Dossier
Jahrelang verteufelten deutsche Politiker Staatsfonds aus Arabien und dem Fernen Osten und bremsten sie mit Gesetzen aus. Nun hofieren sie die Investoren - doch die sind misstrauisch. von Claus Hecking, Hamburg
und Peter EhrlichBerlin
Das Tageseinkommen von Abu Dhabis Herrscherfamilie Al Nahjan lässt sich mit einer simplen Faustformel schätzen: aktueller Rohölpreis mal zwei Millionen. So viele Fässer Öl exportiert das kleine Emirat Tag für Tag in die weite Welt. Zieht man ein paar Millionen für Förderkosten ab, dürften die Al Nahjan am heutigen Mittwoch etwa 120 Mio. $ verdienen. Und Abu Dhabis Ölreserven reichen noch mindestens 100 Jahre.
Auch deutsche Spitzenpolitiker scheinen die Rechnung zu kennen. Denn seit einigen Wochen geben sie sich in Abu Dhabi die Klinke in die Hand. Die Ministerpräsidenten Kurt Beck und Roland Koch oder Bundeswirtschaftsminister Karl Theodor zu Guttenberg - sie alle gingen auf Roadshow in die Wüste, um Petrodollar für klamme deutsche Konzerne aufzutreiben. Und Jürgen Rüttgers probierte bei einem Abendessen an der Ruhr, mithilfe von Matjes in Hausfrauensoße einem Mitglied der Königsfamilie das Thema Opel schmackhaft zu machen.
Mohamed al Nahjan, Kronprinz von Abu Dhabi, Chairman des Staatsfonds Mubadala
Wie haben sich die Zeiten geändert. Noch vor wenigen Monaten warnte Rüttgers, dass Staatsfonds "deutsche Unternehmen ausschlachten könnten, um an das Know-how, die Markenrechte und das geistige Eigentum zu kommen". Koch verkündete vor zwei Jahren, Deutschland müsse "sehr aufpassen, dass es nicht von anderen Staaten aufgekauft wird". Und Beck war als SPD-Parteichef maßgeblich am neuen Außenwirtschaftsgesetz beteiligt. Seit einigen Wochen darf die Bundesregierung jede mindestens 25-prozentige Beteiligung eines Nicht-EU-Investors bei einem deutschen Unternehmen blockieren.
Bilderserie
Bilderserie: Wichtige Staatsfonds - Die stillen Giganten
Doch blockieren wollen die Berliner Spitzen in diesen Krisenmonaten gar nichts mehr. Ihnen ist gerade jeder Investor willkommen - egal, ob er aus dem Orient kommt, aus Russland oder dem Fernen Osten. "Die Wahrnehmung der Staatsfonds hat sich gedreht", sagt Steffen Kern, Investmentexperte der Deutschen Bank. "Früher waren sie für viele Politiker Staats-Heuschrecken, jetzt werden sie als Retter in der Not wahrgenommen." Es gibt heute nur noch Geldgeber, keine guten oder bösen Geldgeber mehr.
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