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Merken   Drucken   07.09.2008, 18:01 Schriftgröße: AAA

Fondsumfrage: Portfoliomanager meiden Aktien

Aktien sind in der Gunst der Manager dramatisch gefallen. Die Investmenthäuser haben Milliardensummen bewegt. Das zeigt die vierteljährliche Umfrage der FTD. Der Anteil der Aktien sank deutlich. von Thomas Spinnler
Vor drei Monaten hatten die Fondsgesellschaften im Schnitt noch mehr als die Hälfte des Anlegerkapitals in Aktien investiert. Dieser Anteil ist auf ein Drittel zusammengeschrumpft. Die rasch aufeinanderfolgenden Krisenszenarien an den Finanzmärkten haben also Spuren hinterlassen: In den vergangenen Monaten trieb die Märkte die Sorge um den Rohölpreis um, auch die weltweite Konjunkturschwäche und Inflationsängste belasteten die Aktien.
40 Prozent der Anlageprofis planen, die Aktienquote weiter zu senken. An eine Aufstockung des Aktienanteils denkt niemand. Stattdessen lacht Bargeld: Den Cash-Anteil wollen 20 Prozent der Großinvestoren erhöhen. Genauso viele planen, verstärkt in Anleihen zu investieren. Sie halten derzeit im Schnitt 50 Prozent ihres Kapitals in Rentenpapieren, im Vorquartal waren es noch 40 Prozent gewesen.
Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa   Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa
Schon im vergangenen Quartal hatten die Manager in ihren Portfolios weniger Risiko in Kauf genommen. Dieser Trend hat sich nun verstärkt: "Die hohen Volatilitäten im Jahr 2008 führen zu erhöhter Risikoaversion", stellte WestLB Mellon Asset Management fest. Auch die Deka-Bank unterstreicht ihre "hohe Sicherheitsorientierung".
Die Aussichten für den europäischen Aktienmarkt schätzen die Großinvestoren düster ein. Kein einziger Umfrageteilnehmer erwartet hier in naher Zukunft noch einen Bullenmarkt - von der Hoffnung auf eine Jahresendrally haben sich die meisten verabschiedet.
Erwartungen an die Märkte   Erwartungen an die Märkte
Ebenso pessimistisch beurteilen die Profis die Situation in Japan. Aber auch die Prognosen für die Märkte in den USA und Asien haben sich im Vergleich zur Umfrage im Mai deutlich eingetrübt.
Besonders die Furcht vor einem Nachlassen der Konjunkturdynamik bestimmte die Anlageentscheidung der Fondsmanager. Selbst in den Schwellenländern wird die Krise deutliche Spuren hinterlassen, erwarten die Experten. Einstimmigkeit herrschte in der Beurteilung der wirtschaftlichen Lage in China: "Eine Abschwächung der chinesischen Wirtschaftsaktivität erscheint derzeit wahrscheinlich", urteilen beispielsweise die Anlageexperten der Berenberg Bank.
Die Situation an den Rohstoffmärkten entspannte sich zuletzt zwar leicht, Grund zu dauerhafter Entwarnung sieht aber keiner der Befragten. "Wir erachten die jüngsten Preisabschläge als Korrektur in einem längerfristigen Aufwärtstrend", so die Strategen von Julius Bär. Mittelfristig sei die Rohstoffhausse zu Ende, urteilt auch Invesco. Langfristig rechnet das Investmenthaus aber mit weiter steigenden Rohstoffpreisen. Der Anteil der Großinvestoren, die im Augenblick auf Grundstoffunternehmen setzen, hat sich von 40 Prozent auf nur noch 10 Prozent reduziert.
Indexprognosen
Index aktuell in sechs Monaten*
Dax 6127,44 6300–7000
EuroStoxx 3185,83 3400–3950
Stoxx 50 2754,40 2900–3200
Nikkei 12212,23 12600–14000
Dow Jones 11220,96 11000–13000
S&P 500 1242,31 1300–1400
Nasdaq 2255,88 2350–2730
     
* jeweils höchste und niedrigste Prognose
Quelle: FTD-Umfrage
Stand: 05.9.2008, 22.15 Uhr MESZ
 
Die Fondsgesellschaften erwarten, dass sich Öl bis zum Jahresende nicht deutlich verteuert. Einmütig sind die Profis der Ansicht, dass der Preis der Sorte WTI nicht mehr an der Rekordmarke von 148,13 $ pro Barrel (159 Liter) kratzen wird. Sogar Notierungen um 90 $ gelten einigen Fondsmanagern als wahrscheinlich - ein Zeichen für zurückhaltende Konjunkturerwartungen.
Zunehmender Inflationsdruck spielt angesichts der skizzierten wirtschaftlichen Gesamtlage und des sinkenden Ölpreises bei Anlageentscheidungen keine entscheidende Rolle mehr. Alle Fondsmanager, die sich hierzu geäußert haben, erwarten aufgrund der Konjunkturschwäche für das Jahr 2009 fallende Inflationsraten.
Die Kreditkrise dagegen gilt keineswegs als ausgestanden: Für Klaus Wiener, Chefsvolkswirt bei Generali Investments, bestimmen sie und die daraus resultierenden realwirtschaftlichen Folgen nach wie vor das Anlageverhalten: "Schlüssel für eine nachhaltige Überwindung sind die US-Immobilienpreise. Erst wenn sich hier eine Bodenbildung abzeichnet, steigen die Chancen für eine dauerhafte Erholung an den Märkten."
  • Aus der FTD vom 08.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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