Ein Blick in die Statistik fällt ernüchternd aus. Dachfonds, die das Geld der Anleger ihrerseits in unterschiedliche Fonds investieren, konnten in den vergangenen fünf Jahren so gut wie keine neuen Kunden finden: 628 Fonds, die der Branchenverband BVI aktuell in seiner Datenbank führt, verwalten derzeit knapp über 51 Mrd. Euro. Das ist kaum mehr als Ende des Jahres 2008. Damals hatte die Branche schließlich mit einem Investitionsboom bei Anlegern gerechnet, die vor Einführung der Abgeltungsteuer 2009 ihr Geld noch steuerfrei in die als besonders flexibel gepriesenen Produkte anlegen sollten. Auch danach waren die Vertriebsmitarbeiter der Banken bemüht, Dachfonds als Steuersparmäntel anzubieten: Schließlich können die Manager innerhalb des Produkts steuerfrei Fonds abstoßen, während Privatkunden von Verkaufsgewinnen fast 30 Prozent an das Finanzamt verlieren.
Trotz dieses Vorteils langte aber kaum jemand zu, wie die Zahlen eindrücklich belegen: Zwischen Ende 2008 und Ende 2009 stieg das Vermögen in Dachfonds um nicht einmal 9 Mrd. Euro. Vertriebsoptimisten hatten Mitte 2008 noch auf Zuflüsse von bis zu 200 Mrd. Euro spekuliert. Ein Großteil des Zugewinns stammte dabei nicht einmal aus Käufen, sondern aus Anlagegewinnen: Die Märkte lagen zum Jahreswechsel nach der Pleite der Lehman-Bank und dem Ausbruch der Finanzkrise am Boden und erholten sich dann kräftig. "Die Vertriebsaktivitäten damals sind völlig folgenlos geblieben", erinnert sich Daniel Zindstein, der seinerzeit für die Sparkasse Ulm das "Vermögensportfolio Ulm" als Dachfonds auflegte und 2010 zum Allgäuer Vermögensverwalter Gecam wechselte, der ebenfalls Dachfonds verwaltet.
Momentan ist die Unsicherheit wieder groß. Der Sparkassendienstleister Deka, Marktführer im Dachfondsgeschäft, verzeichnet in dem Segment auch in diesem Jahr Mittelabflüsse. Die Krise allein reicht dafür als Begründung aber kaum aus, schließlich laufen die Märkte derzeit gar nicht schlecht. Vielmehr haben die Produkte offenbar auch mit strukturellen Schwierigkeiten zu kämpfen: Erstens ist da das Dauerthema der Gebührenbelastung. Schließlich verlangt nicht nur jeder Fondsmanager für seine Leistung einen Preis, sondern der Dachfondsmanager will auch etwas verdienen. So zahlen Anleger doppelt, für die Fondsauswahl und für die Fonds selbst. Die Kosten vermögensverwaltender Dachfonds erreichen so schnell mehr als zwei Prozent pro Jahr: Geld, das der Manager erst einmal verdienen muss.
Zweitens ist der Handel mit Investmentfonds aufwendig. Das macht Dachfonds gerade in schwierigen Märkten unflexibel. "Auch bei klassischen Dachfondsmandanten hat die taktische Komponente der Geldanlage enorm zugenommen", sagt Zindstein. Übersetzt: Manager sehen sich immer mehr kurzfristigen Marktentwicklungen ausgesetzt, die ein schnelles Eingreifen erfordern: Staatspleiten und politische Unruhen bewegen die Märkte stärker als fundamentale wirtschaftliche Entwicklungen. Wer darauf mit dem Kauf und Verkauf traditioneller Fonds reagieren will, verliert Zeit und Geld.
"Starke taktische Eingriffe lösen viele Manager heute über Indexfonds, Direktanlagen und Derivate wie Futures", sagt Zindstein. Dann aber ist das Produkt kein reiner Dachfonds mehr, sondern ein moderner Mischfonds. Auch wenn puristische Verfechter von Dachfonds den Sinn kurzfristiger Eingriffe bezweifeln, ist der Trend zu Fonds mit erweiterten Möglichkeiten offensichtlich. "Wir trennen Begriffe wie Dach- und Mischfonds inzwischen eigentlich gar nicht mehr", sagt Zindstein.
Auch der BVI weist Dachfonds - dazu zählt man alle Produkte, die mindestens zur Hälfte in andere Fonds investiert sind - nicht als eigene Fondskategorie aus. Denn es lässt sich jedes Fondsportfolio in den Mantel stecken: 398 der 628 Dachfonds fallen so unter die Mischfonds, 128 sind reine Aktienfonds. Welchen Vorzug ein Fondsdach überhaupt bietet, diese Frage gehört zu den Dauerthemen der Branche.
Die Verfechter argumentieren wie der Kölner Dachfondsvermögensverwalter Eckhard Sauren: Er hält die Auswahl der besten Fondsmanager unterschiedlicher Anlagerregionen und -klassen für seine Hauptaufgabe und verspricht seinen Kunden so einen Mehrwert, zumal er die herausragenden Fonds auch noch günstiger einkaufen könne als ein Kleinanleger. Gordon Rose, Analyst der Fondsratingagentur Morningstar, hält dagegen: Nach seinen Analysen können Kunden sich ihr Fondsportfolio auch selbst aus passiven Indexfonds zusammenbauen. Das funktioniere ähnlich gut. Und ist deutlich preiswerter.