Wen wird es länger geben, den Komodowaran oder den Wall-Street-Broker?
Spätestens seit am Dienstag sieht die Branche in der Postbank nicht mehr eine verkappte Behörde, sondern eine Lebensversicherung, einen Tresor, in dem 90 Mrd. Euro auf Sparbüchern schlummern. 15 Millionen Kunden! Hätte die reinrassige Investmentbank Lehman die gehabt, sie wäre nicht Geschichte. Grund genug für Ackermann, 57,25 Euro je Postbank-Aktie zu zahlen - obwohl die am Dienstag gerade noch 36 Euro wert war.
Großen Respekt hat ihm der Deal in der Branche eingebracht. Ein "extrem smarter Move" sei das gewesen, lobt ihn der Vorstandschef einer deutschen Bank. Irgendwann wird die Postbank der Deutschen Bank ganz gehören, und dann haben Ackermann oder sein Nachfolger vollen Zugriff auf das Milliardenpolster. Damit lässt sich billiger wirtschaften als mit teurem Zentralbankgeld und sicherer als mit Geschäften, bei denen das Institut auf die Gnade des Kapitalmarkts angewiesen ist - eine Gnade, die Lehman Brothers zuletzt nicht mehr zuteil wurde. Zudem sinkt die Abhängigkeit vom Investmentbanking, das die Bank zwar stark gemacht hat, unter dem sie jetzt aber mehr leidet, als sie von ihm profitiert.
Ausgewogener Ertragsmix, Diversifizierung - die Branche diskutiert derzeit genau das, was bis vor Kurzem noch als verpönt galt: die gute alte Gemischtwarenbank. Funktioniert sie in Krisenzeiten nicht besser als eine reine Investmentbank?