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  FTD-Serie: Fondsmanager

Sie bewegen Milliarden und entscheiden über Schicksale. Doch welche Menschen sich hinter den großen Fonds der Welt verbergen, ist nur den Insidern bekannt. Die FTD präsentiert Ihnen in einer Serie erfolgreiche Fondsmanager und ihre Strategien.

Merken   Drucken   15.04.2012, 11:00 Schriftgröße: AAA

Fondsmanager-Porträt: Gregor Holek - Lucky Luke des Wilden Ostens

Intransparente Konzerne, illiquide Wertpapiere, politische Querelen - es gibt genug Gründe, warum Anlegern bei Russland-Investments die Knie schlottern. Gregor Holek hat dagegen ein probates Mittel: cool bleiben.
© Bild: 2012 Frank Seifert/FTD
Intransparente Konzerne, illiquide Wertpapiere, politische Querelen - es gibt genug Gründe, warum Anlegern bei Russland-Investments die Knie schlottern. Gregor Holek hat dagegen ein probates Mittel: cool bleiben.

Es ist der 4. März 2012: In Russland werfen die Bürger ihre Wahlzettel in die Urnen, Wladimir Putin führt in den ersten Hochrechnungen, irgendwann steht fest, dass er zum dritten Mal als Präsident in den Kreml einziehen würde, die ersten Demonstranten finden sich auf den Straßen zusammen und wittern Wahlbetrug. Das alles hat sich Gregor Holek zwar mit Interesse angeguckt, doch angespannte Einschätzungen hören sich anders an: "Das politische Risiko bleibt unverändert", sagt er nüchtern.

Fondsmanager Holek kennt sich aus in dieser Welt - er hat gelernt, sich nicht verrückt machen zu lassen. Seit vier Jahren verwaltet er den Russland-Aktienfonds von Raiffeisen Capital Management. Kein einfaches Thema, zumal in den Ohren der Anleger beim Stichwort Russland oft erst mal nicht der rollende Rubel, sondern die Alarmglocke klingelt: Da gibt es die Geschichten über den Ölmagnaten Michail Chodorkowski, dessen Verurteilung wegen Steuerhinterziehung vom Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte untersucht wurde.

Da ist die Abhängigkeit des Landes von Rohöl und Erdgas und den Marktpreisen für diese Rohstoffe, die nicht zuletzt mit den politischen Umständen in arabischen Ländern schwanken.

Und da sind die protestierenden Menschen in Russland, die immer wieder auf die Straße gehen, weil sie nicht damit einverstanden sind, wie ihre führenden Politiker den Demokratiebegriff definieren.

"Russland ist für Investoren immer ein schwieriges Thema. Besonders im angelsächsischen Raum haben wir das gemerkt, wenn wir Kunden die Produkte vorgestellt haben", sagt Holek. Osteuropa generell, das sei kein Problem, da hörten die Anleger sehr gern zu. "Aber mit dem Thema Russland sind wir nicht immer gut angekommen, die Investoren mussten gar nichts mehr sagen, da hat die Körpersprache schon gereicht."

Was kann der 40-Jährige mit dem typisch wienerischen Zungenschlag solchen Einwänden noch entgegensetzen? Vor allem eine gute Portion Pragmatismus: "Ich versuche vor allem, Kunden darüber aufzuklären, wie der Markt tatsächlich läuft. Investoren über kurzfristige Versprechen in einen Markt zu locken ist dumm." Die Skepsis gegenüber dem Markt bleibe dennoch groß.

Holek hat sich mit einem relativ kleinen Fonds - Volumen rund 40 Mio. Euro - in den Markt getraut. Laut Daten der Fondsratingagentur Morningstar hat er in fast allen Jahren seit seiner Auflegung 2008 sowohl seinen Vergleichsindex, den von Morgan Stanley berechneten MSCI Russia, als auch vergleichbare Produkte anderer Anbieter deutlich geschlagen. Die Ausnahme: das Jahr 2011, als Holek die Übergewichtung von Werten wie Sberbank oder Gazprom zum Verhängnis wurde, weil Finanzwerte durch die Schuldenkrise in Europa stark verloren und die Kurse von Energiekonzernen den Wachstumssorgen rund um den Globus zum Opfer fielen. An den Aktien hält er trotzdem bis heute fest: Beide gehören mit einer Gewichtung von fast zehn Prozent zu den Schwergewichten im Fonds. Morningstar ist der Fonds noch immer die Höchstnote von fünf Sternen wert.

Bei der Wahl der Werte ist Holek penibel: "Das Portfolio besteht aus vielen kleinen Einzelentscheidungen", sagt er. Die Unternehmen sucht er nach ihren Kennzahlen und Marktchancen aus, auf Ländertrends achte er dagegen wenig - auch nicht bei dem ebenfalls von ihm gemanagten Osteuropa-Aktienfonds. Wichtig ist ihm vor allem die Liquidität der Märkte, allein schon wegen schmerzlicher Erfahrungen: "Es ist uns schon passiert, dass wir aus Titeln nicht mehr herausgekommen sind." Mit Energie- und Finanzkonzernen will er die Gefahr umgehen, wieder auf einer Aktie sitzen zu bleiben. Holek ist sich der Schwierigkeiten, die sein Portfolio mit sich bringt, durchaus bewusst. Ein großes Risiko liege beispielsweise in der Bewertung der Unternehmen von außen, sagt er. "Der größte Konzern ist Gazprom - und der ist auch mit der intransparenteste." Noch eine Eigenschaft hat er bei russischen Firmen entdeckt, die es Investoren nicht unbedingt einfacher machen: Sie sind es noch nicht so lange gewohnt, mit Investoren zu kommunizieren. "Viele, insbesondere jene im Staatsbesitz, lernen erst allmählich, den eigenen Aktienkurs ernst zu nehmen."

Aber das bessere sich. Russland sei nicht mehr so sehr Wilder Westen - oder eben Wilder Osten - wie vor ein paar Jahren. "Die großen Titel werden mittlerweile von vielen Investmentbanken gecovered", sagt Holek nicht ganz ohne Bedauern. Je mehr Analysten und Fonds auf dem jungen russischen Markt mitmischen, desto schwieriger wird es für ihn, wirklich neue Perlen in der Region zu finden.

Irgendwie spornt es Holek aber auch an, sich auf einem für viele merkwürdigen Markt so gut zurechtzufinden. "Es ist zwar nicht immer ganz leicht, es gibt viele bewegliche Teile, alles kann sich über Nacht ändern. Damit ist das Stresslevel hoch - aber alles andere finde ich irgendwie langweilig". Das gilt für den Russland-Fonds genauso wie für die anderen Portfolios, die er verwaltet. Auch wenn etwa der Osteuropa-Fonds, für den er mitzuständig ist, ein wenig einfacher zu vermitteln ist. "Die Türkei läuft bei Investoren deutlich besser, und die Ukraine ist von der Mentalität her näher an Europa", sagt er.

Für Holek ist die Nähe zu Russland und Osteuropa dagegen fast selbstverständlich. "Das Slawische ist mir schon sehr nahe", sagt er. Seine Frau kommt aus Kroatien, der Großvater aus Tschechien. Und wenn Holek nicht gerade, ganz Österreicher, mit dem Mountainbike auf Berge fährt oder mit Skiern wieder runter, kann er die Länder, in die er investiert, einfach schnell von seinem Wohnort Wien aus besuchen. "Da kann man zum Kaffeetrinken nach Bratislava fahren."


Raiffeisen-Russland-Aktien (R)
Stärken Holek und sein Team konzentrieren sich bei der Titelauswahl auf die Unternehmensanalyse statt auf regionale Markttrends. So kommt es etwa, dass in dem Fonds Gesundheits- und Konsumgüteraktien ein stärkeres Gewicht haben als im Vergleichsindex.
Schwächen Ohne Großkonzerne wie Gazprom oder Sberbank geht es allerdings nicht, was gerade im vergangenen Jahr stark auf die Wertentwicklung des Fonds gedrückt hat. Da die Liquidität an den osteuropäischen Aktienmärkten immer ein Thema ist, kann der Fonds die starken Schwankungen nur begrenzt abfedern. Zudem überwiegen im Fonds Wertpapiere, die in Dollar notieren, sodass Anleger mit negativen Währungseffekten rechnen müssen.
Portfolio Auch wenn er sie bisweilen schwächer gewichtet als der Vergleichsindex, spielen Energie- und Rohstoffwerte in Holeks Fondsaufstellung noch immer eine tragende Rolle.
Steckbrief
ISINAT0000A07FS1
GesellschaftRaiffeisen Capital
WährungEuro
Fondsvolumen44,2 Mio. €
jährliche Gebühr2,23* %
Anteilspreis80,26 Euro

*TER = Total Expense Ratio; Quelle: Unternehmen, Fondsweb

  • FTD.de, 15.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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