Wenig wünschen sich Anleger zurzeit mehr als: Sicherheit, Kapitalerhalt und möglichst geringe Kursschwankungen. Es sind hohe Ansprüche in so turbulenten Zeiten wie aktuell. Absolute-Return-Fonds versuchen, diese Vorgaben umzusetzen - wenngleich nur wenige Anbieter das Ziel erreichen.
Die Zahl der Produkte steigt dennoch kontinuierlich, und auch das verwaltete Volumen ist gewachsen. Bereits rund 140 Mrd. Euro stecken in Europa inzwischen in Absolute-Return-Fonds, ermittelte die Ratingagentur Fitch jüngst. Das ist fast doppelt so viel wie vor zwei Jahren. Verantwortlich für das hohe Volumen sind vor allem frische Anlegermittel. Rund 670 solcher Fonds gibt es mittlerweile in Europa. Das Bad Homburger Analysehaus Feri Eurorating Services zählt allein 220 in Deutschland - manche Marktbeobachter kommen auf noch höhere Zahlen.
Absolute Return ist die neue Königsdisziplin der Fondsprofis. Das Ziel: keine Verluste machen und wenn, dann allenfalls vorübergehend. Der Preis dieser Sicherheit ist hoch. Mehr als den risikolosen Geldmarktzins plus zwei, drei Prozent gibt es nicht. Genau diese Marke streben viele Absolute-Return-Fonds an, festgeschrieben im Verkaufsprospekt oder in der Fondsbeschreibung im Internet.
Doch für zahlreiche Produkte bleibt es ein Ziel: In der Praxis hält kaum ein Anbieter das Versprechen. Erst recht nicht in Krisenzeiten, für die das Kapitalerhaltskonzept eigentlich propagiert wird. Schon im Crash nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers versagten die meisten Fonds, im Krisenjahr 2011 stehen wieder viele vor einem Minus.
Die Misere zeigt sich vor allem daran, dass es beim Aktieneinbruch im Sommer 2011 nur wenigen Anbietern gelang, die Anleger vor Verlusten zu bewahren. Die meisten Fonds verfehlen sowohl kurzfristig als auch dauerhaft ihr Ziel - erst recht nach Abzug der Inflation. Das zeigen Zahlen von Feri. Das Analysehaus gruppiert verschiedene Absolute-Return-Fonds nach Anlagestil und Risikobereitschaft ein. Demnach verlieren Absolute-Return-Fonds ohne Verlusttoleranz im Schnitt von November 2010 bis Ende Oktober 2011 rund 1,5 Prozent. Auf Sicht von drei Jahren liegen sie leicht im Plus, auf Sicht von fünf Jahren aber im Minus. Ähnlich die Ergebnisse in den anderen Kategorien.
Das bedeutet: Nur ein Teil der Anbieter hält das Versprechen. Wahrscheinlich sind es sogar noch weniger, als die Drei-Jahres-Daten offenbaren. Denn besonders schlechte Fonds werden häufig rasch wieder vom Markt genommen. Ihre schwachen Renditen fließen nicht in die Durchschnittsberechnungen ein. "Das Fazit fällt ernüchternd aus", sagt Feri-Analyst Christopher Wolter. Wenn die Fonds es nicht schafften, den risikolosen Zins zu übertreffen, fahre man besser mit einer Anlage am Geldmarkt. Die Experten von Fitch stellen fest, dass die Renditen der guten und der schwachen Fonds weit auseinandergehen.
Ein großer Teil der Anbieter kann jedoch nur mit einer kurzen Renditehistorie aufwarten. Fast die Hälfte der Produkte ist drei Jahre und jünger. Ein Grund für die Produktschwemme: Hedge-Fonds starten derzeit reihenweise Angebote für Normalanleger und übertragen ihre Strategien, oft in abgespeckter und weniger riskanter Variante, in Publikumsfonds nach der EU-Richtlinie Organismus für gemeinsame Anlagen in Wertpapieren (Ogaw). Teils wenden sie sich an private Investoren, teils an Profis, die in die relativ stark regulierten Publikumsfonds investieren. Zudem legen auch traditionelle Investmentfirmen zusehends Absolute-Return-Fonds auf. Sie wollen so Privatanleger für sich gewinnen, die in vielen Ländern einen Bogen um Investmentfonds machen und herkömmliche Produkte wie Aktien- und Anleihefonds kaum noch kaufen.
Teil 2: Anleger sollten Vorgehen der Manager kennen