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Merken   Drucken   16.10.2012, 10:55 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Nachhaltige Investitionen in Rohstoffe

Für die einen sind Investitionen in Rohstoffe ein lohnendes Geschäft - für die anderen sind sie Teufelswerk. Etliche Fondsmanger glauben, dass es möglich ist, mit Agrarprodukten oder Bodenschätzen ethisch korrekt Geld zu verdienen.
© Bild: 2012 Reuters/Staff Photographer
Für die einen sind Investitionen in Rohstoffe ein lohnendes Geschäft - für die anderen sind sie Teufelswerk. Etliche Fondsmanger glauben, dass es möglich ist, mit Agrarprodukten oder Bodenschätzen ethisch korrekt Geld zu verdienen.
von Richard Haimann

An kaum einem Finanzprodukt scheiden sich die Geister der Anleger so sehr wie an Fonds, die in das Rohstoffsegment investieren. Für die einen bieten sie die Chance auf Renditen. Für die anderen sind sie Teufelszeug, weil sie die Preise von Agrarprodukten in die Höhe treiben und weil beim Abbau von Kohle, Öl und seltenen Erden die Natur geschädigt wird. Kann man also überhaupt ethisch korrekt in Rohstoffe investieren?

Bei der Ethikbank ist die Position eindeutig: "Es gibt nach unserer Meinung keine ethischen Finanzprodukte in diesem Bereich", sagt Vorstandsmitglied Sylke Schröder. So wird das auch bei der GLS-Bank gesehen. "Investments in das Rohstoffsegment sind mit unserem Verständnis von Nachhaltigkeit nicht kompatibel", sagt eine Sprecherin.

Differenzierter urteilt die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. Ihr Finanzexperte Niels Nauhauser sagt: "Anleger, die nachhaltig in Rohstoffe investieren wollen, sollten nicht auf Fonds und Zertifikate setzen, die direkt in Agrarprodukte oder Bodenschätze investieren und damit deren Preise treiben." Hingegen könne es durchaus sinnvoll sein, direkt oder über Fonds in Aktien von Unternehmen zu investieren, die umweltschonend Rohstoffe gewinnen und Beschäftigten faire Löhne zahlen. "Dadurch gelangen die Gesellschaften günstiger an Kapital und gewinnen einen Wettbewerbsvorteil gegenüber den schwarzen Schafen ihrer Branchen", sagt Nauhauser.

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Dieser Ansicht ist auch Matthias Fawer, Analyst bei der Bank Sarasin: "Fondsgesellschaften können ganze Branchen dazu bewegen, nachhaltiger zu agieren." Das auf nachhaltige Kapitalanlagen spezialisierte Schweizer Bankhaus hat Fonds aufgelegt, die ausschließlich in Aktien von Unternehmen investieren, die besonders umweltschonend Rohstoffe ab- oder anbauen oder verarbeiten. Dazu hat das Institut eine Liste mit Nachhaltigkeitskriterien aufgestellt, die Gesellschaften erfüllen müssen.

Das gelingt nur wenigen Unternehmen. Unter den Tausenden Gesellschaften, die Bodenschätze abbauen, haben lediglich die beiden finnischen Erz- und Stahlfirmen Outokumpu und Rautaruukki den Test bestanden. "Sie gewinnen und verarbeiten die Erze besonders umweltschonend und renaturieren umfassend ausgebeutete Lagerstätten", erläutert der Analyst. Auch in der Öl- und Gasbranche erfüllen nur zwei Gesellschaften die Kriterien: die norwegische Statoil  und der britische Gasförderer BG Group .

Bei den weiterverarbeitenden Unternehmen achten die Analysten darauf, woher sie ihre Rohstoffe beziehen und wie sie sie verwenden. Von den internationalen Energieversorgern stehen nur sieben auf der Positivliste. Sie gewinnen den Großteil des Stroms aus regenerativen Energien und setzen nur fossile Brennstoffe ein, die umweltschonend gewonnen werden. Den Gesellschaften, die bei der Prüfung durchgefallen sind, erläutern die Sarasin-Spezialisten die Gründe dafür. "Wir erklären ihnen, was sie ändern müssen, um auf die Positivliste zu gelangen", sagt Fawer.

Eine ähnliche Strategie verfolgen große institutionelle Investoren mit nachhaltigen Anlagestrategien wie die 182,7 Mrd. Euro schwere Pensionskasse des öffentlichen Dienstes in Kalifornien, Calpers, und der norwegische Pensionsfonds Statens Pensjonsfond, der ein Vermögen von 430 Mrd. Euro verwaltet. Durch die schiere Größe ihres Anlagevermögens könnten große Investoren erheblichen Einfluss auf Unternehmen in der Rohstoffbranche nehmen, weil diese zur Erschließung neuer Vorkommen häufig auf Kapitalerhöhungen angewiesen sind. "Je mehr Privatanleger bewusst in Fonds mit nachhaltigen Anlagekriterien investieren, desto stärker wird der Druck auf die Gesellschaften, etwas zu ändern", sagt Fawer.

Eine weniger strenge Strategie verfolgt die niederländische Investmentgesellschaft Robeco. "Unsere Fonds investieren in die jeweiligen Unternehmen einer Branche, die die Umwelt im Vergleich zur Masse der Mitbewerber am wenigsten schädigen", erläutert Deutschland-Vertriebsleiter Kai Röhrl. Dadurch sei das Anlagespektrum der Fondsmanager deutlich größer als bei Instituten, die sehr strenge Ausschlusskriterien ansetzen. Zugleich versuche Robeco dadurch Einfluss auf die Gesellschaften zu nehmen, um weitere Verbesserungen durchzusetzen, sagt Röhrl. "Die Aktien geben uns Stimmgewalt, um Änderungen herbeizuführen."


Protest zeigt Wirkung
Anlegermacht Investmentfonds können nicht nur Aktiengesellschaften bewegen, nachhaltiger zu agieren. Anleger können auch die Fondsanbieter bewegen, nachhaltiger zu investieren. Das zeigt der Erfolg der massiven Proteste von Verbraucherschutzorganisationen gegen Fonds, die in Agrarrohstoffe investieren.
Durchgesetzt Nachdem Foodwatch medienwirksam anprangerte, dass derartige Anlagestrategien die Nahrungsmittelpreise in die Höhe treiben und Hunger in armen Ländern verursachen würden, haben Institute wie die Commerzbank, die Dekabank und die Landesbank Baden-Württemberg bei ihren Rohstoff-Investmentvehikeln Agrarprodukte von der Liste gestrichen.
  • Aus der FTD vom 16.10.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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