Der hochverschuldete Wohnungskonzern Gagfah setzt seine Schrumpfkur fort. In den ersten neun Monaten verkaufte das Unternehmen gut 2000 Wohnungen für knapp 140 Mio. Euro, im Gesamtjahr wird ein Verkaufsvolumen von bis zu 230 Mio. Euro angepeilt, teilte Gagfah am Mittwoch mit. Das spült zwar Geld in die klammen Kassen und verbessert die Position in den Refinanzierungsverhandlungen mit den Banken, die sich weiter ziehen. Doch wenn der Bestand kleiner wird, sinken auch die Mieteinnahmen. Der Vorsteuergewinn (Ebit) ging deshalb im dritten Quartal auf 79,6 (Vorjahreszeitraum: 89,2) Mio. Euro zurück und fiel damit schwächer aus als von Analysten erwartet.
Anleger nahmen die Nachrichten als Anlass zum Verkauf. Die Gagfah-Aktie verlor im frühen Handel mehr als ein Prozent und damit stärker als der Nebenwerteindex MDAX . Mit 8,18 Euro notieren die Anteilsscheine weiter deutlich unter dem Nettovermögenswert (NAV) pro Aktie, den Gagfah per Ende September mit 13,15 Euro je Titel angab.
Gagfah, mehrheitlich im Besitz des US-Finanzinvestors Fortress, steht mit 5,3 Mrd. Euro in der Kreide. Ein Teil der Kredite läuft im kommenden Jahr aus, doch einen Durchbruch in den Verhandlungen mit den Banken konnte Gagfah-Chef Stephen Charlton auch am Mittwoch nicht vermelden. Ein Befreiungsschlag wäre der Verkauf von rund 38.000 Wohnungen in Dresden, den Gagfah eigentlich bis Jahresende über die Bühne bringen wollte. Seit Wochen wird über das milliardenschwere Paket mit Interessenten verhandelt, darunter Finanzkreisen zufolge auch die expansionshungrige Konkurrentin Deutsche Wohnen. Doch eine Entscheidung steht noch aus.