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Merken   Drucken   10.09.2008, 11:52 Schriftgröße: AAA

Indexfonds: Scharia-ETFs trotzen Religionsurteil  

Gläubige Moslems dürfen keine Zinszahlungen annehmen. Diesen Grundsatz haben Religionsgelehrte jüngst noch einmal bekräftigt. Das führte zu einem Einbruch des Handels mit "schariakonformen" Anleihen. Boomende Alternative sind Anlagevehikel, die islam-konform Kursgewinne erwirtschaften. von David Selbach
Das Emissionsvolumen schariakonformer Anleihen ist in den ersten acht Monaten dieses Jahres um 40 Prozent gesunken, zeigen Zahlen von Standard & Poor's. Grund dürften nicht nur die Turbulenzen am Finanzmarkt sein. Religionsgelehrte aus Bahrain bezeichneten die meisten "Sukuk" als nicht mit dem islamischen Gesetz vereinbar. Schariakonforme Indexfonds, die dieses Urteil nicht betrifft, boomen dagegen weiter.
Nach der Barclays-Tochter iShares hat die Deutsche-Bank-Sparte X-Trackers vier Exchange-Traded Funds (ETFs) herausgegeben, die keine Zinsen erwirtschaften oder Einkommen aus der Finanzierung von Glücksspielen, Waffen, Alkohol, Tabak oder der Schweinemast erzielen. X-Trackers bildet Scharia-Varianten des S&P-Welt-Barometers nach, außerdem eine islamische Auswahl aus S&P Europe 350, S&P Japan 500 und Dow Jones 100.
"Muslimische Investoren suchen vermehrt nach innovativen Finanzprodukten, die konform mit ihren religiösen Normen sind", erklärt X-Trackers-Chef Thorsten Michalik. "Der Markt ist noch weitestgehend unberührt." X-Trackers lässt die Fonds vom Kairoer Islamgelehrten Hussain Hamid Hassan zertifizieren, der sowohl die Struktur des Index untersucht als auch den Wertpapierkorb, mit dem die ETFs den Kursverlauf nachbilden.
"Ein Werbegag ist das jedenfalls nicht", sagt Simon Nöth, Fondsanalyst bei Morningstar. Bisher würden vor allem institutionelle Investoren auf ETF setzen. "Ich kann mir bei den schariakonformen Produkten jedoch vorstellen, dass höhere Summen von Privatanlegern kommen werden." Der Frankfurter Emittentenberater Jan Altmann geht davon aus, dass die Käufer von Scharia-ETFs nicht nur im Nahen Osten zu finden sind, sondern auch in Malaysia, Singapur und Indien. "Es handelt sich einfach nur um ethisch motivierte Investmentregeln, die in ihrer Gesamtheit durchaus Sinn ergeben", bemerkt Altmann. "Die Kreditkrise der westlichen Welt wäre in dieser Form in der islamischen Welt nicht passiert."
Tatsächlich sind die Scharia-Indizes in den vergangenen Jahren meist besser gelaufen als die Standardbarometer, unter anderem, weil sie Finanztitel untergewichten. "Schariakonforme Finanzprodukte funktionieren häufig besser als andere Märkte, aber eben längst nicht immer", sagt Thomas Meyer zu Drewer, Geschäftsführer des ETF-Anbieters Lyxor. Er will vorerst keine Scharia-Produkte ins Programm nehmen. "Das Konzept ist religiös motiviert und in manchen Weltgegenden vorgeschrieben. Mehr aber auch nicht." iShares-Vertriebschef Claus Hecher dagegen versteht Scharia-ETFs "nicht als ausschließlich ethisches Investment".

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