Deutschlands zweitgrößte Immobilienfirma Gagfah will rund ein Drittel ihres Wohnungsportfolios verkaufen. Nach FTD-Informationen hat der Immobilienkonzern, der dem US-Finanzinvestor Fortress gehört, die Investmentbank Leonardo damit beauftragt, einen Käufer für die rund 38.000 Wohnungen zu finden. Die Einheiten gehören ihrer Tochter Woba Dresden und stehen mit knapp 1,8 Mrd. Euro in den Büchern der Gagfah, die finanziell angeschlagen ist.
Die Transaktion wäre die größte in diesem Jahr am boomenden deutschen Wohnungsmarkt. Im Februar hatte die Landesbank Baden-Württemberg 21.000 Wohnungen an ein Konsortium um die Augsburger Immobilienfirma Patrizia veräußert - für 1,4 Mrd. Euro. Im März folgte dann TAG Immobilien aus Hamburg, das von der BayernLB DKB Immobilien erwarb: 25.000 Einheiten für 960 Mio. Euro. Derzeit ist der Finanzinvestor Cerberus dabei, das Speymill-Portfolio zu übernehmen - geschätzter Wert: 900 Mio. Euro.
Während sich die Landesbanken auf EU-Geheiß von ihren Wohnbeständen trennten, braucht die Gagfah schlicht das Geld: Insgesamt muss der Konzern seinen Hausbanken allein nächstes Jahr 3,2 Mrd. Euro zurückzahlen. Obwohl die Verhandlungen mit den Kreditinstituten schon seit Monaten laufen, konnte die Gesellschaft bislang keine konkreten Fortschritte vermelden. Auch das operative Geschäft läuft schlecht: Die Gagfah vermietet günstige Wohnungen in großen Wohnblöcken. Lange wurde nichts in die Bestände investiert, die Dividende floss direkt an Fortress.
Der hohe Verkaufsdruck ist Insidern zufolge auch der Grund, weshalb die Gagfah die Wohnungen jetzt unter Buchwert verkaufen muss. Insider gehen von 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro aus. Ein Gagfah-Sprecher sagte: "Wir prüfen kontinuierlich alle Optionen. Dresden hat ein attraktives, gut gemanagtes Portfolio." Leonardo äußerte sich nicht.
Die im MDAX notierte Gagfah hatte die Woba Dresden 2006 von der Stadt für 1,75 Mrd. Euro erworben und kräftig in die Wohnungen - zum Großteil Plattenbauten - investiert. Dresden wurde mit dem Verkaufserlös damals als erste deutsche Stadt schuldenfrei, wenngleich auch nur für kurze Zeit.
Ein Weiterverkauf dürfte die Stadt dennoch freuen. Beim Kauf hatte sich die Gagfah verpflichtet, die Tochter zehn Jahre zu behalten. Bei vorzeitigem Ausstieg winkt Dresden Bares.