"Wenn das makroökonomische Umfeld so bleibt, wird es schwierig", sagt Beatrix Boutonnet vom Branchendienst Fondstelegramm.de. Ähnlich skeptisch äußert sich Christian Völxen von der Ratingagentur Feri: "Es ist nicht auszuschließen, dass einige Fondsgesellschaften die Aussetzung der Anteilsrücknahme verlängern müssen." Ein Insider, der nicht genannt werden wollte, sagt: "Mir ist schleierhaft, wie die Fonds die Liquidität wiederherstellen wollen. Die Wahrscheinlichkeit, dass Fonds kurz auf- und wieder zumachen, ist relativ groß."
Nachdem vor allem institutionelle Investoren, Dachfonds und Vermögensverwalter im Oktober große Summen aus den Immobilienfonds abgezogen hatten, mussten Mitte des Monats kurz nacheinander zwölf offene Fonds schließen. Anleger können ihre Anteile für zunächst drei Monate nicht zurückgeben, bei der UBS beträgt die Sperrfrist sechs Monate. Rund 38 Prozent des Gesamtvermögens der Branche von knapp 90 Mrd. Euro sind derzeit eingefroren.
Für die betroffenen Fondshäuser geht es zunächst darum, den künftigen Kapitalbedarf abzuschätzen. "Wir führen im Moment Gespräche mit unseren Investoren, ob und wenn ja wie viele Anteile sie nach der Wiedereröffnung des Fonds zurückgeben wollen", sagt Tilman Hickl, Geschäftsführer der UBS Real Estate. Auf Basis der Ergebnisse werde der Kapitalbedarf abgeschätzt. Eine Garantie für das exakte Rückgabevolumen gebe es nicht. "Wir planen daher mit einem Sicherheitspolster", sagt Hickl. Er ist überzeugt, nach Ablauf der sechs Monate die Anteilsrücknahme wiederaufnehmen zu können.
Um wieder flüssig zu werden, haben die Anbieter mehrere Möglichkeiten, die jedoch alle ihre eigenen Risiken bergen: Sie können zunächst neue Anteilsscheine ausgeben. Die Variante wäre die einfachste, die Erfolgschancen sind wegen des Misstrauens der Anleger jedoch ungewiss.
Zudem dürfen die Fonds laut Gesetz ihre Immobilien mit bis zu 50 Prozent beleihen. Da die meisten diese Quote nicht ausgeschöpft haben, verfügen sie über genügend Spielraum. Eine Erhöhung der Fremdfinanzierung ist nach Ansicht von Hickl derzeit aber schwierig. Zum einen würden Banken nur zögerlich Kredite vergeben, zum anderen würde sich dadurch das Risiko im Fonds erhöhen.