Der Kurssturz an den Börsen macht selbst dem Markt für nachhaltige Investments zu schaffen, der einen jahrelangen Boom erlebt hatte. Thomas Schröder, der bei Ökorenta institutionelle Kunden betreut, verbreitet trotzdem Optimismus: "Der Horizont ist nicht überschritten - wir sind gerade erst gestartet." Und gleich wieder abgestürzt. Der Ausschluss ganzer Branchen wie Alkohol und Waffen oder Wetten auf Zukunftsthemen wie Klimawandel und erneuerbare Energien haben sich in der Krise jedenfalls nicht bewährt. Im Gegenteil: Aktienfonds, die weltweit investieren und Nachhaltigkeitskriterien berücksichtigen, haben in den zwölf Monaten bis Ende Oktober mehr als 40 Prozent an Wert verloren, zeigt eine Auswertung der Ratingagentur Lipper. Der durchschnittliche Weltaktienfonds verlor nur 37 Prozent, der Aktienindex MSCI World bloß 33 Prozent.
Ursache für die übergroßen Verluste
"Nachhaltige, ökologische Anlagen haben wie andere Aktienfonds auch empfindliche Verluste hinnehmen müssen, besonders im Oktober", sagt Fondsmanager Christian Zimmermann, der unter anderem den Pioneer Global Ecology steuert. Besonders unter Privatanlegern sei die Verunsicherung aufgrund der enormen Kursschwankungen sehr groß. "Natürlich haben auch wir einzelne Abflüsse gesehen", sagt er.
Die Ursache für die übergroßen Verluste liegt in der Portfoliozusammensetzung, meint Jörg Weber vom Branchendienst Ecoreporter. "Etliche haben Dienstleistungsunternehmen wie Banken und Versicherungen als besonders nachhaltig eingestuft", sagt er. Da bei ihnen keine Schlote rauchen, ist der Schaden für die Umwelt geringer. "Genau diese Unternehmen sind jetzt aber in der größten Krise."
Allerdings haben auch klassische Ökotitel den Absturz beschleunigt. Dazu zählen vor allem Unternehmen aus dem Sektor der erneuerbaren Energien wie Solar- und Windenergie, deren Aktienkurse in der Vergangenheit spekulativ in die Höhe getrieben worden waren. "Die Verluste dieser Branche sind zum Teil für die überproportionalen Einbußen nachhaltiger Fonds verantwortlich", sagt Detlef Glow, Leiter der Fondsanalyse bei Lipper in Frankfurt. "Viele Ökoaktien stammen aus dem Segment der Nebenwerte, die in solch starken Abwärtsbewegungen überproportional leiden", ergänzt Zimmermann.
Trend zu Ethikinvestments trotzdem stabil
Das Thema nachhaltige Geldanlage erlebte in den vergangenen Jahren einen Boom. Die Zahl der Fonds, die sich mit diesem Begriff schmücken, ist stetig gewachsen. Nach Berechnungen des Sustainable Business Institute (SBI) waren Ende September 254 solcher Fonds mit einem Gesamtvolumen von rund 30,3 Mrd. Euro in Deutschland, Österreich und der Schweiz zum Vertrieb zugelassen. Für den Rest des Jahres wagt SBI-Leiter Paschen von Flotow noch keine Prognose: "Die Zulassung von Fonds ist eine Sache, die Zeit braucht. Ob und wie sich die Finanzkrise auf die Anzahl der nachhaltigen Publikumsfonds auswirkt, ist bis dato offen."
Vom Ende eines bloßen Marketingtrends gehen Experten aber nicht aus. Glow ist sich sicher, dass Nachhaltigkeit kein Modethema ist: "Der Trend zu nachhaltigen Geldanlagen wird meiner Ansicht nach nicht mehr aufzuhalten sein, weil sich immer mehr Anleger dafür interessieren." Vor allem institutionelle Anleger mit einem Interesse für langfristige Wertentwicklung wie Pensionsfonds, Versicherungen und Kirchen würden in Zukunft die Nachfrage nach nachhaltigen Investments stärken. Stimmt das, darf Ökorenta bei der nächsten Präsentation auf mehr Besuch hoffen.