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Merken   Drucken   08.12.2008, 10:00 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Cost Average hält Versprechen nicht

Es ist einer der mächtigsten Verbündeten der Anbieter von Sparplänen: der Cost Average oder Durchschnittskosteneffekt. Dieser ist wohl jedem Fondssparer ein Begriff. Wissenschaftlich betrachtet hält er aber sein Versprechen nicht. von Jochen Hägele
Die einfache wie einleuchtende Argumentation der Verkäufer: Bei hohen Börsenkursen kaufen Sparer weniger Anteile zu höheren Preisen und bei niedrigen Kursen mehr Anteile zu günstigeren Preisen. So soll der Sparer auf Dauer ein besseres Anlageresultat durch niedrigere Einstandspreise erzielen als andere, die mehr oder weniger zufällige Einmalzahlungen tätigen.
Mit den üblicherweise gewählten Rechenbeispielen lässt sich einfach zeigen, dass der Durchschnittskosteneffekt zu günstigeren Resultaten führt als eine Einmalanlage in derselben Höhe. Wer etwa Anfang 2000, kurz vor dem Höhepunkt der damaligen Aktieneuphorie, einen Aktienfondssparplan mit 1000 Euro monatlich über drei Jahre begann, lag wohl bis vor wenigen Monaten deutlich im Plus. Wer dagegen beim damaligen Dax-Stand von rund 8100 Punkten die Gesamtsumme von 36.000 Euro direkt investierte, machte unterm Strich ein dickes Minus.
Doch Wissenschaftler sehen den Einsatz des Effektes in der Werbung skeptisch: "Die ökonomische Bedeutung des Effekts ist begrenzt", sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Der US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Paul A. Samuelson bezeichnete das Marketing mit dem Cost-Average-Effekt einst gar als "blunder, if not a crime" - "ein Fehler, wenn nicht ein Verbrechen."
Studien bezweifeln Cost-Average-Effekt
Zahlreiche Studien legen nahe, dass auf dem Cost-Average-Effekt basierende Anlagestrategien zu keinen signifikanten Renditeerhöhungen gegenüber anderen Strategien führen. Der Cost-Average-Effekt führt vielmehr lediglich dazu, dass aufgrund der gleich bleibenden Investitionshöhe im Schnitt pro Anteil das harmonische Mittel der Kurse bezahlt wird.
Dieses liegt stets geringfügig unter dem arithmetischen Mittel, das bei regelmäßigem Kauf gleich bleibender Stückzahlen bezahlt würde. Insofern ist der Effekt positiv. Das Problem dabei: Die Anlage in stets gleich bleibende Stückzahlen eines Fonds oder einer Aktie sind ohnehin meist keine Handlungsoption der Sparer.
"Im Vergleich gegenüber der Einmalanlage zeigt sich keine Überlegenheit", sagt Verbraucherschützer Nauhauser: Hier ist das Ergebnis hochgradig abhängig von den Kursverläufen im Anlagezeitraum. Zudem nähert sich das Ergebnis des Sparplans dem der Einmalanlage an.
"Da sich im Verlauf des Ansparens immer mehr Kapital ansammelt, das ganz den Schwankungen der Anteilspreise unterliegt, und da die einzelne Rate einen immer kleiner werdenden Bruchteil dieses Kapitals ausmacht, nimmt der Durchschnittskosteneffekt mit zunehmender Laufzeit eines Sparplans immer weiter ab", so eine Studie der TU Chemnitz.
Das heißt, das angesparte Vermögen verhält sich jetzt so, als hätte man einmalig eine hohe Summe Geld angelegt und Kursschwankungen wirken sich überproportional auf die Rendite aus - sowohl nach oben wie auch nach unten.

Teil 2: Was Kritiker bemängeln

  • FTD.de, 08.12.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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