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  FTD-Serie: Fondsmanager

Sie bewegen Milliarden und entscheiden über Schicksale. Doch welche Menschen sich hinter den großen Fonds der Welt verbergen, ist nur den Insidern bekannt. Die FTD präsentiert Ihnen in einer Serie erfolgreiche Fondsmanager und ihre Strategien.

Merken   Drucken   05.11.2012, 09:14 Schriftgröße: AAA

Fondsmanager-Porträt: Charles Somers - Heute die Welt von morgen kennen

Mit den Auswirkungen des demografischen Wandels wird sich bald jeder beschäftigen müssen, ist sich der Brite Charles Somers sicher. Bei manchen Firmen in seinem Fonds erschließt sich erst auf den zweiten Blick, wie sie davon profitieren werden.
Charles Somers, hier in seinem Büro in London, setzt auf Firmen, ...   Charles Somers, hier in seinem Büro in London, setzt auf Firmen, die im nächsten Jahrzehnt wichtig werden

Wenn sich Charles Somers die Welt in zehn Jahren vorstellt, dann muss er ganz genau zwischen seinem eigenen Leben und dem Rest unterscheiden. Er selbst will dann noch immer den gleichen Fonds verwalten, "am liebsten mit vielen Milliarden gefüllt und einer fantastischen Erfolgsgeschichte". Die Welt aber wird dann eine andere sein: Wirtschaftlich wird sie sich ziemlich verändert haben, politisch wohl auch, und was die Bevölkerung angeht, auf jeden Fall. "Die Kosten der Alterung werden auf das Neunfache der Kosten der Finanzkrise geschätzt", sagt Somers. "Bald wird sich jeder mit Demografie beschäftigen müssen."

Charles Somers tut es bereits jetzt. Mit gerade einmal 37 Jahren verwaltet der Brite rund 14 Mio. Euro  im Schroder Global Demographic Opportunities Fonds. Die Ansatzpunkte für seine Investitionsentscheidungen: das wandelnde Konsumverhalten im Laufe eines Menschenlebens und der wachsende Wohlstand in Schwellenländern, der die Nachfrage der Bevölkerung verändert. Der erste Ansatz: Ein Student gibt sein Geld für seine Freizeit aus. Später werden Familie und Hauskauf wichtig, die Ausbildung der Kinder, Altersvorsorge. Spätestens dann steigen auch die Ausgaben für Gesundheitspflege. "Dieses Muster ist über sämtliche Regionen und Perioden ähnlich", so Somers. Der zweite Ansatz: Bei weniger vermögenden Menschen stehen die Grundbedürfnisse im Vordergrund. Je reicher die Menschen werden, desto mehr Wert legen sie auf Komfort und Luxus.

Beides kombiniert Somers mit Daten über den Bevölkerungswandel in den nächsten zehn bis 20 Jahren, also Alterung und niedrige Geburtenrate in Industriestaaten, schwächer werdendes Bevölkerungswachstum in Schwellenländern. "Alles zusammen ergibt ein aussagekräftiges Modell über die Verschiebung des Konsumverhaltens auf der ganzen Welt", sagt Somers. "Wir suchen nach Firmen, die in den am schnellsten wachsenden Regionen am stärksten vertreten sind." Allerdings müsse die Aktie seinem Preisziel entsprechen und attraktiv bewertet sein. Sonst komme ein Unternehmen trotz demografischer Wachstumstreiber nicht infrage.

Viel Arbeit stecke in dem Fonds, so Somers. Vier Jahre lang haben er und sein Team Gesundheitssysteme verglichen, untersucht, wie Bewohner verschiedener Länder Altersvorsorge betreiben, Zahlen über die langfristige Bevölkerungsentwicklung gesammelt und - vor allem - studiert, wie sich das alles auf die Umsätze von Unternehmen auswirkt. Es entstand eine riesige Datenbank, aus der Somers seine Entscheidungen unterfüttert.

Wenn der Fonds, wie etwa im vergangenen Sommer, kurzfristig schwächelt, bleibt Somers ruhig. Er ist überzeugt: "Es bräuchte schon so etwas wie den Einschlag eines riesigen Meteoriten, um die erwartete demografische Entwicklung aufzuhalten." Und immerhin liegt der Fonds seit seiner Auflage vor zwei Jahren 9,1 Prozent im Plus und hat seinen Vergleichsindex im laufenden Jahr um gute fünf Prozentpunkte geschlagen.

Das Portfolio des Fonds wirkt auf den ersten Blick ein wenig wahllos, erhält durch Somers Erläuterungen aber einen roten Faden - etwa, wenn er durchdekliniert, welche Firmen aus welchem Grund an der wachsenden Mittelschicht in Asien verdienen. "Demografie erklärt zwei Drittel aller Dinge, die auf der Welt passieren", sagt er. Auf der einen Seite fließe zunächst mehr Geld in Luxusgüter. So hält Somers Aktien von Estée Lauder. Weil die neuen Reichen dazu noch recht jung sind, werde auf der anderen Seite mehr Geld in die Unterhaltungsindustrie fließen, ebenso würden Restaurants profitieren. Somers hat dementsprechend in Papiere von Rémy Cointreau  und Yam investiert. Zu dem Systemgastronomiekonzern gehören unter anderem Pizza Hut, Taco Bell und Kentucky Fried Chicken  (KFC). Die Nachfrage nach Fast Food treibe wiederum die Palmölproduktion in Indonesien und Malaysia an. "In irgendwas müssen die Hähnchen bei KFC ja frittiert werden." Folgerung: Somers hält Aktien des malaysischen Mischkonzerns IJM.

Dennoch sind die offensichtlichen Demografiegewinner, Pharma- und Gesundheitswesenkonzerne, mit rund 25 Prozent der größte Block im Fonds. Denn in Palmöl frittiertes Essen wirkt sich irgendwann eben auf die Gesundheit aus - die Kehrseite des wachsenden Reichtums. Hinzu kommen noch die normalen altersbedingten Gebrechen. Seine Anteile an Roche  und Fresenius  hat Somers daher kürzlich aufgestockt, seither ist Roche mit 3,4 Prozent das größte Einzelinvestment.

Zweitgrößter Block, auch das überrascht zunächst, sind Finanzdienstleister. Seine Favoriten, so Somers, verdienten in Industrieländern Geld mit der Alterung der Bevölkerung, der sie Ansparprodukte, Fonds oder Lebensversicherungen verkauften. In Entwicklungsländern dagegen öffneten mit steigendem Wohlstand mehr Menschen Bankkonten. Somers will von beidem profitieren: "Prudential  ist beispielsweise ein Unternehmen, dass sich in beiden Welten bewegt." Das Unternehmen ist in zwölf Ländern Asiens vertreten, besitzt den US-Versicherer Jackson National Life und die britische Fondsgesellschaft M&G. Viel Freizeit hat Charles Somers nicht, er lässt es sich neben der Arbeit im Büro nicht nehmen, interessante Firmen regelmäßig zu besuchen. Vor allem Asien fasziniert ihn, seit er in seinen Anfangstagen bei Schroders vor rund 14 Jahren eine Zeit lang im Schanghaier Büro verbrachte. Seine Lieblingsstadt ist indes Jakarta - "eine sehr spannende Stadt", findet er, denn Indonesien habe das Zeug zum nächsten "Powerhouse" der Region.

Wenn er trotz der vielen Arbeit ein bisschen Luft hat, kann Somers sich mit seinem Vater in der City treffen - der über 70-Jährige ist noch immer als Aktienhändler aktiv. Die Abende verbringt er am liebsten mit seinen beiden kleinen Kindern - oder spielt Saxofon, so manches Mal auch mit einer kleinen Band in Londoner Bars.


Schroder Global Demographic Opportunities
Stärken Wenn eine Fondsgattung auf lange Sicht ausgelegt ist, dann wohl Demografiefonds. Kurzfristige hohe Gewinne lassen sich damit kaum realisieren. Dafür sind hohe Verluste aufgrund der regionalen und branchenübergreifenden Diversifikation selten. Die meisten Werte gelten als defensiv.
Schwächen Der Fonds handelt in Dollar. Die Euro-Tranche ist währungsgesichert, dennoch dürfte das konservativen Anlegern noch zu riskant sein. Von Markteinbrüchen wie etwa im Sommer 2012 bleibt der Fonds nicht verschont. Den Verlust 2011 von 10,7 Prozent hat Somers im laufenden Jahr aufgeholt.
Portfolio Von Pharma und Gesundheitswesen über Nahrungsmittel und Luxusmarken bis hin zu Finanzwerten enthält der Fonds ein breites Spektrum von Firmen mit demografischen Wachstumstreibern. 27 Prozent von ihnen stammen aus den USA, 22 Prozent aus Schwellenländern.

Jung und Alt: Fonds vs. Index   Jung und Alt: Fonds vs. Index

 


Steckbrief
ISINLU 557 29069 8
GesellschaftSchroders
WährungDollar
Fondsvolumen18,5 Mio. $
jährliche Gebühr2,51 %*
Anteilspreis84,75 €

* Gesamtkostenquote, Stand 01.11.2012; Quelle: Onvista

  • Aus der FTD vom 05.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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