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Merken   Drucken   06.08.2012, 14:45 Schriftgröße: AAA

Investment in Schwellenländern: Brasilianische Verhältnisse

Brasilien erlebt derzeit einen Anleihehype und einen Absturz der Aktienkurse. Südamerikas größtes Land ist damit ein Spiegelbild der globalen Märkte.
von Frauke Ladleif

Kein Monat ist in São Paulo so trocken wie der August - und auch an der dort beheimateten brasilianischen Börse herrscht Dürre. Unter den lateinamerikanischen Börsenindizes gehört der brasilianische Leitindex Bovespa dieses Jahr zu den schlechtesten, zeigen Daten von Bloomberg. Ein ganz anderes Bild zeigt der Rentenmarkt. Dollar -Anleihen haben den Investoren dort im Juli die besten Erträge seit drei Jahren beschert.

Die gegenläufige Entwicklung ist beispielhaft für die derzeitige Stimmung an den Märkten. Während Anleger Aktien aus Schwellenländern eher misstrauen, sind sie händeringend auf der Suche nach sicheren Anlagen, die zumindest ein wenig Rendite versprechen. "Es gibt einen absoluten Heißhunger darauf", sagt Paul McNamara, Vermögensverwalter von GAM Investment in London, gegenüber Bloomberg. Brasilianische Staatsanleihen gelten mittlerweile als sicherer als italienische, obwohl die Ratingagentur Standard & Poor's sie mit "BBB" benotet hat - der zweitniedrigsten Stufe der Kategorie Investmentgrade und eine Note niedriger als die von Spanien und Italien. Doch weil die Schuldenkrise in der Euro-Zone sich weiter verschärft, sind Anleihen aus Spanien und Italien für viele Vermögensverwalter tabu. "Sie haben damit begonnen, in den Emerging Markets zu investieren", sagt Henry Stipp, Vermögensverwalter bei Threadneedle Asset Management.

Günstig wie selten: Brasilianischer Leitindex Bovespa in Punkten   Günstig wie selten: Brasilianischer Leitindex Bovespa in Punkten

Besonders attraktiv sind brasilianische Anleihen, die mit einer starken Währung unterlegt sind, wie es bei den Dollar-Papieren der Fall ist. Sie haben im vergangenen Monat 4,3 Prozent zugelegt, so viel wie zuletzt Anfang 2009. Profiteure der Euro-Krise könnte man sie nennen - ganz im Gegensatz zu brasilianischen Aktien.

Hier schlägt die unsichere Lage der Weltwirtschaft mit voller Härte auf die Kurse durch. Seit März folgt der Bovespa einem Abwärtstrend. Die brasilianische Börse sei stark vom Kapital ausländischer Investoren abhängig, sagt Alexandre Ghirghi, Portfoliomanager bei Metodo Investimentos in São Paulo, gegenüber Bloomberg. "Und angesichts dessen, was in der Welt vor sich geht, ist der Kapitalfluss ziemlich negativ."

Tatsächlich haben ausländische Anleger im zweiten Quartal 2,6 Mrd. Real (1,0 Mrd. Euro) aus dem brasilianischen Markt abgezogen - für Ghirgi völlig unverständlich. Der Ausblick für die Unternehmen rechtfertige solch einen Kurseinbruch nicht, sagt er. Von 19 Unternehmen im Bovespa, die bis vergangenen Dienstag ihre Ergebnisse für das zweite Quartal vorgelegt haben, haben neun die Erwartungen der Analysten übertroffen - für Anleger eigentlich eine gute Gelegenheit, billig an werthaltige Aktien zu kommen. Doch Experten warnen: Verschärft sich der Abschwung der Weltkonjunktur, wird sich der Aktienmarkt so bald nicht erholen.

  • FTD.de, 06.08.2012
    © 2012 Financial Times Deutschland
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