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Merken   Drucken   20.09.2008, 08:30 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Land in Sicht

Die Rentenmärkte scheinen das Schlimmste überstanden zu haben. Um die Performance anzukurbeln, setzen einige Manager nun auf mehr Risiko. von Martin Diekmann
Gerade einmal 10,7 Prozent Rendite auf Sicht von drei Jahren: Begeistern kann die Wertentwicklung von Euro-Rentenfonds nicht. Vor allem wenn man weiß, dass diese Performance nur vom besten Produkt der Vergleichsgruppe erreicht wurde. Die gesamte Konkurrenz liegt mit ihrer Rendite teils deutlich darunter. Anleger konnten also damit nicht einmal die Inflationsverluste ausgleichen.
Störfeuer für die Performance gab es in den vergangenen Jahren wiederholt: Das starke Wachstum der Weltwirtschaft und damit einhergehende niedrige oder sinkende Zinsen, die Subprime-Krise, eine Inflationsrate, die derzeit mit gut vier Prozent in der Euro-Zone so hoch ist wie seit 15 Jahren nicht mehr, sowie eine Konjunktur, die seit mehreren Monaten in die Flaute abdriftet.
"Der europäische Rentenmarkt ist damit den stärksten Belastungen seit der Ölkrise in den Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts ausgesetzt", sagt Christopher Frisch, Leiter Rentenfondsmanagement bei der Kölner Ampega Gerling Investment. "Nachdem wir im September 2005 mit rund drei Prozent Rendite das historische Tief der zehnjährigen deutschen Staatsanleihen gesehen haben, ist die Gesamtverzinsung vorübergehend auf 4,7 Prozent gestiegen", sagt Frisch.
Alles wird besser
Der Renditeanstieg, der zwangsläufig deutliche Kurseinbußen bei Euroanleihen zur Folge hatte, weil sich Börsenpreise und Gesamtverzinsung von Schuldverschreibungen gegenläufig entwickeln, verdeutlicht, welchem Wechselbad der Gefühle Anleger derzeit an den sonst vergleichsweise stabilen Zinsmärkten ausgesetzt sind.
Doch nun soll alles besser werden. "Insgesamt sehen wir die weitere Entwicklung an den europäischen Rentenmärkten positiv", sagt Bernd Riedel, Director Financial Institutions bei UBS Global Asset Management Deutschland. Die konjunkturelle Abschwächung spreche für fallende Renditen. "Und dies sollte sich entspannend auf die noch hohe Inflation auswirken", sagt Riedel. Zudem würden immer mehr Investoren damit rechnen, dass die EZB bereits Ende 2008 den Leitzins zum ersten Mal senken könnte, womit die Kurse der am Markt erhältlichen Papiere steigen würden.
Eine Meinung, die auch Ampega-Gerling-Stratege Frisch vertritt: "Aufgrund der zu erwartenden nachlassenden Inflationsdynamik und der schwächeren Weltkonjunktur wird der nächste Zinsschritt der EZB nach unten erfolgen, spätestens zu Beginn des kommenden Jahrs." 2009 erwartet Frisch einen EZB-Leitzins von weniger als vier Prozent und somit erkennbar unter jenen 4,25 Prozent von heute. Bei derzeit rund 4,2 Prozent Gesamtverzinsung für zehnjährige Bundesanleihen wird die Luft aber recht dünn für weiter fallende Renditen und damit Kursgewinne.
Unternehmensanleihen werden als attraktiv bewertet
Fraglich also, wo die Performance-Fantasie in nächster Zeit herrühren soll. Riedel sieht sie von unerwarteter Seite: Finanzanleihen, Schuldverschreibungen von Banken und Versicherern sowie Unternehmensanleihen - allesamt genau die Papiere, um die Anleger seit gut einem Jahr einen großen Bogen machen.
"Speziell Unternehmensanleihen sehen wir als attraktiv bewertet an", sagt Riedel. "Wegen der gestiegenen Risikoaufschläge sind hier auf der Zinsseite durchaus rund sechs Prozent erzielbar."
Riedel ist kein Einzelfall. Zwar hält man sich bei Ampega Gerling von Subprime-Papieren und Asset-Backed Securities, also mit Forderungen unterlegten Schuldverschreibungen, fern. "In den vergangenen Monaten haben wir den Anteil von Finanzanleihen aber auf mehr als 40 Prozent erhöht und den Anteil von Industrieanleihen auf rund zehn Prozent ausgebaut", sagt Frisch.

Teil 2: Die Idee ist klar

  • FTD.de, 20.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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