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Merken   Drucken   02.04.2010, 08:00 Schriftgröße: AAA

Fondsmanager: Erfahrung macht den Unterschied in Schwellenländern

Fondsmanager, die das Risiko scheuen, fahren langfristig am besten. Das hat das Auf und Ab an den Schwellenländerbörsen eindrucksvoll gezeigt.
von Heino Reents

Schwellenländerfonds gehören in jedes langfristig aufgestellte Depot - seit Jahren erntet wohl kaum eine Aussage unter Investmentexperten weniger Widerspruch. Denn die langfristigen Argumente für Emerging Markets sind so überzeugend, dass Investoren diese Anlageklasse nicht ignorieren sollten. "Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Schwellenmärkte zunehmend als strategische und nicht mehr nur als taktische Investments gelten werden", sagt der Kölner Vermögensverwalter Markus Zschaber. Die Emerging Markets würden auch künftig der Wachstumstreiber der Weltwirtschaft sein.

Allerdings ist die Analyse der Investmentfonds bei einem Engagement in Schwellenländern besonders wichtig. Anders als bei Aktienfonds, die in etablierten Märkten wie USA oder Europa anlegen, sind langfristig gesehen die Unterschiede in der Performance zwischen den schlechtesten und den besten Fonds deutlich größer. "Weniger versierte Anleger sollten auf breit streuende Fonds setzen, die gleich mehrere Schwellenländermärkte abdecken", rät Zschaber. Das habe den Vorteil, dass das Risiko gegenüber einer Anlage in nur eine Region oder sogar nur ein Schwellenland deutlich abgeschwächt wird.

"Generell sollten Fondssparer für ein Investment an den Schwellenmärkten ausreichend Risikoappetit und einen langen Anlagehorizont mitbringen, da es sich um eine sehr volatile Anlageklasse handelt", sagt Natalia Wolfstetter, Analystin bei der Ratingagentur Morningstar. Das haben die beiden vergangenen Jahre eindrucksvoll gezeigt: "Auch wenn man mit Emerging-Markets-Aktien 2009 eindrucksvolle Gewinne einfahren konnte, sollte nicht vergessen werden, welch desaströses Jahr sie 2008 hatten", warnt Wolfstetter.

Erfolg mit defensiven Aktien

Zu den Klassikern unter den breit anlegenden Schwellenländerfonds zählt der Comgest Magellan, der bereits 1988 aufgelegt worden ist. Mit Vincent Strauss verfügt er über einen erfahrenen Fondsmanager, der sich seit mehr als 30 Jahren mit Schwellenmärkten beschäftigt. Seine Herangehensweise ist eher ungewöhnlich - und macht den Fonds wohl auch so erfolgreich: Im Fokus stehen Aktien, die möglichst unabhängig vom Konjunkturzyklus sein sollen. Zyklische Branchen und Finanzwerte sind kaum gefragt.

Im vorigen Jahr brachte diese defensive Strategie einen Wertzuwachs von 57,5 Prozent. Der Fonds lag damit satte 15 Prozentpunkte hinter der Benchmark, dem MSCI Emerging Markets. Für die Morningstar-Experten ist das allerdings kein Grund, ihr Toprating von fünf Sternen zu revidieren. Im Gegenteil: "Die relative Underperformance entspricht dem konsistenten Investmentansatz", erklären die Fondsspezialisten im jüngsten Qualitätsrating. Denn neben der langfristigen Performance des nach dem ersten Weltumsegler Ferdinand Magellan benannten Fonds ist auch die im Vergleich geringe Volatilität beeindruckend.

Ausgewählte Schwellenländerfonds mit breiter Aufstellung   Ausgewählte Schwellenländerfonds mit breiter Aufstellung

Value-Ansätze auch in Emerging Markets erfolgreich

Sehen lassen können sich auch die Daten des Aberdeen Global Emerging Markets Equity, mit 1,8 Mrd. Euro Volumen eines der Schwergewichte. Auf Sicht von drei und fünf Jahren zählte der Fonds stets zu den besten seiner Kategorie. Fondsmanager Devan Kaloo setzt aktuell auf Finanzwerte und ist vor allem in Brasilien, Indien und China investiert. "Die vergleichsweise moderate Volatilität macht den Fonds zu einem klassischen Kerninvestment für Emerging-Markets-Aktien, mit dem auch risikobewusste Anleger zurechtkommen dürften", urteilt Morningstar-Frau Wolfstetter.

Der Raiffeisen Emerging Markets Aktienfonds hat mit Südkorea, Russland und Südafrika derzeit völlig andere Schwerpunkte. Die Benchmark, den MSCI Emerging Markets, hat der Fonds auf Sicht von ein, drei und fünf Jahren dennoch souverän geschlagen. Fondsmanager Jürgen Maier führt das vor allem auf den besonderen Investmentprozess zurück: 70 Prozent des Fonds werden in Value-Titel investiert, die restlichen 30 Prozent sollen für den zusätzlichen Rendite-Kick sorgen und fließen deshalb in aussichtsreiche Investmentideen des Management-Teams. Es kann aber auch jederzeit eine höhere Cashposition aufgebaut werden. "Der Fonds zeigt, dass Value-Ansätze nicht nur in entwickelten Märkten funktionieren, sondern auch in Emerging Markets erfolgreich umgesetzt werden können", sagt Maier.

Was Fondsgesellschaften mitbringen sollten

Ein solides Investment ist auch der First State Global Emerging Markets, der auf Länderebene extrem breit aufgestellt ist. Konsumgüter zählen derzeit zu den Lieblingen von Fondsmanager Jonathan Asante. Zudem erfreulich: Die Verwaltungsgebühr ist mit 1,5 Prozent vergleichsweise moderat. Morningstar hat dem Fonds, der Anlegergelder von knapp 1 Mrd. Euro verwaltet, das bestmögliche Rating "exzellent" verliehen. Ein Grund ist das besondere Augenmerk auf Risikokontrolle und Verlustbegrenzung. "Er glänzt zwar weniger in einem von hohem Kursmomentum geprägten Marktumfeld wie 2009. Im Gegenzug hielt er sich in Krisenjahren wie 2008 merklich besser als die Mehrheit seiner Wettbewerber", berichtet Analystin Wolfstetter.

Wie auch immer die Wahl ausfällt: Anleger sollten sich für Fondsgesellschaften entscheiden, die ihre Expertise auf dem Gebiet Schwellenländer nachgewiesen haben. "Die Vergangenheit hat gezeigt, dass gerade jene Fonds besonders erfolgreich gewesen sind, deren Manager sich wirklich in den einzelnen Märkten aufhalten", sagt Vermögensverwalter Zschaber: "Ein erfolgreiches Management etwa für einen Asien-Fonds gestaltet sich deutlich schwieriger, wenn Sie versuchen, diesen von Frankfurt aus zu managen."

  • FTD.de, 02.04.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland
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