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Merken   Drucken   16.04.2012, 10:35 Schriftgröße: AAA

FTD-Fondsumfrage: Strategen wappnen sich für Rückschläge

Die Euopäische Zentralbank versorgt die Geldinstitute Europas mit billigem Geld. Der Effekt der jüngsten Finanzspritze wird nicht lange anhalten, vermuten Experten.
© Bild: 2012 dpa/Frank Rumpenhorst
Die Euopäische Zentralbank versorgt die Geldinstitute Europas mit billigem Geld. Der Effekt der jüngsten Finanzspritze wird nicht lange anhalten, vermuten Experten.

Die Strategen europäischer Fondshäuser erwarten, dass der Effekt der Geldspritzen der Europäischen Zentralbank (EZB) an den Aktienmärkten in den kommenden Monaten verpuffen wird. "Die Wirkung der Liquiditätsspritzen und die Unterstützung durch bessere Makrodaten lassen nach, was für Aktien eine Konsolidierung bedeuten kann", sagt etwa Stefan Rondorf, Kapitalmarktstratege beim Fondshaus Allianz Global Investors (AGI). Auch die Aktienexperten der belgischen Gesellschaft KBC glauben nicht daran, dass die positive Stimmung vom Jahresanfang auch das laufende Quartal prägen wird, sie gehen von schwankenden Märkten aus: "Die Volatilität dürfte in den nächsten Monaten wieder steigen", lautet ihre Ansicht.

Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa, in % der Antworten   Brancheneinschätzung mit Schwerpunkt Europa, in % der Antworten

Einmal im Quartal befragt die FTD die Strategen der Fondsanbieter zu ihren Markteinschätzungen. An der aktuellen Umfrage nahmen neun Unternehmen teil, die zusammen Fonds mit einem Volumen von rund 640 Mrd. Euro verwalten.

Im ersten Viertel des Jahres hatten die europäischen Märkte eine Rally hingelegt, so kletterte etwa der DAX in den drei Monaten seit Jahresbeginn um 14 Prozent und stand zeitweise über der Marke von 7000 Punkten.

Vor allem in Europa schrieben Marktbeobachter den Kursanstieg der Entspannung zu, die infolge der Liquiditätshilfen der EZB für europäische Banken eingetreten war. Doch dass der Risikohunger der Investoren länger anhält, davon gehen viele Fondsmanager noch nicht aus. "Der aktuelle Risk-on-Modus ist nicht durchhaltbar, solange sich nicht auch die Fundamentaldaten nachhaltig verbessern", sagt Johannes Maier, Anlagestratege bei der Postbank. "Bis dahin ist immer wieder mit Enttäuschungen und entsprechenden Kursreaktionen zu rechnen." Auch die Strategen der Schweizer Privatbank Vontobel sind der Ansicht, dass die Stimmung bis vor Kurzem zu optimistisch war. Sie sehen Risiken - durch den hohen Ölpreis, aber auch durch weitere Krisenherde in der Euro-Zone, etwa Portugal.

Erwartung an die Märkte   Erwartung an die Märkte

Vor diesem Hintergrund bleiben viele Fondsanbieter zurückhaltend, wenn es um das Engagement bei Aktien geht. "Wir erwarten derzeit zwar keinen massiven Einbruch der Aktienkurse, sehen aber auch keine Veranlassung mehr für eine aggressive Positionierung auf der Long-Seite", sagt Kurt Schappelwein, Anlagestratege bei Raiffeisen Capital Management. Auch die Fondsmanager von Frankfurt-Trust sind nach eigenen Angaben gegenüber Anteilscheinen noch neutral positioniert.

Die Deka gibt an, nun "Schritt für Schritt" Positionen aufbauen zu wollen. Da sich die Strategen weitgehend einig sind, dass sie die Peripherie der Euro-Zone weiterhin für riskant halten, bleiben sie auch bei den Papieren dieser Regionen eher auf Abstand: "Wir ziehen aktuell Aktien aus Deutschland europäischen Pendants vor", sagt zum Beispiel Peter Reichel, Leiter der privaten Vermögensverwaltung bei der Berenberg Bank. "Einzelne US-amerikanische Titel sowie Schwellenländer erachten wir aus Diversifikationsgründen auch als aussichtsreich."

Trotz der hohen Liquidität, die Notenbanken weltweit in die Märkte gepumpt haben, fürchten die meisten Strategen zumindest kurzfristig noch keine steigende Inflation. "Der hohe Ölpreis und das sich abschwächende Wachstum in China sollten der Inflation entgegenwirken", meinen die Strategen beim Fondshaus Mandarine Gestion.

Allerdings merken einige Fondsmanager an, dass es mittelfristig gerade bei Sachwerten wie Aktien- oder Immobilienpreisen durchaus Inflationspotenzial gibt. So heißt es etwa von den Strategen bei Frankfurt-Trust: "Es besteht latente Inflation, die in den Gütern des täglichen Lebens aufgrund schwacher Nachfrage in weiten Teilen Eurolands nicht ankommt, aber Vermögenswerte aufbläht - zum Beispiel Immobilien in Deutschland."


Branchen und Märkte im Überblick
Teilnehmer Die FTD befragt viermal im Jahr Fondsgesellschaften nach ihren Markteinschätzungen und Portfolioänderungen. An der aktuellen Umfrage haben teilgenommen: Allianz Global Investors, Berenberg Bank Asset Management, Dekabank, Deutsche Postbank Financial Services, Frankfurt-Trust, KBC Asset Management, Mandarine Gestion, Raiffeisen Capital Management und Vontobel Asset Management. Zusammen verwalten die Fondsgesellschaften weltweit ein Vermögen von rund 640 Mrd. Euro.
Favoriten Die Strategen gehen davon aus, dass die Jahresanfangseuphorie an den Aktienmärkten weiter abflaut - und Investoren verstärkt auf defensive Werte setzen, beispielsweise aus der Gesundheitsbranche, Medizintechnik oder aus dem Bereich der nicht zyklischen Konsumwerte. Auch Nahrungsmittelkonzerne halten sie aus diesem Grund für attraktiv. Bei Telekom- und Versorgeraktien sind die Einschätzungen dagegen eher verhalten. Die Sorge um ein Wiederaufflammen der Schuldenkrise in Südeuropa spiegelt sich bei den Sektoren der Banken und Finanzdienstleister wider, sie stehen seit Monaten auf der Verliererseite bei den Einschätzungen der Experten.
Prognosen Nach wie vor sind die asiatischen Märkte der Liebling der Strategen. Wegen des starken Wachstums in der Region halten sie diese für attraktiv. Dagegen dominieren bei Europa und Japan die Börsenbären.
Indexprognosen
Nameaktuellin einem Jahr*
DAX65845800–7500
Euro Stoxx 5022922000–2750
Nikkei96388800–10000
Dow Jones1285011500
S&P 50013701250–1550

*jeweils höchste und niedrigste Prognose; Stand: 13.4.2012 Quelle: FTD-Umfrage

 

  • FTD.de, 16.04.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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