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  FTD-Serie: Fondsmanager

Sie bewegen Milliarden und entscheiden über Schicksale. Doch welche Menschen sich hinter den großen Fonds der Welt verbergen, ist nur den Insidern bekannt. Die FTD präsentiert Ihnen in einer Serie erfolgreiche Fondsmanager und ihre Strategien.

Merken   Drucken   27.01.2012, 13:00 Schriftgröße: AAA

Fondsmanager-Porträt: Joep Huntjens - Ein Mann der leisen Töne

Für Joep Huntjens sind Volkswirtschaften wie Singapur, Hongkong und Südkorea längst keine Schwellenländer mehr. Vielleicht ist das der Grund, warum er seinen Fonds lieber mit asiatischen Rentenpapieren bestückt anstatt mit Hochzinsanleihen aus Europa.
© Bild: 2012 FTD.de/FTD/Frank Seifert
Für Joep Huntjens sind Volkswirtschaften wie Singapur, Hongkong und Südkorea längst keine Schwellenländer mehr. Vielleicht ist das der Grund, warum er seinen Fonds lieber mit asiatischen Rentenpapieren bestückt anstatt mit Hochzinsanleihen aus Europa. von Georgia Hädicke 
Manchmal merkt Joep Huntjens gar nicht mehr, wie viel von Singapur schon in ihm steckt. Er streckt die Finger aus und nimmt die ihm angebotene Visitenkarte mit beiden Händen entgegen, vorsichtig, als wäre ihm gerade ein besonderer Schatz überreicht worden. Eine Geste, die typisch ist für die asiatische Etikette. Karte grabschen und ab damit in die ewigen Jagdgründe der Aktentasche, so wie es unter westlichen Managern üblich ist, gilt in Fernost als grob unhöflich. Spricht man Huntjens darauf an, lächelt er überrascht: "Ist mir gar nicht aufgefallen, dass ich das mache."
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Der gebürtige Niederländer ist seit anderthalb Jahren als Investmentmanager für asiatische Anleihen bei ING zuständig. Mit seinem elfköpfigen Team, in dem er der einzige Europäer ist, analysiert er asiatische Staats- und Unternehmensschuldverschreibungen und managt den Rentenfonds ING Asian Debt Hard Currency. Ein Exotenthema, das jedoch in Zeiten, in denen sich westliche Staaten mit ihren wuchernden Schulden herumschlagen, an Bedeutung gewinnt.
Eines will Huntjens gleich klargestellt haben: "Wenn Investoren Asien hören, denken sie an Schwellenländer. Doch das ist eben nicht dasselbe." Die Goldgräberstimmung an diesen Märkten sei zwar etwas abgeflaut, doch Volkswirtschaften wie Singapur, Hongkong oder auch Südkorea seien weit fortgeschritten in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Dafür vergeben Ratingagenturen wie S&P oder Moody's gern schon mal Investmentgrade-Noten, während sie in Europa damit zunehmend geizen. In den meisten Ländern der Region wird die Staatsverschuldung Prognosen zufolge 2012 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich weniger als 50 Prozent betragen.
Der 42-Jährige fühlt sich zwar auch mit riskanteren Papieren wohl, schließlich hat er, bevor er nach Singapur ging, das Segment der europäischen Hochzinsanleihen beackert. Papiere mit hohen Renditen, aber auch großen Risiken machen jedoch nicht den Großteil seines Portfolios aus. Denn mit dem Risiko ist es in Zeiten wie diesen so eine Sache: Trotz eigentlich solider Voraussetzungen ist die Anlageklasse nicht unproblematisch - eben weil die Anleihen gegenüber ihren europäischen oder amerikanischen Pendants vergleichsweise schwer handelbar sind. "Der Bondmarkt in Asien hat immer noch ein Liquiditätsproblem", gibt Huntjens zu. Die Folge: Wenn Investoren nervös werden, rappelt es auch bei diesen Papieren. Die Turbulenzen im vergangenen Jahr bilden da keine Ausnahme. Der Niederländer nimmt es gelassen: "Ich war nicht überrascht, als es auch bei den asiatischen Anleihen abwärtsging", sagt er. "Damit muss man in dem Markt mittelfristig rechnen."
Deswegen fährt Huntjens mit seinem Fonds auch eine Strategie, bei der er Staats- und Unternehmensanleihen in einem Produkt zusammenmixt. "Die Prämien sind meiner Meinung nach gerade bei Unternehmensanleihen großzügig im Vergleich zum Risiko, das man eingeht." Daher nutzt Huntjens Durchhänger im Markt durchaus auch für Einkäufe, wenn die Kurse entsprechend günstig sind. "Wir schauen uns bei der Auswahl der Papiere in erster Linie die Emittenten genau an, egal ob es ein Unternehmen ist oder eine Regierung." Im Ergebnis hält Huntjens momentan sogar mehr Anleihen von Firmen, als im Vergleichsindex JP Morgen Asia Credit Composite vertreten sind - und nimmt dabei auch in Kauf, dass der Fonds im Vergleich zum Index stärker schwankt. Im Paket sind vor allem Papiere aus dem Industriesektor sowie von asiatischen Bankenriesen wie die in Singapur ansässige OCBC Bank. Auch Schuldverschreibungen von einigen Immobilienentwicklern aus der Volksrepublik sind dabei, was in den Köpfen der Investoren reflexartig die Frage nach der Gefahr einer Immobilienblase im Reich der Mitte aufwirft. "Es stimmt, dass es in dem Markt zu einer Verlangsamung gekommen ist", lautet die Antwort von Huntjens wie üblich in leisem, ruhigem Englisch. "Diese Situation hat die Regierung mit ihren Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung herbeigeführt. Und genauso gehen wir davon aus, dass sie auch in die andere Richtung gegensteuern wird. 60 Prozent der chinesischen Privatvermögen stecken in Immobilien, da kann der Staat nichts riskieren."
Dennoch macht die Volksrepublik in Huntjens Portfolio nicht den größten Posten aus, wohingegen der Manager etwa auf Indonesien ein besonderes Gewicht gelegt hat. "Wir haben diese Position aufgebaut, bevor das Land ‚Everybody's Darling‘ geworden ist. Das war ein großer Vorteil."
Die Sorge, dass die Konjunktur in den asiatischen Ländern von den kriselnden Industrienationen in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, teilt Huntjens nicht. "Die Staaten handeln mittlerweile stärker untereinander und sind vom Export nach Europa und in die USA weniger abhängig." Eine Ausnahme sei Südkorea, wo der Manager das Engagement seines Fonds im Verhältnis zum Vergleichsindex genau wegen dieser Abhängigkeiten bereits zurückgefahren hat.
Aus Singapur will der Niederländer jedenfalls so schnell nicht mehr weg, schließlich haben sich auch seine Frau und seine drei Kinder in der neuen Umgebung eingerichtet. Die Millionenmetropole mit einer Bevölkerungsdichte von mehreren Tausend Menschen pro Quadratkilometer ist im Vergleich zu Huntjens' Heimatstadt Den Haag zwar etwas weniger beschaulich. "Aber man kann in der Stadt sehr gut leben, und die internationale Gemeinde ist sehr groß." Seine Kinder gehen auf eine holländische Schule, werden aber privat auch in Chinesisch unterrichtet. "Ich habe leider kaum Zeit, die Sprache zu lernen." Für seine asiatischen Kollegen wiederum ist der Name Huntjens praktisch kaum aussprechbar. Sie nennen ihn daher einfach "Dr. Bond".

Im Profil
Manager Joep Huntjens kommt aus Den Haag und arbeitet seit 15 Jahren für die niederländische Gesellschaft ING Investment Management. Seit anderthalb Jahren und leitet er in Singapur ein elfköpfiges Team aus Staats- und Unternehmensanleiheanalysten. Studiert hat Huntjens Wirtschaftswissenschaften an der Universität Rotterdam.
Fonds Der ING (L) Renta Fund Asian Debt Hard Currency investiert in Staats- und Unternehmensanleihen aus dem asiatischen Raum, wobei Japan und Australien nicht in mit einbezogen sind. Seinen Vergleichsindex, den JP Morgan Asia Credit Composite Index, hat der Fonds sowohl auf Ein- als auch auf Drei-Jahres-Sicht geschlagen. 2011 lagen die Nettomittelzuflüsse bei 40 Mio. Dollar.
Währung Die asiatischen Anleihen, die der Fonds hält, sind zu mehr als 90 Prozent in Dollar denominiert. Huntjens kann aber bis zu ein Drittel der Mittel in lokalen Währungen anlegen.

ING (L) Renta Fund Asian Debt
ISINLU0546914168
GesellschaftING Inv. Managem.
Auflage18.11.1996
Volumen142,00 Mio. $
jährliche Gebühr1,00 %
Anteilspreis1449,30 $*
*1111,60 €; Stand: 25.1.2012; Quelle: Emittentenangaben
  • FTD.de, 27.01.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland,
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