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Merken   Drucken   08.11.2010, 15:00 Schriftgröße: AAA

Geldanlage: Wie Anleger den Gewinn bei Investmentfonds steigern

Die Rendite eines Investmentfonds liegt meist über dem Gewinn der Investoren - vor allem, weil Sparer immer wieder ihr schlechtes Timing unter Beweis stellen. Mit schwankungsarmen Produkten halten Anleger länger durch und vermeiden prozyklisches Verhalten.
© Bild: 2010 FTD/Daniel Matzenbacher
Die Rendite eines Investmentfonds liegt meist über dem Gewinn der Investoren - vor allem, weil Sparer immer wieder ihr schlechtes Timing unter Beweis stellen. Mit schwankungsarmen Produkten halten Anleger länger durch und vermeiden prozyklisches Verhalten. von Karsten Röbisch 
Die Börsenbilanz der Jahre 2000 bis 2010 war zweifellos ernüchternd. So verloren beispielsweise Aktienfonds mit Anlageziel Europa seit September 2000 im Schnitt 3,9 Prozent pro Jahr - den Ausgabeaufschlag noch nicht einmal mit eingerechnet. Das schlechte Ergebnis taugt also nicht gerade als Argument für mehr Geduld bei der Geldanlage.
Und doch wären viele Privatanleger damit wohl besser gefahren. Denn in den meisten Depots sieht die Bilanz noch schlechter aus. "Anleger neigen zu prozyklischem Verhalten und steigen erst ein, wenn die Märkte bereits gut gelaufen sind", sagt Andreas Beck, Leiter des Instituts für Vermögensaufbau (IVA). Rutschen die Fonds anschließend ins Minus, sitzen Anleger die Verluste zunächst in der Hoffnung auf eine Wende aus, ehe sie irgendwann entnervt aufgeben.
Fondsrendite und Anlegerrendite klaffen somit regelmäßig auseinander. Bei ersterer spielt der Faktor Zeit keine Rolle, das Ergebnis des Anlegers hängt jedoch davon ab, wann er kauft und wieder verkauft. Und bei der Wahl des Ein- und Ausstiegszeitpunkts stellen sich Investoren ungeschickt an, wie eine Untersuchung des Investmenthauses Vanguard für die USA zeigt. Zwischen 1980 und 2005 erreichten US-Aktienfonds demnach eine durchschnittliche Rendite von zehn Prozent pro Jahr, die Fondsinhaber verdienten aber nur 7,3 Prozent.
Überschätzte Verlusttoleranz
Dass Privatanleger beim Ein- und Ausstieg oft danebenliegen, hängt auch damit zusammen, dass sie ihre Verlusttoleranz überschätzen. Je stärker ein Fonds schwankt, desto eher verlieren Anleger die Nerven, und desto schlechter ist ihre Rendite im Vergleich zum Fonds. Das Ergebnis ist einerseits logisch, weil Aktien nun mal volatiler sind als Anleihen - und damit das Verlustpotenzial größer ist. Andererseits zeigen Studien, dass die Haltedauer bei Aktienfonds geringer ist als bei Rentenfonds. "Die Schleudergänge der Aktienmärkte halten viele Anleger nicht aus", sagt Jürgen Dumschat von Aecon Fondsmarketing.
Fonds, die weniger stark schwanken, disziplinieren somit den Anleger. Breit gestreute Produkte sind daher Branchen- oder Länderfonds vorzuziehen. Gut verteilt ist das Vermögen etwa in Mischfonds oder Multi-Asset-Produkten, die in mehrere Anlageklassen investieren. "Mischfonds sind für den langfristigen Vermögensaufbau gut geeignet", sagt Beck.
Inzwischen scheint diese Erkenntnis bei immer mehr Anlegern Gehör zu finden. In den ersten drei Quartalen des Jahres 2010 flossen nach Angaben des Branchenverbands BVI 12,1 Mrd. Euro in Mischfonds und damit fast genauso viel wie in Renten- und Aktienfonds zusammen. Mit 115,2 Mrd. Euro hat sich das verwaltete Vermögen seit Ende 2006 mehr als verdoppelt. "Wer zweimal in einem Jahrzehnt hohe Verluste hinnehmen musste, der sucht nach Alternativen", erklärt Dumschat den Sinneswandel. Tatsächlich floss den Mischfonds sogar noch mehr Geld zu: Denn die Fondsboutique Carmignac, die mit ihrem Mischfonds Patrimoine auch in Deutschland sehr erfolgreich ist, meldet ihre Zahlen nicht mehr an den BVI.
Investoren sollten darauf achten, nicht alles auf eine Karte zu setzen. "Wir haben oft genug erlebt, dass an der Börse vieles vorweggenommen wurde und sie sich deshalb hinterher zwangsläufig schlechter entwickelt hat als die Realwirtschaft", warnt Dumschat.
  • FTD.de, 08.11.2010
    © 2010 Financial Times Deutschland,
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