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Merken   Drucken   29.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

ETFs: Künstliches Ebenbild des Index

Den Kursverlauf sichern Zertifikate, Swaps und Wertpapierleihen. von David Selbach
Anleger, die im Sommer einen Blick in die Prospekte des Dax-ETFs der Deutsche-Bank-Tochter DB X-Trackers warfen, dürften sich überrascht die Augen gerieben haben: Der Börsenfonds auf den wichtigsten deutschen Aktienindex enthielt zeitweise fast ausschließlich Wertpapiere aus Japan.
Der Grund: Japanische Aktien schütten fast keine Dividenden aus - somit umging DB X-Trackers ein Problem, das alle ETF-Konstrukteure beschäftigt: Auf die Ausschüttungen fällt in vielen Ländern Quellensteuer an.
Dass der Dax-ETF sich dennoch genauso entwickelte wie der Index, dafür sorgten sogenannte Swap-Kontrakte. Die Derivatespezialisten der Deutschen Bank garantierten DB X-Trackers, die Differenzen zwischen der Wertentwicklung des Fonds und dem Index auszugleichen.
Aktienindex   Aktienindex
Die Grundidee: Abweichung so klein wie möglich
"Der Anleger will die Performance des Index, zu geringen Kosten und mit geringem Tracking Error", erklärt DB-X-Trackers-Chef Thorsten Michalik. Der Tracking Error ist die Standardabweichung des ETF-Kurses vom Kurs des Index.
Die wichtige Kennzahl, die auf den Internetseiten der Anbieter publiziert wird, ist ein Indikator für die Qualität der Indexnachbildung. Die Grundidee des Indexinvestments verlangt es, diese Abweichung so klein wie möglich zu halten.
Denn es geht dem Anleger schließlich darum, mit seinen Fondsanteilen stets möglichst nah am Index zu liegen. So nah, dass ein Blick aufs Börsenbarometer genügt, um zu prüfen, wie sich das eigene Depot entwickelt. Ein niedriger Tracking Error steht für eine sehr ähnliche Wertentwicklung, ein hoher dagegen dementsprechend für eine deutliche Abweichung.
ETF mit Voll-Replikation | ETF mit Teil-Replikation   ETF mit Voll-Replikation | ETF mit Teil-Replikation
Die gestiegenen Transaktionskosten machen es Fondmanagern schwer
Um eine perfekte Abbildung zu erreichen, können Fondsmanager nur in den seltensten Fällen einfach die Werte des Index in der exakt gleichen Gewichtung nachkaufen. "Das hat im frühen Entwicklungsstadium des ETF-Marktes noch funktioniert", sagt Experte Michalik.
Inzwischen sind die Transaktionskosten zu hoch geworden - vor allem bei großen Indizes wie dem MSCI World, der aus bis zu 1900 Einzeltiteln aus 24 Ländern besteht. Um einen "voll replizierenden" Fonds (siehe Grafik) aktuell zu halten, müssten die Market-Maker, die an der Börse für hohe Liquidität sorgen, bei jeder Veränderung des Index Dutzende oder sogar Hunderte Aktien umschichten - was entsprechende Handelsgebühren kostet.
In manchen Ländern fallen darüber hinaus beim Handel mit Aktien zusätzliche Steuern an, wie die "Stamp Duty" in Großbritannien. Und dann gilt es noch, die Quellensteuern auf Dividendenzahlungen im Auge zu behalten.
Nur die Performance zählt
Also setzen mittlerweile viele ETF-Anbieter auf "synthetische Replikation". Sie nutzen verschiedene Tricks und Handelsstrategien, um die Kosten zu minimieren und die Wertentwicklung des Index möglichst exakt zu kopieren.
"Nur Performance zählt, und dass die Asset-Allocation so präzise wie möglich umgesetzt werden kann", betont Thomas Meyer zu Drewer, Deutschland-Chef des ETF-Anbieters Lyxor, der inzwischen alle Aktien-, Renten-, Rohstoff- und Geldmarkt-ETFs auf diese künstliche Art abbildet.
Die einfachste Optimierungsstrategie heißt "Teil-Replikation": ETF-Emittenten kaufen dabei nicht mehr den kompletten Index, sondern nur die wichtigsten Werte, die wirklich Einfluss auf den Indexverlauf haben.

Teil 2:

  • FTD.de, 29.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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