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Merken   Drucken   06.03.2011, 19:47 Schriftgröße: AAA

Drohende Insolvenz: Beluga-Schiffsfondsanleger müssen um Geld bangen

Exklusiv Die Krise bei der Bremer Reederei Beluga trifft Tausende Schiffsfondsanleger. Der Investor Oaktree droht mit Pleite des Unternehmens - und untersucht "finanzielle Unregelmäßigkeiten". von Richard Haimann
Die Krise in der Frachtschifffahrt trifft immer mehr Schiffsfondsanleger. Jetzt ist auch Beluga Shipping durch den Einbruch der Frachtraten in Liquiditätsnöte geraten. Der US-Finanzinvestor Oaktree, der 49,5 Prozent der Beluga-Anteile hält, hat Emissionshäuser und Banken aufgefordert, Charterraten und Forderungen aus Krediten zu reduzieren. Andernfalls müsse Beluga Insolvenz anmelden. Mehr als 30 Fonds von mindestens fünf Emissionshäusern haben Schiffe an die Bremer Reederei verchartert.
Das "MS Bremen": Der Beluga-Reederei droht die Insolvenz   Das "MS Bremen": Der Beluga-Reederei droht die Insolvenz
Allein beim Hamburger Emissionshaus HCI Capital sind mehrere Tausend Anleger betroffen. "In 17 der von uns initiierten Schiffsfonds finden sich insgesamt 20 an Beluga vercharterte Schiffe", sagt HCI-Sprecher Olaf Streuer. Es handele sich überwiegend um Dachfonds, die auch in weitere, an andere Reedereien vercharterte Schiffe investiert sind. "Inwieweit sich die aktuelle Situation von Beluga auf die Charter dieser Fondsschiffe auswirken wird, lässt sich derzeit noch nicht abschließend beurteilen", sagt Streuer.
Betroffen sind zudem fünf Fonds der Oltmann-Gruppe aus Leer. Vier Beteiligungsgesellschaften verzeichneten nach FTD-Informationen in den vergangenen Wochen vorläufige Ausfälle von Charterraten von jeweils 250.000 bis 500.000 Euro. Die vier Schiffe konnten allerdings inzwischen bei anderen Reedereien in Beschäftigung gehen. Darüber hinaus haben Fonds von Elbe Emissionshaus, Ownership und Nordkontor Schiffe an Beluga verchartert.
Beluga holte 2010 Oaktree an Bord, weil sie frisches Kapital benötigte. Für 175 Mio. Euro übernahm der Investor zunächst ein Drittel des Unternehmens. Seither schossen die Kalifornier weiteres Kapital nach und erhöhten ihre Anteile auf 49,5 Prozent. Zuletzt erhielten die Amerikaner vom Bundeskartellamt die Genehmigung, Beluga ganz zu übernehmen.
Beim einem Treffen im Hamburger Hyatt-Hotel am vergangenen Donnerstag forderte Oaktree Fondshäuser und Banken auf, Charterraten und Forderungen aus Krediten zu reduzieren. Sonst werde Beluga Insolvenz anmelden. Für den Hamburger Schifffahrtsexperten Jürgen Dobert hängt das Überleben der Reederei von den Banken ab. "Entscheidend ist, ob beteiligte Institute wie Nord/LB, Bremer Landesbank und KfW Ipex die Sanierung unterstützen." Die Fondsanleger müssten in jedem Fall mit Verlusten rechnen. "Einnahmeausfälle und Forderungsverzichte werden sie hart treffen", sagt Dobert.
Oaktree will die Reederei bis Ende Mai finanziell restrukturieren und geht "auf die wesentlichen Gläubiger und Stakeholder des Unternehmens zu, um in vertraulichen Gesprächen ihre Unterstützung zu gewinnen", teilt Oaktree-Manager Roger Iliffe mit. Er übernahm jetzt die Geschäftsführung von Nils Stolberg. Der Unternehmensgründer hatte "aus persönlichen Gründen" um eine Beurlaubung gebeten.
Nach Informationen von Radio Bremen hat die Staatsanwaltschaft der Hansestadt aufgrund einer Anzeige von Oaktree Vorermittlungen gegen Stolberg eingeleitet. Der Finanzinvestor habe den Vorwurf erhoben, nicht korrekt über die wirtschaftliche Situation Belugas informiert worden zu sein. In einem der FTD vorliegenden Statement Oaktrees heißt es, gegenwärtig würden "mutmaßliche, erhebliche finanzielle Unregelmäßigkeiten in Bezug auf Umsatz und Liquidität" untersucht.
Mühsame Erholung
Flaute Die Charterraten im Seefrachtgeschäft sind durch den globalen Konjunktureinbruch infolge der Finanzkrise massiv eingebrochen und haben trotz des inzwischen weltweiten Wirtschaftsaufschwungs noch nicht wieder das alte Niveau erreichen können.
Notstand Jeder zweite Schiffsfonds erzielte 2010 nicht genug Einnahmen, um Ausschüttungen leisten zu können. Bei rund 20 Prozent der Fonds mussten Anleger Ausschüttungen zurückzahlen, um die Insolvenz abzuwenden.
  • Aus der FTD vom 07.03.2011
    © 2011 Financial Times Deutschland,
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