Schließlich ist es kaum vermittelbar, warum ein Fonds, der 2008 rund ein Drittel seines Werts eingebüßt hat und auch in der Dreijahresrückschau nichts als Verluste produzierte, dafür von der Ratingagentur Morningstar mit fünf Sternen belohnt wird.
Andererseits ist die Erklärung dafür einfach - wenn auch nicht immer befriedigend: Das Rating ist ein reiner Binnenvergleich, kennzeichnet also nur "relativ" gute Ergebnisse. Dieser Maßstab ist durchaus hilfreich, um die Güte einzelner Manager einzuschätzen, die sich ja in erster Linie mit ihren Konkurrenten messen müssen. Es heißt aber auch: Unter den Blinden ist der Einäugige König.
Ein gutes Beispiel dafür liefert das aktuelle Morningstar-Rating der weltweit in Wachstumsaktien investierten Fonds: Selbst die besten schafften es nicht, die vergangenen drei Jahre verlustfrei zu überstehen. Trotzdem können viele von ihnen mit fünf Sternen werben, was schlicht daran liegt, dass während des Jahres 2008 im Vergleichsindex 38 Prozent Kursverluste aufliefen und fast 13 Prozent Minus pro Jahr in den vergangenen drei Jahren. Das relativiert die Einbußen der besseren Manager zwar. Ob sie aber wirklich gut gearbeitet haben, ist damit nicht gesagt.
So konnte man es im vergangenen Jahr recht einfach auf vorderste Plätze schaffen, indem man sich schlicht aus den Märkten zurückzog. Genau das haben viele Topfonds getan: So ist etwa der im Rating erstplatzierte Carmignac Investissement nur zu zwei Dritteln am Aktienmarkt investiert und dort zudem stark auf Goldminen fokussiert. Der Ariqon-Trend-Fonds, ein vom gleichnamigen Grazer Vermögensverwalter per Computermodell gesteuerter Dachfonds, hat sogar nur ein Viertel des Kapitals in Aktienfonds angelegt. Die Freiheit, nicht zu investieren, gönnen sich vor allem kleinere Vermögensverwalter und sind dadurch in der Krise durchaus im Vorteil. Ein Ausweis für besonders erfolgreiches Aktienmanagement ist der Rückzug aus dem gesamten Markt aber auch nicht.
Das Rating verschleiert nicht nur möglicherweise kollektive Schwächen innerhalb einer Fondskategorie. Auch die Rubrizierung selbst kann in außergewöhnlichen Marktphasen wie derzeit zweifelhafte Zuordnungen produzieren. Etwa, wenn sich die Relationen verschieben, nach denen Morningstar die großen von kleinen Aktiengesellschaften unterscheidet oder auch Substanz- von sogenannten Wachstumstiteln.
Als Wachstumsfonds gelten für Morningstar nämlich jene, die Aktien mit vergleichsweise hohen Kurs-Gewinn-Verhältnissen und vergleichsweise niedrigen Dividendenrenditen kaufen. Dies ist durchaus eine marktübliche Definition: Relativ teure Aktien von Unternehmen, die bislang erst geringe Gewinne abwerfen, rechtfertigen ihren Preis schließlich nur durch das erwartete Wachstum.
Neuerdings sind aber auch Papiere eigentlich defensiver Branchen relativ teuer - weil ihre Kurse weniger stark gefallen sind als die der Konkurrenz. Die Folge: Fondsmanager, die einen ausgeprägten Growth-Ansatz verfolgen, also ausschließlich auf Aktien mit besonders guten Zukunftsaussichten setzen, teilen sich die Ratingkategorie mit Fonds ganz anderer Prägung. Und manche dieser Exoten spülte der verrückte Markt auch noch auf vorderste Ränge, darunter den nach ethischen Anlagegrundsätzen verwalteten Fonds von Carnegie und den umweltbewussten Oekosar-Fonds von Sarasin.