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Merken   Drucken   23.10.2009, 13:00 Schriftgröße: AAA

Investmentfonds: Passive Produkte haben weniger Erfolg

Zuletzt galten passiv gemanagte Indexfonds als Maß aller Dinge. Nun aber zeigt sich, dass Anleger mit aktivem Management besser fahren - vorausgesetzt, sie erwischen die richtigen Produkte. von Wolf Brandes 
Mitten im Siegeszug der börsengehandelten Indexfonds drehen die aktiven Fondsmanager den Spieß wieder um: Zwei Drittel aller Aktienfonds mit Schwerpunkt Deutschland sind im laufenden Jahr besser als der Dax.
Seit Jahren liegt der Anteil der Outperformer nicht mehr so hoch. Die deutschen Fonds sind dabei keine Ausnahme: Bei den US-Aktienfonds schaffen es 68 Prozent der Manager, den S&P 500 zu schlagen. Ein ähnliches Bild bieten europäische Produkte: 70 Prozent der Fonds schnitten in den ersten neun Monaten besser ab als der DJ Stoxx 50, während der Anteil 2008 nur bei 26 Prozent lag. Die Zahlen belegen, dass im laufenden Jahr aktives Management Erfolge feiern kann wie selten zuvor.
Die Kursgewinne tun den Anlegern der im vergangenen Jahr so gebeutelten Aktienfonds gut. Vor allem die Manager der deutschen Flaggschiffe haben 2009 gegenüber dem Dax kräftig Boden gutgemacht: Concentra, Fondak, Dekafonds und DWS Investa legten seit Januar um bis zu 29 Prozent zu, während der Dax sich nur um 18 Prozent erholen konnte.
Der Zuwachs beim Fondak beispielsweise rührt daher, dass Fondsmanagerin Heidrun Heutzenröder das Portfolio zyklisch ausgerichtet hat: "Zu den erfolgreichsten Engagements zählten Industriewerte wie Krones und Heidelberger Druckmaschinen", sagt Heutzenröder.
Im richtigen Zeitpunkt
Die reine Lehre besagt eigentlich, dass aktive Fonds in der Hausse dem Index hinterherlaufen und in der Baisse besser sind als der breite Markt. Als Ursache dafür wird die Kasse angesehen, die ein Fonds vorhalten muss, um Rückgaben zu bedienen. Diese Liquidität bremst sowohl im Ab- wie auch im Aufschwung. Genauso war es in der Baisse 2000 bis 2002 sowie in der vorhergehenden Hausse.
Die Zeiten in der Investmentbranche haben sich jedoch geändert. Vor zehn Jahren konnten die Verantwortlichen nicht in dem Umfang Optionen und Futures nutzen wie heute. "Die EU-Investmentrichtlinie UCITS III bietet mehr Flexibilität. So haben wir vorübergehend beim Investa den Investitionsgrad auf 110 Prozent angehoben und können damit stärker an einer Aufwärtsbewegung partizipieren.
Das war früher nicht möglich", sagt Hennig Gebhardt, Leiter deutsche Aktien bei der DWS. Damit ist ein Fonds in Phasen schwacher Aktienmärkte nicht mehr automatisch besser als der jeweilige Index und umgekehrt.
Im Vergleich zu 2008 profitieren die aktiven Manager jetzt auch davon, dass stark gefallene Papiere ihre Verluste wieder ausgleichen konnten. Doch mit einer Buy-and-hold-Strategie sind die guten Renditen der Fonds allein nicht zu erklären. "2009 haben wir den Hebel zum richtigen Zeitpunkt umgelegt und sind im Frühjahr in zyklische Werte gegangen; außerdem haben wir Finanztitel wie Deutsche Bank und Deutsche Börse gekauft", erläutert DWS-Manager Gebhardt seine Strategie.
Investoren wagen sich aus der Deckung   Investoren wagen sich aus der Deckung
Grund für schlechte Zeiten
Der Vergleich von Fonds mit einem Index zieht generell die Frage nach dem passenden Maßstab nach sich. Doch der wird vielfach gar nicht veröffentlicht. "Von einem Manager darf ich aber erwarten, dass er mir einen Maßstab nennt", sagt Pioneer-Chef Dominik Kremer. Das sieht auch DWS-Mann Gebhardt so und hält für den DWS Investa den Dax nach wie vor für die beste Messlatte: "Der Index ist nun mal das wichtigste Börsenbarometer in Deutschland."
Genau dieser Index hat den Fondsmanagern im vergangenen Jahr jedoch Kopfzerbrechen bereitet - und zu den miesen Ergebnissen geführt. In einem der schwächsten Börsenjahre der Geschichte mit einem Indexverlust von 40 Prozent büßten die deutschen Top-Fonds bis zu 48 Prozent ein.
Die schlechten Zahlen führen die Manager überwiegend auf die Kurskapriolen von Volkswagen zurück. "Allein der VW-Effekt hat uns 2008 rund 4,3 Prozentpunkte Performance gekostet. Davon konnten wir in diesem Jahr drei Prozentpunkte wieder hereinholen", sagt Gebhardt.

Teil 2: Eine sinnvolle Anlagestrategie

  • FTD.de, 23.10.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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