Laut Kalender der Maya soll im Dezember dieses Jahres zwar eigentlich die Welt untergehen. Doch das hält Investoren nicht davon ab, Geld in den mexikanischen Markt zu pumpen. Aktuell hat beispielsweise Credit Suisse für einen neu aufgelegten Mexiko-Fonds 420 Mio. Euro von Profianlegern eingeworben.
Auch für Privatanleger bieten Fondsgesellschaften zahlreiche Produkte an, die in Mexiko investieren. Und zumindest ein schlagendes Verkaufsargument haben sie derzeit für die Investmentfonds: Wachstum. Laut Schätzungen von Ökonomen, die der Datendienstleister Bloomberg zusammengetragen hat, soll Mexikos Bruttoinlandsprodukt (BIP) allein in diesem Jahr 3,8 Prozent zulegen - und damit etwa doppelt so viel wie das BIP in den USA oder in Brasilien.
"Mexiko hat Auftrieb", meint auch Angel Ortiz, der Portfoliomanager des Fidelity Latin America Fund. Fast 28 Prozent des Vermögens investiert Ortiz in Mexiko, 52 Prozent entfallen auf Brasilien. Mexiko profitiert von der allmählichen Erholung der USA, in die 80 Prozent der mexikanischen Exporte gehen. Allerdings versucht das Land auch, neue Absatzmärkte in Asien und Lateinamerika zu erschließen. Fondsmanager Ortiz lobt etwa die verarbeitende Industrie, die in den vergangenen Jahren Stärke gezeigt habe.
Internationale Konzerne schätzen Mexiko als Produktionsstandort, denn von hier aus sind die Lieferwege in andere Märkte Nord- und Südamerikas vergleichsweise kurz. Zudem sind die Lohnkosten relativ stabil, während sie in China zuletzt stiegen. Insbesondere die Automobilindustrie boomt: Konzerne wie Volkswagen oder Honda fertigen hier einige ihrer Modelle, viele Zulieferer haben sich angesiedelt.
Doch Mexiko hat auch eine hässliche Seite. Das Land kämpft mit Armut, Korruption und Drogenkriminalität. Strukturelle Probleme kommen hinzu: Der Ölsektor befindet sich in staatlicher Hand, der Arbeitsmarkt ist wenig effizient, vor allem auf dem Land fehlt es an Infrastruktur. Doch der gewählte Präsident Enrique Peña Nieto, der im Dezember sein Amt übernehmen wird, hat Reformen versprochen, die die Wettbewerbsfähigkeit verbessern sollten.
Wie die meisten Schwellenländerbörsen musste auch der mexikanische Aktienmarkt in der zweiten Jahreshälfte 2011 Rückschläge einstecken. Seither läuft es wieder: Auf Sicht von einem Jahr liegt die Börse um rund zwölf Prozent im Plus. Credit Suisse hat einen Indexfonds (Exchange-Traded Fund, ETF) auf das MSCI-Mexico-Capped-Barometer im Angebot, der sich allerdings nur für Anleger eignet, die Marktschwankungen nicht scheuen. Der Aktienindex beinhaltet derzeit 21 große mexikanische Firmen, darunter den Mobilfunkriesen América Móvil und den Medienkonzern Televisa . Auf Sicht von einem Jahr liegt der ETF fast 33 Prozent im Plus.
Dass Investoren langfristig an Mexiko glauben, hat sich zumindest am Anleihemarkt schon gezeigt. Dem Land gelang es 2010, eine Schuldverschreibung mit 100-jähriger Laufzeit am Markt zu platzieren. Damit erhalten Anleger bis zum Jahr 2110 eine Couponzahlung von 5,75 Prozent - vorausgesetzt, die Maya haben unrecht.