Prozent gegenüber dem nominalen Handelsvolumen von rund 6,5 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Der durchschnittliche Handelskurs fiel mittlerweile auf knapp 39 Prozent des ursprünglichen Anteilspreises.
Zahlreiche Schiffsfonds sind durch den Einbruch der Charterraten unter Wasser geraten. Für ihre Frachter und Tanker wird es immer schwieriger, genügend Geld einzufahren, um die zur Finanzierung aufgenommenen Darlehen zu bedienen. Rund 50 Fonds sind bereits insolvent. Der von der Deutschen Zweitmarkt ermittelte Performanceindex DZX-S für die 50 am Sekundärmarkt meistgehandelten Schiffsfonds ist Ende April auf nur noch 769 Zähler gefallen. Das ist der niedrigste Punktestand seit dem Start des Index im Januar 2006.
Insbesondere bei den Containerschiffsfonds drohen weitere Insolvenzen. "Die HSH Nordbank will die für Containerschiffe ausgereichte Kreditsumme bis zum Jahresende um ein Viertel abbauen", sagt Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland. Andere Institute dürften ähnlich verfahren. "Dies wird vermutlich dazu führen, dass Banken sehr viel schneller auf den Schiffsverkauf dringen werden, falls die Regeltilgung nicht erbracht werden kann", sagt Gadeberg. Gelingt es den Fonds nicht, die Schiffe zu einem Preis zu verkaufen, der die Kreditverpflichtungen deckt, müssen die Beteiligungsmodelle Insolvenz anmelden. Reicht der Verkaufserlös nur aus, um das Darlehen zurückzuzahlen, verlieren die Anleger noch immer ihr investiertes Eigenkapital.
Hingegen ist die Nachfrage nach geschlossenen Immobilienfonds am Zweitmarkt gestiegen. Von Januar bis März wurden an der Fondsbörse Deutschland Anteile im Nominalwert von rund 23,3 Mio. Euro gehandelt. Das ist ein Plus von mehr als 16 Prozent gegenüber den knapp 20 Mio. Euro im Vorjahreszeitraum. Damit spiegelt sich die durch die Staatsschuldenkrise ausgelöste Flucht vieler Anleger in Immobilien auch am Zweitmarktgeschehen wider.
Allerdings fordern viele Interessenten deutliche Abschläge auf den Nominalwert. Im Schnitt wurden Immobilienfondsanteile im März zu nur 48 Prozent des ursprünglichen Preises gehandelt. Vor einem Jahr lag der Durchschnittskurs noch knapp über der Marke von 50 Prozent. Die hohen Abschläge drücken auf das Handelsvolumen, meint Gadeberg. "Viele Angebote können nicht vermittelt werden, weil die Preisvorstellung der Verkäufer weit von der Realität am Markt entfernt sind."