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Merken   Drucken   30.03.2010, 09:00 Schriftgröße: AAA

Exchange-Traded Funds: Das passiert bei ETF-Trading

Wer mit Exchange-Traded Funds handelt, setzt einen komplizierten Mechanismus in Gang. Sogenannte Market-Maker sorgen hinter den Kulissen dafür, dass Indexfonds bequem und billig bleiben. von David Selbach
ETF-Anteile zu kaufen, ist eigentlich keine große Sache: Zwei, drei Klicks im Online-Depot der Direktbank, und schon sind die Indexfonds dem eigenen Vermögen gutgeschrieben. Hinter den Kulissen aber setzen selbst Privatanleger mit ihrer Transaktion eine gewaltige, gut geölte Finanzmaschinerie in Gang.
Egal, ob sie DB X-Trackers-ETFs erwerben, Fonds von Amundi oder Xmtch - mit hoher Wahrscheinlichkeit landet der Deal zum Beispiel in Amsterdam, bei Bernardus Roelofs und seinen Kollegen von der niederländischen Firma Flow Traders. Denn nicht die Fondsgesellschaft selbst sorgt dafür, dass ETFs gehandelt werden können. Das übernehmen Market-Maker. Flow Traders gehört im Bereich ETFs und ETCs zu den größten Häusern, arbeitet nach eigenen Angaben mit allen wichtigen Emittenten zusammen und hat 1400 Produkte im Angebot.
"Teilweise verbergen sich hinter vermeintlich transparenten ETFs komplexe strukturierte Produkte", sagt Roelofs, Leiter der Abteilung ETF Sales Trading bei Flow Traders. Er muss es wissen, denn Händler wie Roelofs kennen die ETFs im Detail. Sie sind es, die An- und Verkaufskurse stellen und für die Emittenten die einzelnen Werte handeln, die im Indexfonds stecken.
Zwei Möglichkeiten, ETFs zu handeln
Der Mechanismus ist als "Creation" bekannt: Wenn über die Börse eine Kauf-Order eingeht, beispielsweise für 100 Dax-ETF-Anteile, dann kauft der Market-Maker am Markt die Wertpapiere, die dem Index zugrunde liegen, und liefert sie in der entsprechenden Gewichtung an den Emittenten.
Im Gegenzug bekommt er von der Fondsgesellschaft die 100 Anteile. Manche Emittenten liefern auch gegen Cash und nehmen dafür zusätzliche Gebühren. Den Handel des Wertpapierkorbes übernimmt in diesem Fall ein Partner der Fondsgesellschaft. Der Käufer bekommt von all dem jedenfalls nichts mit. Geben Anleger ETF-Anteile zurück, läuft das ganze rückwärts. Man spricht von "Redemption".
Market-Maker wie Flow Traders haben zwei Möglichkeiten, ETFs zu handeln: Als sogenannter "Designated Sponsor" schließen sie mit Emittenten Rahmenverträge ab, in denen sie sich gegenüber dem Emittenten und der Börse verpflichten, für ausreichend Liquidität an den Handelsplätzen zu sorgen. Oder aber sie schließen einen Vertrag als "Authorised Participant". Dann können sie Fondsanteile kreieren oder redeemen, ohne aber Verpflichtungen irgendwelcher Art einzugehen.
Wie Market-Maker den Spread groß halten
Wenn ein Investor ETF-Anteile kauft, bekommt er sie unverzüglich zu den von der Börse festgelegten Konditionen: Die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis ("Spread") darf nicht zu hoch sein, die Menge der gehandelten Scheine nicht zu klein. Auch die Reaktionszeit ist vorgeschrieben.
Das Besondere dabei: Der Market-Maker besitzt die Papiere zu diesem Zeitpunkt häufig noch gar nicht, verkauft sie also leer. Das ist kein Problem, denn sein Risiko, dass sich der Preis der Underlyings zu seinen Ungunsten ändert, sichert er mit einem Gegengeschäft ab, meistens mit einem Future-Kontrakt. Market-Maker tragen auch alle Transaktionskosten für den Kauf der eigentlichen Wertpapiere. Je komplizierter sich das Produkt gestaltet, desto größer ist hinterher der Spread. "Als Faustregel kann man sagen, dass dieser in etwa so groß wie der des Underlyings ist", erklärt Market-Maker Roelofs.
Bevor sie sich nun daran machen, die Underlyings über die Börse einzukaufen, werfen Market-Maker fast immer einen Blick in ihre eigenen Bücher. "Wir haben normalerweise ständig knapp 300 ETFs in unserem Bestand", erklärt Paolo Giulianini, Chef-ETF-Market-Maker der Unicredit-Group in London. "Im Gegenwert von 20.000 bis 10 Mio. Euro pro Fonds."
Warum Wertpapierhändler nicht zwingend auf die Börse angewiesen sind
Als nächstes prüfen die Spezialisten, ob nicht zufällig ein anderer Handelsteilnehmer die gewünschten ETFs gerade abstoßen will. Am Ende des Handelstages ermitteln die Spezialisten ihren Netto-Bedarf und platzieren beim Fondsmanagement ihre Order. Dann haben beide Parteien ein bis zwei Tage Zeit, um ETFs gegen Wertpapiere zu tauschen - das sogenannte "Settlement Interval".
Um den Underlying-Korb zusammenzustellen, sind die Market-Maker aber nicht zwingend auf die Börse angewiesen: "Sie können etwa auf den eigenen Handelsbestand zurückgreifen", sagt Stephan Kraus, Xetra-Experte bei der Deutschen Börse in Frankfurt. "Oder sie erwerben große Aktienblöcke außerhalb der Börse." Derartige Over-the-Counter-Geschäfte (OTC) machen längst einen Großteil des ETF-Handels aus. Die Deutsche Börse geht von rund 55 Prozent des ETF-Handelsvolumens aus.
Institutionelle Investoren wie Versicherungen, Banken oder Pensionsfonds, die auf einen Schlag einige Millionen Euro investieren wollen, wenden sich meist persönlich an die Market-Maker. "Man kann sehr große Volumina handeln, ohne den Markt großartig zu beeinflussen und somit einen fairen Preis erzielen", sagt Bernardus Roelofs. Würde ein Großanleger seine Positionen direkt an der Börse handeln, könnte er den Preis für den ETF nach oben oder nach unten treiben.
  • FTD.de, 30.03.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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