FTD Herr Schreckeis, Kosten sind bei Investmentfonds ein ewig aktuelles Thema. Zu Recht?
Schreckeis Ja, denn unterm Strich schmälert jedes Prozent an höheren Gebühren den Gesamtertrag. Wer den langfristigen Zinseszins-Effekt kennt, weiß, warum jedes Zehntelprozent wichtig ist.
FTD Sollte man also grundsätzlich Fonds mit hohen Kosten meiden?
Schreckeis Zahlreiche empirische Studien beweisen, dass teure Fonds nicht unbedingt mehr für ihr Geld bieten. Allerdings sollten die Kosten auch nicht die alleinige Entscheidungsgrundlage bei der Fondsauswahl sein. Qualität hat eben oftmals ihren Preis.
FTD Sind denn die Kosten eines Fonds immer ohne Weiteres zu durchschauen?
Schreckeis Generell schon. Die Angaben zu Ausgabeaufschlägen und laufenden Gebühren sind leicht zu finden. Allerdings decken die laufenden Gebühren nicht alle laufenden Kosten. Dafür wurde die sogenannte Total Expense Ratio (TER) eingeführt.
FTD In der alle anfallenden Kosten aufgeführt sind?
Schreckeis Nein, die Transaktionskosten sind als einziger Ausnahmepunkt nicht Teil der TER, können aber einen bedeutenden Kostenblock darstellen. Das hängt stark davon ab, wie aktiv ein Manager ist.
FTD Das heißt aber doch konkret, dass Anleger gar nicht wissen können, wie viel ihr Fonds im Endeffekt wirklich kostet.
Schreckeis Doch, aber erst im Nachhinein. Die in einem Jahr angefallenen Gesamtkosten finden Anleger nämlich in dem im folgenden Jahr veröffentlichten Jahresbericht. Im Regelfall liefert die TER allerdings schon eine relativ genaue Hausnummer, sie bildet zumindest ein realistischeres Bild ab als die laufenden Gebühren.
FTD Wo findet man die TER?
Schreckeis Etwa im sogenannten vereinfachten Prospekt eines Fonds, der für jeden Anleger über die Internetseiten der Fondsgesellschaften abrufbar ist.
FTD Zusätzlich zu den jährlichen Gebühren führen immer mehr Fondsgesellschaften performanceabhängige Gebühren ein.
Schreckeis Für Anleger sind höhere Kosten immer negativ. Trotzdem sollte man performanceabhängige Gebühren nicht grundsätzlich verurteilen. Nach einer Studie von Barclays Global Investors und der Ford Foundation helfen erfolgsabhängige Gebühren, den Interessenkonflikt zwischen Anleger und Manager zu entschärfen. Nachteil ist, dass Fondsmanager verleitet werden können, für eine höhere Performance auch ein höheres Risiko einzugehen.