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Merken   Drucken   17.02.2009, 11:27 Schriftgröße: AAA

Güteskala für Fonds: Morningstar misst künftig Qualität

Wer sich darüber informieren will, ob sich der Kauf eines speziellen Investmentfonds lohnt, landet fast zwangsläufig bei Fondsratingagenturen. Sie sondieren regelmäßig das Angebot und erklären, welche Fonds sie für gut erachten und welche für schlecht. Morningstar ergänzt das Rating jetzt um eine rein qualitative Analyse. von Olaf Wittrock
Die Empfehlungen erreichen Privatanleger in Form von Sternen, Noten, Buchstaben oder Medaillen. Die Ratingagentur Morningstar, bekannt für Bewertungen mit bis zu fünf Sternen, fügt Fonds jetzt eine weitere Güteskala hinzu: Sie reicht von der Topeinschätzung "Elite" über die Stufen "Superior", "Standard" und "Inferior" bis zu "Impaired", was sich frei mit "mangelhaft" übersetzen lässt.
Während die Morningstar-Sterne nur das Risiko-Rendite-Profil von Fonds ähnlicher Art historisch vergleichbar machen, sind die neuen Werturteile das Ergebnis eines ausführlichen qualitativen Testes: Morningstar bewertet mit Hilfe eigener Analysten die Güte der Fondsgesellschaft und des Managements, den Investmentprozess, die Kostenstruktur und schließlich auch die Performance. "Das Sterne-Rating bildet ein quantitatives Maß, ist also eine rein mathematische, vergangenheitsbezogene Betrachtung", erklärt Werner Hedrich, Leiter der Morningstar-Fondsanalyse im deutschsprachigen Raum, den Unterschied: "Beim qualitativen Rating kommt nun das Element der Prognose dazu: Also eine Aussage darüber, wie sich ein Fonds nach unseren Einschätzungen in künftigen Marktphasen entwickeln wird." Hinweise darauf liefert ein ausführlicher Ratingbericht, den Hedrich und seine Kollegen auf Grundlage von Geschäftsberichten, Gesprächen und Analysen verfassen. "Für die Auswahl eines Fonds ist das qualitative dem rein quantitativen Rating überlegen", sagt Hedrich.
Der selbstständige Berater Oliver Everling, der sich seit 20 Jahren mit Ratings aller Art befasst, beurteilt das neue Angebot durchweg positiv: "Ratings sollten immer auch qualitative Kriterien enthalten", sagt Everling. Für den Ratingfachmann gilt dieselbe Logik wie bei Schulnoten: "Auch diese sollen eine Aussage über eine Qualifikation erlauben, also zum Beispiel bewerten, ob jemand auch künftig in der Lage sein wird, Englisch zu sprechen. Noten, die nicht handlungsorientiert sind, nutzen niemandem."
Die Berechtigung für die Sterne-Tabellen liegt für Morningstar denn auch vor allem in der breiteren Marktbetrachtung: Rund 60.000 Investmentfonds allein auf dem europäischen Markt überfordern jedes qualitative Analystenteam, weshalb sich auch Morningstar auf sehr große und besonders gefragte Fonds beschränkt - rund 3000 Fonds will man europaweit erfassen.
Der quantitative Vergleich gelingt dagegen per Datenbank auf Knopfdruck. Und: Während nicht jeder Fonds, der in der Vergangenheit eine außergewöhnliche Performance erzielt hat, auch einen überlegenen Managementprozess nutzt, gilt umgekehrt: Eine Topnote für Qualität sollte sich künftig auch darin zeigen, wie ein Fonds sich quantitativ schlägt: "Ein Fonds, der früher sehr gut gelaufen ist, kann später auch einbrechen. Bei einem Fonds mit einem qualitativen Toprating darf das nicht passieren", sagt Hedrich.
  • Aus der FTD vom 17.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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