Anleger, die sich für einen sogenannten aggressiven Mischfonds entscheiden, verfolgen damit meist zwei Ziele. Erstens wollen sie mittel- bis langfristig eine überdurchschnittliche Wertentwicklung erzielen. Dafür sind sie bereit, ein gewisses Risiko einzugehen. Gleichzeitig soll aber, und das ist der zweite Punkt, das Risiko geringer sein als bei einem reinen Aktieninvestment. Diesem Wunsch kommen die Fondsmanager nach, indem sie dem Portfolio risikoarme Papiere beimischen, etwa sichere Anleihen oder Geldmarktprodukte.
Längst nicht alle Portfoliomanager erreichen aber diese Ziele, wie das aktuelle Morningstar-Fondsrating belegt. Viele der aggressiven Mischfonds bergen im Vergleich zu reinen Aktieninvestments ein ähnlich hohes, mitunter sogar höheres Risiko. So beträgt das Risikomaß, die sogenannte Standardabweichung, für die vergangenen drei Jahre im Durchschnitt über zehn Prozent. Das ist ungefähr der gleiche Wert, den Anleger auch mit einem Investment in einen Indexfonds auf den Weltaktienindex MSCI World erzielt hätten. Die Beimischung anderer Anlageklassen hat also bei vielen dieser Fonds keineswegs stabilisierend gewirkt.
Vollends ernüchternd ist der Blick auf den durchschnittlichen Wertzuwachs, den die Fonds zuletzt erzielt haben. Mit rund fünf Prozent pro Jahr liegt er deutlich unter der Entwicklung aller Vergleichsindizes - sowohl für den Aktien- als auch für den Rentenmarkt. Selbst mit einem reinen Anleiheinvestment hätten Anleger oft mehr verdient. Dabei soll die hohe Aktienquote der aggressiven Mischfonds doch eigentlich für eine bessere Wertentwicklung sorgen, als sie mit Anleihen zu erzielen ist.
Anleger sollten sich deshalb von den fünf Sternen, die Morningstar für die Spitzenfonds im Rating vergibt, nicht täuschen lassen. Diese Fonds haben in früheren Jahren eine bessere Wertentwicklung erzielt. Im Morningstar-Rating kommt der Langfrist-Performance ein stärkeres Gewicht zu als der kurzfristigen Entwicklung.
Warum sich die Fonds in ihrer Risikoausrichtung zum Teil erheblich unterscheiden, wird bei einem Blick auf die Strategien der Produkte deutlich. Denn in ihrer Interpretation, was ein Mischfonds ist, weichen die Fonds nämlich stark voneinander ab. Einige Anbieter würden ihre Produkte vermutlich selbst gar nicht als Mischfonds bezeichnen, auch wenn Morningstar sie in diese Kategorie einsortiert. Während zum Beispiel der Erstplatzierte im Rating, ein Dachfonds von Allianz Global Investors, in den weltweiten Aktienmarkt investiert und Anleihe- sowie Geldmarktprodukte beimischt, konzentriert sich der Zweitplatzierte ausschließlich auf deutsche Wertpapiere, darunter neben Aktien auch auf Firmen- und Wandelanleihen. Das Produkt des Luxemburger Anbieters Axxion wiederum versteht sich eher als reiner Aktienfonds und sucht nach Anlagechancen vor allem bei Nebenwerten.
Was bedeutet das nun für Anleger, die sich von den durchwachsenen Zahlen der vergangenen Jahre nicht abschrecken lassen wollen? Vor der Entscheidung für einen Fonds sollten sie sich intensiv mit der Strategie und den Anlagerichtlinien vertraut machen. Das erfordert Arbeit. Aber nur so finden sie einen Mischfonds, der auch zum persönlichen Risikoprofil passt.