Sie bewegen Milliarden und entscheiden über Schicksale. Doch welche Menschen sich hinter den großen Fonds der Welt verbergen, ist nur den Insidern bekannt. Die FTD präsentiert Ihnen in einer Serie erfolgreiche Fondsmanager und ihre Strategien.
Ob ein Fonds gut läuft oder eine Fußballmannschaft gewinnt, hängt für Dave Dudding entscheidend von einem ab: Glück. Das ist nachvollziehbar, wenn man beachtet, dass der 40-jährige Anhänger des britischen Zweitligisten Crystal Palace aus London ist, der regelmäßig in die Premier League auf- und dann wieder absteigt. Wenn es allerdings um den von Dudding verwalteten Aktienfonds Threadneedle European Select geht, will man ihm widersprechen: Drei Jahre in Folge seinen Vergleichsindex zu schlagen, auch im schwierigen Börsenjahr 2011, setzt wohl ein wenig mehr voraus als eine Reihe glücklicher Zufälle. Für Zufallstreffer erhält man in der Regel auch keine Topbewertungen von Fondsratingagenturen wie Morningstar oder Citywire.
2012 steht der Fonds bisher fast zwölf Prozent im Plus: 5,5 Prozent mehr als vergleichbare Produkte. Der von Morningstar verwendete Vergleichsindex, der vom Indexanbieter MSCI erstellte Europe Ex-UK, verlor in dieser Zeit elf Prozent. Aber Dudding bleibt dabei: "Es gehört auch Glück dazu. Ich interpretiere nicht zu viel in ein erfolgreiches Jahr, weil kurzfristig einfach Dinge passieren, die wir nicht kontrollieren können."
Mehr als vom Glück rührt der Erfolg wohl daher, dass Dudding in der Verwaltung des Fonds, den er 2008 übernommen hat, seinen eigenen Stil durchzieht: "Wir investieren auf lange Sicht, wir suchen starke Unternehmen aus, und wir haben einen Hang zu Qualitätsfirmen." Diese Konzerne halten sich in schwierigen Wirtschaftsphasen besser als schwach aufgestellte Firmen. Deren Kurse legen vielleicht schneller zu, wenn sich die Märkte erholen, langfristig werfen sie aber deutlich weniger Rendite ab. Banken und Versicherungen sind in Duddings Welt keine Qualitätsunternehmen. Er verzichtet auf Finanztitel, was ihm 2011 geholfen hat, seinen eigenen Vergleichsindex, den vom Indexanbieter FTSE erstellten World Euro Ex-UK, um zehn Prozent zu schlagen.
Seine Abneigung gegen Finanzwerte hängt auch damit zusammen, dass "ich ihr Geschäftsmodell nicht komplett verstehe", wie Dudding einräumt. Natürlich könnte er sich tiefer in die Bilanzen der Institute stürzen. Aber: "Ich bin kein mathematischer Typ. Ich versuche, die Dinge einfach zu halten. Ich glaube, dass ich recht gut darin bin, perspektivisch zu denken und mich von einer Tagesveränderung beim Aktienkurs oder Quartalsbilanzen zu lösen. Ich versuche zu verstehen, wo ein Unternehmen in fünf oder zehn Jahren sein will und wie es dahin kommen will."
Ein Unternehmen, das er auch in zehn Jahren noch als Renditegarant sieht, ist Nestlé - mit 6,9 Prozent die größte Position in seinem Fonds. Und wenn er über den Schweizer Konsumgüterkonzern spricht, kommt wieder Dave Dudding, der Fan, zum Vorschein. "Nestlé ist ein tolles Unternehmen, und viele Leute unterschätzen, wie außergewöhnlich diese Firma ist." Die Aktie weise in den vergangenen 20 Jahren durchschnittlich 12,5 Prozent Rendite pro Jahr auf. "Manchmal", so schwärmt er, "wünsche ich mir, ich könnte den ganzen Fonds mit Nestlé-Aktien füllen, aber dafür könnten wir natürlich keine Verwaltungsgebühr mehr verlangen."
Zum Fondsmanagement kam Dudding zufällig. "Ganz ehrlich? Nach meinem Master in Europapolitik war Threadneedle das einzige Unternehmen, das mir einen Job angeboten hat", sagt er grinsend. Die britische Financial Times habe übrigens auch Interesse gezeigt, ihm aber kein Angebot gemacht. Dabei hat Dudding vor seiner Finanzkarriere jahrelang als Journalist gearbeitet. Vielleicht mag er es deshalb bis heute nicht, fotografiert zu werden.
Dass er anschließend die Fronten gewechselt hat, findet er nur logisch: "Die beiden Berufe Journalist und Fondsmanager sind sich in vielen Dingen sehr ähnlich." Zum Beispiel brauche man Menschenkenntnis, auch in seinem Job. "Es geht nicht nur darum, eine Bilanz zu lesen. Es geht auch darum zu verstehen, wer die Menschen sind, die hinter einem Unternehmen stehen, die eine Firma zu einem lebendigen Komplex machen." Psychologie sei für ihn deshalb sehr wichtig genauso wie Gespräche mit den Vorstandsetagen der Firmen in seinem Fonds. "Viele meiner Entscheidungen basieren auf diesen weichen Faktoren. Wohl mehr, als viele glauben."
Für einen europäischen Aktienfondsmanager hält Dudding erstaunlich wenige deutsche Industriewerte. Vergleichbare Fonds sehen da anders aus, sind traditionell mit Siemens oder deutschen Autobauern gespickt. Dabei ist Dudding sogar in Deutschland geboren - in einem Berliner Militärkrankenhaus. Sein Vater war als Soldat lange in verschiedenen deutschen Städten stationiert. Verbunden fühlt er sich Deutschland dadurch aber nicht. "Als ich drei Wochen alt war, sind wir nach London gezogen. I am not really ein Berliner."
Dabei hat Dudding fußballtechnisch gesehen eine deutsche Geliebte: Borussia Mönchengladbach, sein Zweitverein. Deutsche Freunde seiner Eltern hätten ihn um 1980 damit angesteckt. "Die hatten Ende der 70er-Jahre ein echt gutes Team und spielten gegen Liverpool", erinnert er sich. Eine Zeit lang verließ er als kleiner Junge das Haus bevorzugt mit einer grün-weiß-schwarzen Borussen-Mütze und gab in seiner Schulklasse damit an, dass er den Vereinsnamen ziemlich deutsch aussprechen konnte.
Hätte Deutschland bei der Europameisterschaft im Finale gegen Spanien gestanden, hätte Dudding trotz Berlin und Borussia den Iberern die Daumen gedrückt. Erstens, weil es für einen Briten unmöglich sei, die deutsche Mannschaft gut zu finden. Zweitens wegen seiner Verbundenheit zu Spanien: "Ich freue mich, dass Spanien Europameister geworden ist. Ein guter Freund von mir ist Spanier, ich liebe Fisch, und ich liebe Spanien." Einige Jahre lebte er Ende der 90er in Madrid und im galizischen Vigo. Seine Masterarbeit hatte die europäische Fischfangindustrie zum Thema, für die Recherche habe es kaum einen besseren Ort als die galizische Atlantikküste gegeben. Von der sei er im Übrigen auch ein großer Fan.
Spanien besucht Dudding noch immer regelmäßig mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter. Für sonstige Hobbys, außer Crystal Palace und der Borussia natürlich, bleibe ihm jedoch wenig Zeit. Es sei denn, witzelt er very british, man erkenne Windelnwechseln als Hobby an.
| Threadneedle European Select Fund |
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| Stärken Die eher konservative Anlagestrategie gewährleistet für Investoren Firmen mit langfristig orientierten Geschäftsmodellen im Portfolio. |
| Schwächen Klumpenrisiko bleibt Klumpenrisiko, auch wenn es relativ unwahrscheinlich ist, dass eine der großen Positionen in Duddings Portfolio über einen längeren Zeitraum deutlich verliert. Immerhin 21 Prozent des Fondsvolumens stecken zudem in Industriegüteraktien - einer Branche, die konjunkturanfällig ist. Allerdings sind die Werte durch ihre Größe so liquide, dass Dudding sie problemlos schnell verkaufen könnte. Ein Risiko stellen auch die mehr als sieben Prozent dar, die der Aktienfonds an Schweizer Firmen hält: Dudding sichert den Fonds nicht gegen Währungsrisiken ab. |
| Portfolio Dauerbrenner wie Nestlé, Fresenius Medical Care oder Unilever werfen seit Jahren auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Rendite ab. |
| Steckbrief | |
|---|---|
| ISIN | GB0002771169 |
| Gesellschaft | Threadneedle |
| Währung | Euro |
| Fondsvolumen | 1,16 Mrd. Euro |
| jährliche Gebühr | 1,50 Prozent |
| Anteilspreis | 1,84 Euro |
Stand: 5.7.2012; Quelle: Morningstar, Threadneedle