Waren mit Staatsanleihen im vergangenen Jahr zweistellige Renditen einzufahren, rauschten die Kurse von Firmenanleihen nach der Lehman-Pleite Mitte September in den Keller. In diesem Jahr läuft das Ganze genau umgekehrt: Industriebonds haussieren, Staatsanleihen haben kaum mehr Luft nach oben.
Die Spreizung des Marktes schlägt sich auch bei den weltweit investierenden Global-Bond-Fonds des Morningstar-Ratings nieder. Michael Hasenstab, der die beiden bestplatzierten Fonds des Anbieters Templeton managt, gewichtet zum Beispiel Staats- und Unternehmensanleihen bei den milliardenschweren Flaggschiffen seines Hauses völlig unterschiedlich. Der "Global Bond" war Mitte vergangenen Jahres fast ausschließlich in Staatsanleihen investiert und schaffte so 2008 ein Plus von fast 13 Prozent, vor allem dank der Kursanstiege im zweiten Halbjahr.
Der "Global Total Return" wiederum hatte zur selben Zeit ein Drittel Industrieanleihen beigemischt und kam nur auf 2,3 Prozent. In diesem Jahr ist es genau umgekehrt: Da liegt der Total Return-Fonds mit 14,7 Prozent klar vor der durch Staatsanleihen dominierten hausinternen Konkurrenz.
Das gleiche Spiel beim drittplatzierten Fonds von WestLB Mellon. Im vergangenen Jahr lagen weniger als fünf Prozent in Unternehmensanleihen, der Fonds strich dank haussierender Staatsanleihen und sinkender Zinsen ein Plus von 18,7 Prozent ein. Die Kehrseite: Auch wenn der Fonds bis Ende Mai 2009 den Anteil an Firmenbonds auf 20 Prozent erhöhte, reichte es nur für 0,9 Prozent.
Global-Bond-Fonds investieren vor allem in den USA, dem größten Bondmarkt der Welt. Ein Großteil der Renditechancen und der Risiken resultiert damit aus Währungsschwankungen. Sie verzerren auch die Ergebnisse des Ratings.