FTD.de » Finanzen » Investmentfonds » Gold-ETFs mit kleinen Tücken

Merken   Drucken   04.04.2010, 06:00 Schriftgröße: AAA

Anlage in Gold: Gold-ETFs mit kleinen Tücken

Als Alternative zur Anlage in physikalisches Gold bieten sich edelmetallbasierte ETFs an - sie werden immer beliebter. Mit der Anzahl der Produkte steigt aber der Zwang, das Zielinvestment genau zu prüfen - und die goldene Regel des Goldinvestments nicht zu verletzen. von Julia Groth
So beliebt Gold  auch sein mag: Es macht Probleme. Die Lagerung ist aufwändig und teuer, und an den Märkten direkt in Gold zu investieren, war lange Zeit nicht möglich. Dann kamen die Gold-ETFs - und die Anleger waren begeistert. "Wir verzeichnen eine konstant hohe Nachfrage bei unseren Gold-Produkten", sagt Michael Geister, Deutschland-Vertriebschef bei ETF Securities (ETFS), dem größten Anbieter von Gold-ETFs.
Die Zahl der Gold-ETFs wächst, und mit ihr steigt die Zahl der Optionen für Anleger. Die Produkte funktionieren keineswegs alle nach dem gleichen Prinzip: Manche eignen sich dazu, ein Portfolio gegen Krisen oder Inflation abzusichern. Mit anderen können Anleger auf den Goldpreis wetten. Einige ETFs mit dem Wort Gold im Namen sind hingegen nicht einmal ein richtiges Goldinvestment. Bevor Anleger in einen Gold-Indexfonds investieren, sollten sie sich also die einzelnen Produkte genau anschauen. "Die Wahl des Gold-ETF hängt immer davon ab, warum Anleger in Gold investieren wollen", sagt Rohstoffanalyst Carsten Fritsch von der Commerzbank .
Die meisten Produkte, die gemeinhin als Gold-ETFs bezeichnet werden, sind überhaupt keine Indexfonds. Die korrekte Bezeichnung für sie lautet Exchange-Traded Commodities (ETCs), das steht für börsengehandelte Rohstoffe. ETCs bergen zwar im Gegensatz zu Indexfonds grundsätzlich ein Emittentenrisiko - ebenso wie Zertifikate - aber es kann durch einen Kunstgriff minimiert werden: Der Emittent kauft für das Geld der Anleger Goldbarren und deponiert sie bei einer Bank.
Gold als Portfolio-Stabilisator
Sollte das Fondshaus nun pleitegehen, haben Privatanleger immerhin ein Anrecht auf ihren Anteil am gelagerten Gold. Institutionelle Anleger, die nach den Richtlinien der Finanzaufsicht BaFin nur in Edelmetalle investieren dürfen, wenn der Erwerb des Wertpapiers nicht zu einer physischen Lieferung führt, bekämen in diesem Fall dessen Gegenwert ausgezahlt. ETCs bilden die Entwicklung des Kassapreises für Gold ab, also dessen aktuellen Wert. Ihre Managementgebühren sind mit bis zu 0,4 Prozent pro Jahr - ebenso wie bei Indexfonds - recht günstig und enthalten bereits die Kosten für die Lagerung.
Mit Gold hinterlegte Produkte eignen sich für Anleger, die das Edelmetall nicht als Renditebringer nutzen wollen, sondern als Absicherung gegen Inflation, Währungsverfall oder kommende Finanzkrisen. Wer Gold als Stabilitätsanker sieht, setzt darauf, dass sein Wert langfristig erhalten bleibt. "Auf sehr lange Sicht ist das tatsächlich so", sagt Finanzexperte Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Über 50 Jahre und mehr gesehen bleibe Gold preisstabil.
Während kürzerer Zeitspannen könne der Goldpreis jedoch stark schwanken. Anlageberater empfehlen daher in der Regel, höchstens zehn Prozent Gold als Beimischung im Depot zu halten - also auch bei unsicheren Märkten nicht das Anlagegrundprinzip der Risikostreuung zu vergessen. "Für sich genommen ist Gold nicht sicherer als jede andere Anlageklasse", sagt Nauhauser. "Aber ein Goldanteil senkt das Gesamtrisiko eines Portfolios."
Derzeit können deutsche Anleger zwischen fünf physisch besicherten Gold-ETCs wählen. "Der Markt ist gut abgedeckt", urteilt ETFS-Mann Geister. Drei der Produkte stammen aus seinem Haus, auch das Neueste mit dem Namen "Physical Swiss Gold". Die Innovation: Das Gold liegt nicht, wie sonst üblich, in London, sondern in der Schweiz. "Unsere Investoren wollen ihre Goldbestände räumlich streuen", erklärt Geister.
Ausgesuchte Gold-Indexfonds   Ausgesuchte Gold-Indexfonds
Pseudo-Goldinvestments für Zocker
Andere Produkte gehen deutlich weiter - und sind auch keineswegs für Anleger gedacht, die sich mit dem Edelmetall absichern wollen. Sie bilden nicht den Kassapreis ab, sondern den DJ-UBS Gold-Sub-Index. Dieser orientiert sich an der Entwicklung von Gold-Futures, also Terminkontrakten. "Futures sind kein richtiges Goldinvestment, sondern eine Preiswette", sagt Rohstoffanalyst Fritsch. Wer gern besonders riskante Wetten eingeht, kann mittlerweile per ETC darauf wetten, dass der Goldpreis fällt. Dabei hilft ein Short-ETC, der sich genau entgegengesetzt zum Index entwickelt. Ein gehebelter Gold-ETC soll wiederum den Ausschlag des Index in doppelter Höhe nachvollziehen. Reales Gold sucht man bei diesen Produkten vergeblich, sie sind nicht physisch besichert. "Allein dadurch sind sie schon ein riskantes Investment", sagt Fritsch. Für die Strategieprodukte werden zudem hohe Managementgebühren fällig.
Neben diesen immer ausgefeilteren Derivaten, die das ETF-Prinzip nachbilden, gibt es aber auch richtige Indexfonds zum Goldmarkt. Sie bilden einen Index nach, der die Aktien von Goldproduzenten und Gold fördernden Minengesellschaften umfasst. Der bekannteste unter ihnen ist in Deutschland der Fonds Market Access Amex Gold Bugs der niederländischen Bank ABN Amro . Auch wenn diese Produkte meist unter dem Oberbegriff Gold-ETF laufen: Ihre Wertentwicklung richtet sich weitaus stärker nach den Aktienmärkten als nach dem Goldpreis. Und die Entwicklung der Aktien von Minenbetreibern hängt nur recht wenig vom Goldpreis ab. Es ist nicht ungewöhnlich, dass Goldminenaktien fallen, während der Preis des gelben Metalls steigt. Auch Goldminen-ETFs bieten also nicht die Sicherheit, die viele Anleger beim Stichwort Gold erwarten. Sondern sind eine riskante Anlage, die höchstens als Beimischung taugt.
  • FTD.de, 04.04.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  

Newsletter:   Eilmeldungen Finanzen

Wenn die Deutsche Bank durch einen Stresstest fällt, erfahren Sie es zuerst in unserem Finanznewsletter.

Beispiel   |   Datenschutz
markets - Das Finanzinformationsportal
  DAX 6692,96  [-95.84 -1,41%
  Euro Stoxx 50 2480,76  [-41.58 -1,65%
  Dow Jones 12801,23  [-89.23 -0,69%
  Nasdaq Composite 2903,88  [-23.35 -0,80%
  Euro 1,3194 USD  [0 0,00%
  Brent-Öl 116,68 USD  [-0.84 -0,71%
Tweets von FTD.de Finanz-News

Weitere Tweets von FTD.de

Immobilien-Kompass
Partnerangebot Immobilien suchen in ...
 



AKTIEN + MÄRKTE

mehr Aktien + Märkte

DERIVATE

mehr Derivate

INVESTMENTFONDS

mehr Investmentfonds

IMMOBILIEN

mehr Immobilien

ALTERNATIVE ANLAGEN

mehr Alternative Anlagen

FINANZCHECK

mehr Finanzcheck

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote