Anleger kennen diese Situation: Eine Aktie entwickelt sich nicht so wie geplant. Der Kurs fällt. Erste Zweifel kommen auf. Soll man besser mit Verlust verkaufen? Der Anleger will durchhalten, schließlich war die Aktie doch fundamental so günstig bewertet, und auch die Charttechnik sah nicht schlecht aus. Nach einer kleinen Zwischenerholung fällt der Kurs weiter. 30 Prozent Minus haben sich schon angesammelt. "Jetzt lohnt sich ein Verkauf auch nicht mehr", denkt der Anleger. "Das sitze ich aus. Irgendwann steigen die Kurse wieder." Das Minus weitet sich aus. Irgendwann ist der Anleger schließlich entnervt und verkauft. Doch genau dann markiert die Aktie ihr Tief, und es beginnt ein neuer, lang anhaltender Aufwärtstrend.
Grund für solche Timingfallen sind menschliche Emotionen. Denn nur allzu oft bestimmen Angst und Gier das Geschehen an der Börse. Doch nicht nur hier. Auch in den Führungsgremien von Unternehmen beeinflussen Emotionen wichtige Entscheidungen.
Als die FTD am 21. Februar 2000 das Licht der Welt erblickte, waren es nur noch 15 Tage, bis der DAX nach einem monatelangen atemberaubenden Anstieg bei 8064,97 Punkten ein Rekordhoch markierte. Zu kurz, um die Börseneuphorie publizistisch und wirtschaftlich nutzen zu können. Denn nach dem Platzen der sogenannten Internetblase folgte ein langer Abstieg, der erst drei Jahre später, am 12. März 2003, bei einem DAX-Stand von 2202,96 Zählern endete. Es war der Ausgangspunkt für eine erneute langjährige Hausse.
Folgt man den DAX-Zyklen über einen längeren Zeitraum, so spricht einiges dafür, dass die Einstellung der FTD am 7. Dezember durch das Verlagshaus Gruner + Jahr just am Vorabend eines neuen Börsenaufschwungs geschieht. So markierte der DAX in den zurückliegenden drei Jahrzehnten immer zum Ende des ersten Quartals eines Dreierjahres - also bis März 1983, 1993 und 2003 - sein Tief, um in den folgenden vier Jahren durchzustarten.
Tritt dieses Szenario auch diesmal ein, gibt es für Anleger verschiedene Möglichkeiten, um davon zu profitieren. Für konservative Investoren könnte das ein von iShares gemanagter börsengehandelter Fonds (Exchange-Traded Fund, ETF) auf den DAX sein. Der ETF spiegelt ein Investment in die 30 DAX-Werte komplett wider. Das heißt, Dividenden der im Fonds enthaltenen Aktien werden im ETF wieder angelegt. Die Gesamtkostenquote des mit einem Volumen von 12,8 Mrd. Euro größten Indexfonds auf den deutschen Standardwerteindex ist mit 0,16 Prozent günstig.
Für Anleger, die noch kostengünstiger investieren wollen, bieten sich Indexzertifikate an. Bei dem in der Tabelle von der Deutschen Bank offerierten DAX-Zertifikat fallen keine Managementgebühren an. Zudem sind die vom Emittenten gestellten An- und Verkaufskurse gleich, das heißt, der beim Kauf fällige Differenz (Spread) ist gleich null.
Ob sie einem ETF oder einem Indexzertifikat den Vorzug geben, sollten Anleger nicht nur anhand der Kosten entscheiden. Fast wichtiger noch ist die Sicherheit, die ein Investment bietet. Bei ETFs handelt es sich um Sondervermögen. Geht die Fondsgesellschaft in den Konkurs, bleibt das angelegte Geld davon unberührt. Anders bei Indexzertifikaten: Bei ihnen handelt es sich um Schuldverschreibungen des Emittenten. Sie wären im Falle einer Insolvenz betroffen.
Für spekulativ eingestellte Investoren bietet der Derivatemarkt mit lang laufenden Optionsscheinen auf den DAX eine interessante Alternative. Etwa mit einem von der Société Générale aufgelegten Kaufoptionsschein (Call) mit einem Basispreis bei 6160 Punkten und einer Laufzeit bis 16. Juni 2017. Aktuell kostet der Call 25,58 Euro. Bereinigt um das Bezugsverhältnis sind das 2558 Indexpunkte.
Anleger erwerben mit dem Call das Recht, den DAX am Fälligkeitstag zu 6160 Punkten zu beziehen. Da sie für dieses Recht 2558 Punkte bezahlen, muss der DAX am 16. Juni 2017, also in rund viereinhalb Jahren, bei 8718 Punkten stehen, damit sie ein Plus erzielen. Das entspricht einem Kursanstieg von nur 3,6 Prozent pro Jahr.
Für die größten Optimisten unter den Spekulanten hat Société Générale einen Langläufer mit extrem hohem Basispreis im Angebot: Der DAX-Call mit einer Laufzeit 15. Dezember 2017 und einem Basispreis bei 14.000 Punkten kostet gerade mal 3,68 Euro. Bereinigt um das Bezugsverhältnis sind das 368 Indexpunkte. Damit Anleger mit diesem Schein Gewinne erzielen, muss der DAX in fünf Jahren mindestens bei 14.368 Zählern stehen.
Käufer von Calls sollten allerdings bedenken, dass sie ein hohes Risiko eingehen. Denn liegt der DAX am Ende der jeweiligen Laufzeit unterhalb des Basispreises, verfallen die Optionsscheine wertlos, und Käufer erleiden einen Totalverlust. Bleibt die Frage: Wie lange sollten Anleger durchhalten?
So lange, bis sich ein Verlag erneut dazu entschließt, eine Zeitung wie die FTD aufzulegen.