Mangelnden Erfolg kann man Tim Albrecht kaum vorwerfen. Sein Aktienfonds DWS Deutschland hat im laufenden Jahr rund 28 Prozent zugelegt, auf Drei-Jahres-Sicht erreichte er ein Plus von 13 Prozent jährlich. Trotzdem haben Anleger seit Anfang des Jahres unterm Strich 500 Mio. Euro abgezogen. Derzeit verwaltet der Fonds noch rund 2,5 Mrd. Euro. "Wir haben mit relativ hohen Abflüssen zu kämpfen, obwohl die Ergebnisse gut sind", sagt Albrecht ratlos.
Wie Albrecht geht es auch anderen Managern. Im Schnitt liegen Deutschland-Standardwertefonds im laufenden Jahr rund 21 Prozent im Plus, zeigen Zahlen der Ratingagentur Morningstar. Trotzdem sind sie bei Anlegern unbeliebt. Von Januar bis August zogen Investoren nach Angaben des Branchenverbands BVI rund 1,8 Mrd. Euro aus Deutschlandfonds ab, während Rentenfonds jeglicher Couleur Beträge in Milliardenhöhe einsammelten.
Deutsche Aktienfonds leiden unter der Unsicherheit am Markt. "Wir haben derzeit eine schwierige Gemengelage", sagt Albrecht. Einerseits haben viele Unternehmen zuletzt Gewinnwarnungen ausgegeben, darunter DAX-Konzerne wie Daimler und Metro . Wirtschaftsindikatoren deuten zudem darauf hin, dass sich das Wachstum in Deutschland abschwächen wird. So ist der Ifo-Geschäftsklimaindex im Oktober den sechsten Monat in Folge gefallen. Andererseits hat sich das bis dato am Aktienmarkt nicht niedergeschlagen. "Die Korrektur ist bislang ausgeblieben", sagt Albrecht. Die Titel von Daimler und Metro litten zwar, der DAX notiert indes nicht weit von seinem Jahreshoch.
Fundamental stehen deutsche Unternehmen nach wie vor gut da. Sie glänzen mit überwiegend soliden Bilanzen und geringer Verschuldung. Die Euro-Krise bedroht sie bislang nicht wirklich. "Der schwache Euro kommt Exporteuren sogar zugute", sagt Karl Huber, Manager des Fonds German Equity der Unicredit-Tochter Pioneer. Deutschland habe Wettbewerbsvorteile gegenüber vielen anderen europäischen Ländern. Dazu zählt Huber den starken Mittelstand und eine herausragende Innovationskultur.
"Deutsche Aktien bieten eine ideale Kombination aus Stabilität und Internationalität", wirbt DWS-Mann Albrecht. Die großen Unternehmen in den Portfolios der Fondsmanager wie BASF , Bayer oder Siemens sind durchweg auch im Ausland tätig und können mögliche Gewinneinrückgänge in Europa zum Teil durch wachsende Erlöse in Schwellenländern ausgleichen.
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Für Investoren birgt ein starkes Engagement in Deutschland ein Klumpenrisiko. Auch deshalb leiden Deutschlandfonds jetzt unter Abflüssen. "Im vergangenen Jahr sind sehr viele Anleger in deutsche Aktien gegangen", sagt Detlef Glow vom Datenanbieter Lipper. "Es war klar, dass das nicht ewig so weitergehen würde." Vor allem institutionelle Investoren könnten sich langfristig kein Übergewicht in deutschen Aktien erlauben. Der Grund: Der DAX ist zwar international, breit aufgestellt ist er aber nicht. Automobilhersteller, Banken, Versicherer und Chemiekonzerne sind stark vertreten. Wachstumsstarke Branchen wie Lebensmittelhersteller, die vom Aufstieg der Schwellenländer profitieren, sucht man dagegen vergebens.
Viele Manager deutscher Standardwertefonds mischen Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen bei, um ihr Portfolio breiter aufzustellen. So auch DWS-Mann Albrecht und Pioneer-Manager Huber. Auch das kann ein Grund für Anleger sein, sich aus den Fonds zurückzuziehen: Läuft es an den Märkten gut, dienen Nebenwerte in der Regel als Renditeturbo. Läuft es schlecht, sacken sie besonders stark ab. Vorsichtige Anleger wollen offenbar nicht erst auf die Korrektur am Aktienmarkt warten, um aus den relativ schwankungsreichen Deutschlandfonds auszusteigen. "Die Schwankungsbreite schreckt eventuell Anleger ab", räumt auch Tim Albrecht ein.