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Merken   Drucken   26.06.2009, 10:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Lieber auf Nummer sicher

High-Yield-Bonds locken mit zweistelligen Renditen, doch die Ausfallrisiken wachsen. Fondsmanager setzen deshalb auf solide Anleihen – denn die bieten ebenfalls ordentliche Zinsen bei überschaubarem Risiko. von André Schmidt-Carré
Die Signale auf dem Markt für hochverzinste Unternehmensanleihen sind derzeit widersprüchlich. Seit Jahresbeginn haben die Kurse der Junkbonds im Durchschnitt um rekordverdächtige 30 Prozent zugelegt, was für ein deutlich verbessertes wirtschaftliches Umfeld spricht. Gleichzeitig steigen die Insolvenzen in dieser Unternehmenskategorie merklich an. Die Ausfallraten lagen vor der Finanzkrise bei historisch niedrigen ein bis zwei Prozent, aktuell sind es acht Prozent. Den Höhepunkt erwarten Experten gegen Ende des Jahres, wenn bis zu 15 Prozent der Firmen pleitegehen könnten.
Marktbeobachter nennen zwei Gründe für die Hausse der Ramschanleihen: "Die Kurse waren nach der Lehman-Pleite und der damit verbundenen Angst vor einem Zusammenbruch des Finanzsystems extrem im Keller", sagt Roeland Moraal, Fondsmanager des Robeco European Currencies High Yield Bonds. "Diese Sorge ist deutlich kleiner geworden, seit die Staaten die Finanzsysteme weltweit stützen. Außerdem ist viel Geld im Markt, das nach Anlagemöglichkeiten sucht."
Nach dem großen Schock der Finanzkrise scheinen viele Investoren bereits wieder von der Sorge getrieben, sie könnten Renditemöglichkeiten verpassen. Fondsmanager Moraal ist nach der aktuellen Kurserholung allerdings skeptisch, ob die Notierungen noch mehr steigen: "Wir glauben, dass die Rally bei den High Yields erst einmal gelaufen ist. Die Kurssteigerungen seit Anfang des Jahres signalisieren eine nachhaltige konjunkturelle Erholung, die wir so noch nicht sehen."
Hochzinsanleihen sind derzeit äußerst attraktiv
Dabei sehen die Kurse der High Yields im historischen Vergleich immer noch günstig aus. Wesentlicher Bestandteil der Firmenbond-Kurse sind die sogenannten Spreads. Sie geben die Differenz der Verzinsung einer Unternehmensanleihe gegenüber einer als sicher geltenden Staatsanleihe an. Und markieren damit den Risikoaufschlag. Diese Prämie verlangen Anleger im Gegenzug für das eingegangene Risiko, dass sie ihr Geld im Falle einer Pleite ganz oder teilweise nicht wiederbekommen könnten.
Laut Fondsanbieter Fidelity bieten europäische Hochzinsanleihen derzeit eine jährliche Rendite von fast 24 Prozent. Und damit einen Aufschlag gegenüber Staatsanleihen von knapp 20 Prozent. "Hochzinsanleihen sind derzeit äußerst attraktiv", sagt Ian Spreadbury, Fondsmanager des Fidelity European High Yield Fund. Schließlich preisen die derzeit gezahlten Spreads in den kommenden fünf Jahren eine Ausfallrate von 50 Prozent der Unternehmen ein.
Dabei gilt die Annahme, dass Inhaber von Anleihen einer Pleitefirma im Durchschnitt 40 Prozent des geliehenen Geldes zurückbekommen. Das wäre deutlich mehr als in der Krise der Jahre 2001/2002. Faktisch können diese Quoten aber auch deutlich niedriger liegen. Bei einer möglichen Pleite des Autobauers General Motors etwa halten Beobachter eine Quote von 15 Prozent und weniger für wahrscheinlich.
High-Yield-Bonds nur für risikofreudige Anleger
Trotz üppiger Renditen sind die Papiere wegen der hohen Risiken also kaum für jedermann geeignet: "High Yields mit schwachem BB- oder B-Rating zahlen derzeit zwar rund 15 bis 20 Prozent Zinsen", sagt Klaus Menz, Corporate-Bond-Spezialist bei HSBC. "Allerdings eignen sich solche Papiere nur für sehr risikofreudige Anleger, die auf eine baldige und nachhaltige Erholung der Konjunktur setzen."
Menz setzt auf Firmen, die im solideren Investment Grade angesiedelt sind, also mit einem Rating von BBB und besser. "Dort bekommt der Anleger zum Teil Zinsen im oberen einstelligen Bereich. Gleichzeitig ist das historische jährliche Ausfallrisiko mit durchschnittlich unter einem Prozent sehr niedrig." Der Stahlriese ArcelorMittal etwa ist mit BBB geratet und hat kürzlich eine Anleihe mit einem Zinskupon von 9,75 Prozent begeben.
Erstklassige Titel mit einem A-Rating liegen bei rund fünf Prozent und damit immer noch rund 200 Basispunkte über der Verzinsung deutscher Staatsanleihen: "Das ist im historischen Vergleich sehr viel. Schließlich ist das Ausfallrisiko bei solchen Unternehmen praktisch kaum größer als beim Staat."

Teil 2: Ausfallraten könnten steigen

  • FTD.de, 26.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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