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Merken   Drucken   04.07.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Anleger scheuen Fondspreisvergleich

Die meisten Kunden kaufen Investmentfonds überwiegend über Banken und Sparkassen. Das ist der bequemste Vertriebsweg. Aber oftmals auch der teuerste. von Julia Groth
Wer einen Investmentfonds beispielsweise der Kapitalanlagegesellschaft Fidelity kaufen will, hat die Qual der Wahl. Er kann beispielsweise die Fondsanteile über das Internet direkt bei Fidelity erwerben. Er kann zur Bank oder Sparkasse gehen, über einen Versicherer oder einen Finanzberater ordern. Die meisten Kunden wählen jedoch die Bank - und somit den teuersten Weg, sich einen Fonds ins Portfolio zu holen.
Damit liegen die Fidelity-Kunden voll im Trend: Fast drei Viertel aller deutschen Investmentfondsbesitzer erwerben Fondsanteile über Banken oder Sparkassen. Das geht aus einer Studie des Bundesverbands Investment und Asset Management (BVI) hervor. An zweiter Stelle stehen, weit abgeschlagen, die Fondsgesellschaften selbst.
Auch als Quelle für Informationen stehen Banken und Sparkassen deutlich an erster Stelle. Auf Platz zwei der Informationsquellen für Kaufentscheidungen stehen das Internet sowie Fachzeitschriften.
Bequemlichkeit der Anleger
Bei der Bank zahlen Anleger bis zu sechs Prozent Ausgabeaufschlag, den das Institut dann als Provision behält. Dieser fällt beim Kauf direkt über die Fondsgesellschaften, über Direktbanken oder über die Börse meist weg. Dennoch ist für die Dominanz der Banken und Sparkassen im Fondsverkauf kein Ende in Sicht. Das liegt offenbar vor allem an der Bequemlichkeit der Anleger.
Fragt man die bankeigenen Fondsgesellschaften, verdanken die Kreditinstitute ihre Beliebtheit freilich ihrem Beratungsangebot. "Die Kunden wollen beraten werden", versichert Claus Gruber von der Deutsche- Bank-Tochter DWS Investments. Bei Direktbanken und beim Kauf unmittelbar über die Fondsgesellschaft gibt es keine Beratung.
Ähnliche Töne schlägt Markus Rosenberg an, Experte der Sparkassen-Investmentgesellschaft Dekabank. "Wir glauben, gerade vor dem Hintergrund der Finanzmarktkrise, an die Vorteile der Beratungsleistung", sagt er. "Es muss vorab geklärt werden, ob Anlageklasse und Ausrichtung des Fonds zum Anleger passen." Die meisten Kunden folgen seiner Erfahrung nach den Ratschlägen der Bankangestellten. Für Rosenberg ein Zeichen dafür, dass sie die Beratung schätzen.
Deutsche Privatanleger suchen Beratung
Nachfrage Der Vertrieb von Investmentfonds wird in Deutschland traditionell von Banken und Sparkassen dominiert. Nur die wenigsten privaten Investoren nutzen den in der Regel deutlich günstigeren Weg über die Börse oder per Fondsshops. Der Anteil ist sogar im Vergleich zu den Vorjahresergebnissen zurückgegangen.
Deutsche Privatanleger suchen Beratung   Deutsche Privatanleger suchen Beratung
Keine Beratung
Heuchelei sei das alles, kontert der Branchenkritiker Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. "Banken machen keine Beratung", sagt er. "Sondern sie führen ein Verkaufsgespräch." Echte Beratung bekämen Anleger am ehesten von Honorarberatern, die nicht von der Verkaufsprovision leben.
Die BVI-Studie zeige vielmehr, wie tief die meisten Anleger in ihren Gewohnheiten verwurzelt seien: Wenn sie Geld anlegen wollen, gehen sie zur Hausbank und fragen dort, was sie damit tun sollen. Am Ende kaufen sie dann oft einen Investmentfonds, der zu den liebsten Verkaufsprodukten der Banken gehört.
Schließlich können diese dabei den Ausgabeaufschlag und anschließend die jährliche Bestandsprovision einstreichen. Sich unabhängig über Investmentmöglichkeiten zu informieren, zum Beispiel mithilfe eines Honorarberaters, und dann die günstigste Kaufmöglichkeit herauszufinden - das ist vielen Anlegern zu kompliziert.

Teil 2: Gewährte Rabatte

  • FTD.de, 04.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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