Es ist schon eine etwas andere Welt, in der Berndt Maisch werkelt, zumindest im Vergleich zu vielen anderen Fondsmanagern: Kessellage statt Blick auf den Main, Demonstranten vorm Bahnhof statt vor der Europäischen Zentralbank, Mercedes-Benz- statt Commerzbank-Arena. Doch mit dem Arbeitssitz ist Maisch hochzufrieden: "Von Stuttgart aus ist es ein bisschen einfacher, auch mal gegen den Strom zu schwimmen."
Dass er das durchaus mit Elan tut, hat der 43-Jährige schon zur Genüge bewiesen. Maisch ist Manager des LBBW Dividenden Strategie Euroland. Das allein ist noch nicht so außergewöhnlich. Zumal sich die geballte Frankfurter Finanzszene dieser Tage einmal mehr überschlägt zu betonen, wie wichtig Dividendenzahlungen für Investoren sind, wie sie in Zeiten des niedrigen Zinsniveaus sichere Erträge bringen, wie toll sie vor Inflation schützen. Trotz dieser Erkenntnisse - oder vielleicht gerade deswegen - sind die meisten Dividendenfonds noch junges Gemüse. Nach Daten der Ratingagentur Morningstar blickt nicht einmal die Hälfte der Dividendenfonds am Markt auf eine Geschichte von vier Jahren oder mehr zurück. Maischs 590 Mio. Euro schweres Produkt ist hingegen schon mehr als doppelt so lang auf dem Markt.
1999 legt Maisch den Fonds auf und löst zunächst mal eher Kopfschütteln als Begeisterungsstürme aus. "Vom Timing her waren wir damit neun Monate zu früh dran", sagt er heute. "Die Dotcom-Blase war da noch nicht geplatzt, am Anfang blieb daher unsere Performance hinter der Marktentwicklung zurück."
Doch Maisch kennt das schon: Er hat als Analyst bei der BW Bank angefangen, die eine ganze Reihe von Freigeistern hervorgebracht hat, die nicht nur mit Dividenden, sondern auch etwa mit Edelmetallinvestments hantierten, lang bevor es en vogue war. Auf das alte Netzwerk angesprochen schmunzelt der Dividendenmann heute vielsagend: "Wir teilen schon eine gemeinsame Marktphilosophie."
Das erklärt dann auch, weswegen Maisch eben gern nicht das macht, was alle machen. Auch 1999 nicht, als jede noch so kleine IT-Bude für Börsianer die nächste große Wachstumsstory ist. War so ein Dividendenfonds also etwas Schwäbisches? "Den Fonds zu diesem Zeitpunkt aufzulegen war schon eine etwas konservative Idee", sagt Maisch. Dass bei einer solchen Gelegenheit aber nun ausgerechnet wieder das Klischee vom biederen Schwaben ausgepackt wird, damit kann er sich nicht so recht anfreunden. "Die Dividendenrendite ist für Anleger eigentlich die einfachste Kennzahl, die sie bei einer Aktie haben - und sie hatte in der von Wachstumsfantasien geprägten TMT-Blase vollkommen an Bedeutung verloren. Das wollten wir wieder ändern."
Er ändert es radikal. Maisch beschwört für seinen Investmentansatz die in den USA beheimatete "Dogs of the Dow"-Theorie, nach der Dividendenzahlungen großer Unternehmen eine gute Bemessungsgrundlage für deren tatsächlichen Firmenwert bieten. Dabei ist die reine Kennzahl der Rendite zwar wichtig, aber noch lang nicht alles. "Als Mathematiker würde ich sagen, sie ist ein notwendiges, aber kein hinreichendes Kriterium für ein Investment", so Maisch, der in Ulm Wirtschaftsmathematik studiert hat. "Wir suchen auch nach Werten, bei denen wir nachhaltiges Dividendenwachstum erwarten."
So rangieren bei Maisch die üblicherweise verdächtigen Dividendengaranten auf den hinteren Plätzen. "Für mich ist eine Dividendenstrategie mehr, als nur Telekom- und Versorgeraktien ins Depot zu packen." Seine zwei größten Positionen: die Deutsche Post und der niederländische Mischkonzern DSM. Konzerne, die nach Maischs Ansicht viele der Eigenschaften haben, die ein gutes Dividendeninvestment braucht. "Bei DSM gab es zum Beispiel in der jüngeren Historie noch nie einen Dividendenschnitt", sagt er.
Freier Cashflow oder Nettoverschuldung sind für Maisch wichtige Anhaltspunkte, doch stur nach quantitativer Analyse geht er nicht. "Ich bin zwar studierter Wirtschaftsmathematiker. Aber das Entscheidende daran ist, dass der Terminus Wirtschaft da vor der Mathematik steht. Es geht immer darum, sich in Unternehmen reinzudenken." Bedeutet vor allem: schauen, ob das Modell auch künftig genug abwirft, um Anlegern ein Stück vom Kuchen abgeben zu können, vielleicht sogar ein größeres als zuvor. "Nachhaltige Dividendenpolitik ist mittlerweile ein Trend bei Unternehmen. Die passen sich immer mehr den Wünschen der Investoren an."
Trotz der langjährigen Erfahrung gibt es aber auch für Maisch Phasen, in denen die Kalkulation nicht aufgeht. "Es ist gerade jetzt ein Spagat mit einem Euro-Land-Aktienfonds. Wenn das nun mal das regionale Anlageuniversum ist, für das sich Investoren entschieden haben, ist es schwer, das Produkt von der dortigen Marktentwicklung zu entkoppeln."
Trotzdem hält Maisch an einigen Papieren auch aus den kriselnden Euro-Staaten fest, vor allem wenn es um Industriewerte geht. Manche Firmen der Branche seien relativ unabhängig von der Entwicklung im Heimatmarkt. Finanztitel der Region hat er indes aus dem Portfolio verbannt - und ist auch sonst vorsichtig, wenn es um den Aufbau neuer Positionen geht. "Man läuft immer Gefahr, auf eine Aktienstory zu setzen, deren Wachstumsphase eigentlich beendet ist, und wo es am Ende nur noch um den Erhalt des Status quo geht."
Bei dem ganzen Hin und Her ist Maisch dann schon froh, wenn er zwischendurch mal rauskommt. Mit Frau und Kindern wohnt er außerhalb von Stuttgart, die Familie ist seine Hauptfreizeitbeschäftigung. Hobbys? Laufen, Rennrad fahren. Trotz all der Unterschiede zu anderen Fondsmanagern, lässt sich am Ende doch wenigstens eine Gemeinsamkeit finden: "Die Märkte sind schon mehr als ein Vollzeitjob."
| LBBW Dividenden Strategie Euroland R |
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| Stärken Maisch fährt keine einfache Dividendenstrategie, sondern wählt zusätzlich nach Unternehmensperspektiven aus. So verringert er die Gefahr, am Ende nur mit Werten im Portfolio dazustehen, die zwar eine hohe Dividenrendite abwerfen, ihren Aktionären aber sonst nur Ärger bringen - wie etwa mit Papieren von Finanzdienstleistern und Telekomunternehmen. |
| Schwächen Das Anlageuniversum des Fonds ist vor allem auf den Euro-Raum ausgelegt. Die Schuldenkrise der Peripheriestaaten und das generelle Misstrauen der Investoren in Aktien drücken so auch bei Maischs Portfolio auf die Wertentwicklung: Auf ein Jahr gerechnet liegt der Fonds derzeit rund elf Prozent im Minus. |
| Portfolio Maisch hält derzeit 61 verschiedene Werte, ein Großteil sind Titel aus Deutschland, Frankreich und den Niederlanden. Er setzt dabei auf Industrie- und Rohstoffunternehmen. |
| Steckbrief | |
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| ISIN | DE0009780411 |
| Gesellschaft | LBBW Asset Mngt. |
| Währung | Euro |
| Fondsvolumen | 592,1 Mio. Euro |
| jährliche Gebühr* | 1,7 % |
| Anteilspreis | 29,26 Euro |
*Gesamtkostenquote; Stand: 3.5.2012 Quelle: LBBW, Onvista