Dass es wenig erfolgversprechend ist, bei Geldanlagen dem Herdentrieb zu folgen, haben die meisten Privatanleger schon einmal gehört. Und dass Investmentfonds, die in der Vergangenheit hohe Wertzuwächse erzielt haben, dieses Kunststück in den kommenden Jahren nicht unbedingt wiederholen werden, ist ebenfalls weithin bekannt. Dennoch ist immer wieder zu beobachten, dass Anleger gegen diese Regeln verstoßen - mit ernüchterndem Ergebnis.
Der klassische Fall sieht so aus: Ein Fondsmanager beweist einige Jahre ein glückliches Händchen und erzielt eine beeindruckende Wertentwicklung. Daraufhin preisen die Vertriebsmitarbeiter von Banken und Sparkassen ihren Kunden den Fonds als Top-Produkt an, die beeindruckende Performance dient als Beleg. In der Folge investieren Anleger eine riesige Summe frisches Geld. Doch genau in diesem Moment endet die gute Wertentwicklung des Fonds, im schlimmsten Fall fällt der Anteilswert sogar. Ergebnis: Nur wenige Anleger, die früh genug eingestiegen waren, haben ein gutes Geschäft gemacht.
Wie dieser Effekt bei einzelnen Fonds aussieht, wenn man ihn in Zahlen ausdrückt, lässt sich in der Regel nur erahnen. Die Fondsratingagentur Morningstar hat deshalb jetzt anhand einiger Beispiele ausgerechnet, was passiert, wenn Anleger dem Herdentrieb folgen und deshalb beim Timing danebenliegen. Dazu haben die Analysten für mehrere Fondsklassiker den sogenannten Investor-Return berechnet. Dabei wird nicht wie bei der üblichen Berechnung der Wertentwicklung nur die Veränderung des Anteilspreises in einem bestimmten Zeitraum betrachtet. Sondern in die Rechnung wird auch die Information mit einbezogen, wie viel Geld währenddessen im Fonds investiert war - wie stark das Fondsvermögen also durch Zu- und Abflüsse während des Betrachtungszeitraums geschwankt hat. Auf diesem Weg lässt sich berechnen, welche Performance Anleger tatsächlich im Durchschnitt erzielt haben. Und dieser Investor-Return unterscheiden sich mitunter deutlich von der Wertentwicklung des Fonds im gleichen Zeitraum, zeigen die Morningstar-Zahlen.
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Beispiel Pimco GIS Total Return Bond: Der Anleihefonds hat zwar in den vergangenen zwölf Monaten um knapp 23 Prozent zugelegt. Viele Anleger haben den starken Anstieg aber verpasst und sind erst später eingestiegen, sodass der Durchschnittsinvestor ein deutlich geringeres Plus erzielt hat. Der Investor-Return liegt bei lediglich 5,5 Prozent.
Noch tragischer ist das Beispiel des Fonds Templeton Global Bond (siehe Grafik): Weil der Fonds im Jahr 2009 eine extrem gute Performance erzielt hatte, investierten Anleger in der Folge hohe Summen. Im Jahr 2011 jedoch schwächelte der Fonds und enttäuschte viele Investoren. Der Anbieter verzeichnete deshalb hohe Abflüsse. Aus heutiger Sicht haben Anleger damit einen großen Fehler gemacht, weil der Fonds inzwischen ein Comeback feiert. Das Ergebnis: Während die Zwölf-Monats-Wertentwicklung fast 17 Prozent beträgt, hat der durchschnittliche Anleger im gleichen Zeitraum mit einem Minus von rund 0,4 Prozent sogar einen Verlust eingefahren.
Diese Zahlen demonstrieren Anlegern eindrucksvoll, welche Folgen es haben kann, Trends am Kapitalmarkt blind zu folgen. Und sie zeigen, schreibt Morningstar , dass man auch von Fonds, die in den Bestsellerlisten ganz oben stehen, keine Wunder erwarten sollte.