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Merken   Drucken   14.11.2012, 20:30 Schriftgröße: AAA

Hohe Rendite: Die Fondsmagier  

Premium In miesen Zeiten noch ansehnliche Renditen zu erwirtschaften, schaffen nur wenige Fondsmanager. Ein Überblick über die Anbieter, die in den vergangenen zehn Jahren überzeugt haben.
von Heinz-Peter Arndt und Birgit Wetjen
Peter E. Huber, Fondsmanager Starcapital   Peter E. Huber, Fondsmanager Starcapital

Die Fondsindustrie steht unter Druck. Knapp 2000 Mrd. Euro Kundengelder verwaltet die Branche, allein in den ersten drei Quartalen dieses Jahres kamen 12 Mrd. Euro dazu, 50 Millionen Deutsche setzen auf die Produkte - Tausende stehen zur Auswahl. Und doch jedes Jahr die gleiche ernüchternde Nachricht: Viele der hoch bezahlten Fondsmanager schaffen es nicht, besser abzuschneiden als ihr Vergleichsindex.

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Immer mehr Anleger sparen sich deshalb die Gebühren, die aktiv gemanagte Fonds für ihren Managementaufwand kassieren, und greifen zur großen Konkurrenz, den Indexfonds, kurz ETFs (Exchange-Traded Funds). Papiere, die etwa eins zu eins einen Index wie etwa den DAX  nachbilden und bei den Kosten deutlich günstiger sind. Ein Fehler. Wer sich mit der Indexperformance begnügt, verschenkt langfristig mögliche Rendite. Denn die Grundregel lautet: Ein gut gemanagter Investmentfonds bringt deutlich mehr als ein ETF.

Doch welcher Fondsmanager ist sein Geld wert? Das FTD-Schwestermagazin Capital unterzog gemeinsam mit den Freiburger Fondsanalysten von Greiff Capital Management rund 3500 in Deutschland zugelassene Investmentfonds einem Härtetest. Herausgekommen sind 83 Fonds, die alle Kriterien für eine überzeugende Leistung erfüllen. Die sich in jeder Börsenphase der vergangenen zehn Jahre behaupten konnten, im Boom von 2003 bis 2007 ebenso wie in der Finanzkrise 2008 sowie in der Erholung und dem anschließenden Sägezahnmarkt seit 2009. "Die Sieger unserer Studie haben durch aktives Management kontinuierlich Mehrwert für Anleger erwirtschaftet", sagt Greiff-Capital-Analyst Volker Schilling.

Überraschende Ergebnisse der Studie: Viele große Gesellschaften enttäuschten, kleine Häuser schnitten besser ab. Gerade die oft als langweilig verschmähten Anleihefonds überzeugten, ebenso wie Geldverwalter, die auf europäische Nebenwerte setzen, also kleine und mittelgroße Aktiengesellschaften (Mid und Small Caps).

Als Grundlage für die Capital-Studie unterteilte die Redaktion die Fonds in 17 Kategorien samt passendem Vergleichsindex. Die Kandidaten wurden auf zwei Kriterien getestet: Managementaktivität und Performance, sprich das Abschneiden im Vergleich zum Vergleichsindex, jeweils für die vergangenen drei, fünf und zehn Jahre.

Schon die Hälfte fiel gleich durch das erste Raster: Ihre Fondsmanager gingen zu passiv vor, sie konnten sich kaum von der Wertentwicklung ihrer Benchmark absetzen. Hier hätten sich die Investoren die Managementgebühren und den Ausgabeaufschlag gut sparen können.

Im nächsten Schritt ging es dann um die Performance, wobei sich Studienautor Schilling nicht auf einen einfachen Vergleich beschränken wollte: "Schon ein einziges sehr starkes Jahr führt bei reinen Performanceranglisten dazu, dass sich ein Fonds an die Spitze setzen kann." Wer aber nur einen Einbruch oder Aufschwung richtig antizipiere, sei noch lange kein guter Manager. Wichtiger für Privatanleger sei kontinuierlicher Erfolg. Dazu ermittelte Greiff Capital die sogenannte Information-Ratio. Die Kennzahl zeigt, inwieweit der Manager mit seinen Entscheidungen richtig gelegen hat und wie viel Mehrrendite er zu seinem Vergleichsindex erwirtschaften konnte. Werte über Null bedeuten, der Fonds hat seine Benchmark geschlagen. Je höher die Information-Ratio, desto höher der Mehrertrag. Ein Platz im Ranking bekam am Ende allerdings nur, wer in allen drei Zeiträumen exzellente Ergebnisse ablieferte. Von den 3510 untersuchten Fonds gab es gerade mal 1250 seit zehn Jahren.

Nur wenige Manager bestanden in beiden Disziplinen. Im Schnitt konnten über drei Jahre 28,4 Prozent, über fünf Jahre 27,8 Prozent und über zehn Jahre 28,0 Prozent aller geprüften Fonds mit entsprechend langer Historie ihren Vergleichsindex übertreffen.

Auffällig ist, dass vor allem der Fünf-Jahres-Zeitraum - im Test 2007 bis 2012 - für viele Manager zur unüberwindbaren Hürde wurde. Mit anderen Worten: In Aufwärtsmärkten ist es ihnen häufiger gelungen, den Markt zu toppen, in Krisenjahren wie 2008 gelang dies nur den wenigsten. In der Fondsbranche sind offenbar die Schönwetterspieler in der Mehrzahl. "Gerade wenn Privatanleger die Expertise eines professionellen Fondsmanagers gebraucht hätten, wurden sie oft enttäuscht", so Schilling.

Die Studie offenbart vor allem die Schwäche einiger großer Häuser, die dem Anleger in schlechten Zeiten wenig brachten. Besser schnitten inhabergeführte Fondsboutiquen ab; obwohl sie nur elf Prozent aller geprüften Fonds verwalteten, stellten sie rund ein Drittel der 83 Siegerfonds.

Weiteres überraschendes Ergebnis: Anleihefonds spielen ganz oben mit, sie sind besser als ihr Ruf. Nach gängiger Marktmeinung haben Anleihefondsmanager gerade bei Niedrigzinsen Schwierigkeiten, die Gebühren einzuspielen und ihren Vergleichsindex zu schlagen. Bei einem Zinskupon von zwei oder drei Prozent fallen Verwaltungsgebühren von rund einem Prozent stark ins Gewicht. Doch gerade in der Anleiheliga waren deutlich mehr langfristig erfolgreich als in anderen Kategorien. Über zehn Jahre schaffen 59 Prozent der Fonds aus der Gruppe "Anleihen Euro" und sogar 70 Prozent der "Anleihen globale Währungen" eine positive Information-Ratio. Über drei Jahre schneiden sie sogar noch besser ab. Mit 46 Siegerfonds stellen diese beiden Kategorien die Mehrheit aller Top-Produkte.

Edouard Carmignac, Fondsmanger und Präsident der Fondsgesellschaft ...   Edouard Carmignac, Fondsmanger und Präsident der Fondsgesellschaft Carmignac Gestion

Die meist wenig beachteten Rentenfondsmanager - sie zeigen sich als heimliche Stars der Zunft. Allen voran Peter Huber, einer der renommiertesten deutschen Fondsverwalter. Er schaffte es, sich mit seinen global ausgerichteten Starcapital-Fonds gleich zweimal unter den Top Five der Siegerliste zu platzieren (siehe Tabelle).

Indexfonds oder aktiv gemanagter Fonds? Die Frage stellt sich vor allem, wenn es um Aktien geht. Viele verfolgen inzwischen die Strategie, große etablierte Aktienmärkte wie Europa oder Amerika über einen Indexfonds abzudecken und nur spezielle Felder wie etwa Schwellenländer oder Rohstoffe einem Fondsmanager anzuvertrauen. Die Studie zeigt: Diese sogenannte Core-Satellite-Strategie geht nicht immer auf. Im Gegenteil. Gerade bei den Emerging Markets schwächelten die Manager, während sich andererseits bei den großen Themen wie europäischen Aktien aktives Management lohnte.

Auch in einer der Königskategorien, den globalen Aktienfonds, scheint die Bilanz auf den ersten Blick und auf lange Sicht relativ positiv. Immerhin gut ein Drittel der aktiv gesteuerten Fonds weist über zehn Jahre eine positive Bilanz gegenüber dem globalen Aktienindex MSCI World auf. Über drei und fünf Jahre schaffen es jedoch weniger als ein Fünftel. Naheliegende Erklärung: In dem weltweit dynamischen Aufwärtstrend von 2003 bis 2007 profitierten viele global ausgerichtete Fondsmanager von ihren Investments in den überproportional steigenden Emerging Markets. Diese Schwellenländer sind im MSCI World nicht vertreten. Seit 2007 jedoch blieben gerade die großen Emerging Markets wie Indien und China zurück. Vielen Managern gelang das Umsteuern nicht - auch so erfolgsverwöhnten wie dem Franzosen Edouard Carmignac mit seinem globalen Aktienfonds Carmignac Investissement. Immerhin sechs Fonds konnten über alle Zeiträume überzeugen.

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  • Aus der FTD vom 15.11.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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