Der gebürtige Niederländer ist seit anderthalb Jahren als Investmentmanager für asiatische Anleihen bei ING zuständig. Mit seinem elfköpfigen Team, in dem er der einzige Europäer ist, analysiert er asiatische Staats- und Unternehmensschuldverschreibungen und managt den Rentenfonds ING Asian Debt Hard Currency. Ein Exotenthema, das jedoch in Zeiten, in denen sich westliche Staaten mit ihren wuchernden Schulden herumschlagen, an Bedeutung gewinnt.
Eines will Huntjens gleich klargestellt haben: "Wenn Investoren Asien hören, denken sie an Schwellenländer. Doch das ist eben nicht dasselbe." Die Goldgräberstimmung an diesen Märkten sei zwar etwas abgeflaut, doch Volkswirtschaften wie Singapur, Hongkong oder auch Südkorea seien weit fortgeschritten in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung. Dafür vergeben Ratingagenturen wie S&P oder Moody's gern schon mal Investmentgrade-Noten, während sie in Europa damit zunehmend geizen. In den meisten Ländern der Region wird die Staatsverschuldung Prognosen zufolge 2012 im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) deutlich weniger als 50 Prozent betragen.
Der 42-Jährige fühlt sich zwar auch mit riskanteren Papieren wohl, schließlich hat er, bevor er nach Singapur ging, das Segment der europäischen Hochzinsanleihen beackert. Papiere mit hohen Renditen, aber auch großen Risiken machen jedoch nicht den Großteil seines Portfolios aus. Denn mit dem Risiko ist es in Zeiten wie diesen so eine Sache: Trotz eigentlich solider Voraussetzungen ist die Anlageklasse nicht unproblematisch - eben weil die Anleihen gegenüber ihren europäischen oder amerikanischen Pendants vergleichsweise schwer handelbar sind. "Der Bondmarkt in Asien hat immer noch ein Liquiditätsproblem", gibt Huntjens zu. Die Folge: Wenn Investoren nervös werden, rappelt es auch bei diesen Papieren. Die Turbulenzen im vergangenen Jahr bilden da keine Ausnahme. Der Niederländer nimmt es gelassen: "Ich war nicht überrascht, als es auch bei den asiatischen Anleihen abwärtsging", sagt er. "Damit muss man in dem Markt mittelfristig rechnen."
Deswegen fährt Huntjens mit seinem Fonds auch eine Strategie, bei der er Staats- und Unternehmensanleihen in einem Produkt zusammenmixt. "Die Prämien sind meiner Meinung nach gerade bei Unternehmensanleihen großzügig im Vergleich zum Risiko, das man eingeht." Daher nutzt Huntjens Durchhänger im Markt durchaus auch für Einkäufe, wenn die Kurse entsprechend günstig sind. "Wir schauen uns bei der Auswahl der Papiere in erster Linie die Emittenten genau an, egal ob es ein Unternehmen ist oder eine Regierung." Im Ergebnis hält Huntjens momentan sogar mehr Anleihen von Firmen, als im Vergleichsindex JP Morgen Asia Credit Composite vertreten sind - und nimmt dabei auch in Kauf, dass der Fonds im Vergleich zum Index stärker schwankt. Im Paket sind vor allem Papiere aus dem Industriesektor sowie von asiatischen Bankenriesen wie die in Singapur ansässige OCBC Bank. Auch Schuldverschreibungen von einigen Immobilienentwicklern aus der Volksrepublik sind dabei, was in den Köpfen der Investoren reflexartig die Frage nach der Gefahr einer Immobilienblase im Reich der Mitte aufwirft. "Es stimmt, dass es in dem Markt zu einer Verlangsamung gekommen ist", lautet die Antwort von Huntjens wie üblich in leisem, ruhigem Englisch. "Diese Situation hat die Regierung mit ihren Maßnahmen zur Inflationsbekämpfung herbeigeführt. Und genauso gehen wir davon aus, dass sie auch in die andere Richtung gegensteuern wird. 60 Prozent der chinesischen Privatvermögen stecken in Immobilien, da kann der Staat nichts riskieren."