Gerald Kichler, Michael Pintarelli, Michael Keppler, Hendrik Leber: Wer sich regelmäßig mit der Gilde der Vermögensverwalter beschäftigt, dem sind diese Namen geläufig. Das Quartett zählt zur Spitze der deutschen Anlagestrategen. Ihre Leistungen wurden und werden seit Jahren immer wieder anerkannt, durch allerlei Medaillen und Spitzenplätze in einschlägigen Rankings und Ratings.
Weil sie ausnahmslos in oder für kleinere Fondsboutiquen arbeiten, deren Kunden meist eine breit gestreute, also weltweite Geldanlage wünschen, steuern alle vier globale Investmentfonds. Weil sie zudem eher fundamentalen, inneren Werten von Unternehmen vertrauen als den unsicheren Aussichten auf mögliche Erträge in der Zukunft, folgt ihre Anlagestrategie dem sogenannten Value-Ansatz. Und weil sie schließlich ihre Jobs gerade in der Krise weitaus besser machten als viele ihrer Konkurrenten, finden sie sich nun auch in den Spitzenrängen des entsprechenden Morningstar-Ratings wieder.
Das Erfolgsrezept der besten Value-Fonds hieß zuletzt freilich nicht Gewinnmaximierung, sondern Schadensbegrenzung: Kein einziger Titel hat Anlegern in den vergangenen drei Jahren unterm Strich etwas eingebracht. Doch immerhin: Während der weltweite Aktienleitindex über die Jahre insgesamt fast 36 Prozent seines Wertes verlor, lagen die Gesamtverluste der Top-Ten-Fonds im selben Zeitraum zwischen 24 und gerade einmal 1,7 Prozent.
Die wichtigste Strategie zur Verlustvermeidung bestand im Rückzug aus den Märkten. Der von Gerald Kichler gesteuerte Aktien-Global-Fonds der Kölner Boutique Flossbach & von Storch zum Beispiel hat schon seit über einem Jahr keinen einzigen Finanzwert mehr im Portfolio und hält zudem rund ein Viertel des Vermögens als Kasse. Auch der MPF Global Fonds des Wuppertaler Vermögensverwalters Michael Pintarelli hat Kursrückgänge durch geringere Nettoinvestitionen begrenzt. Er nutzte dazu allerdings nicht die Kasse, sondern stellte große Teile der Investitionen durch Termingeschäfte glatt. Die Manager des Kapitalfonds L.K. Global Value, die sich vom Fondsberater Michael Keppler aus New York beraten lassen, hatten Mitte April teilweise sogar unter 20 Prozent des Fonds in Aktien angelegt.
Weniger defensiv zeigen sich die Manager Hendrik Leber von der Fondsboutique Acatis und Thomas Schüssler, der die beiden Fonds der DWS im Spitzenfeld managt - der einzigen großen Gesellschaft übrigens unter den Top-Fonds. Beide fuhren im Krisenjahr 2008 höhere Verluste ein, weil sie weitgehend investiert blieben, sie konnten dafür aber in diesem Jahr höhere Gewinne einstreichen. Ihre Anlagepolitik fußt weitgehend auf den Ideen der Value-Investment-Legende
Warren Buffett : Sie suchen mit traditionellen Methoden der Bilanz- und Kurswertanalyse nach unterbewerteten Aktien mit hohem Substanzwert.
Die Fonds Absolute Intrepid, übersetzt "völlig unerschrocken", und Multi-Axxion RC S fallen aus der Reihe, weil sie als Mischfonds traditionell neben Aktien und Bargeld regelmäßig in Anleihen investieren. Das erklärt auch das stark unterdurchschnittliche Schwankungsrisiko, das in der Tabelle ausgewiesen ist.